Vortrag Christa Müller – Urban Gardening

Gartendeck Hamburg Foto: Christa Müller

Mi, 29.06.2016

Goethe-Institut Warschau

ul. Chmielna 13A
Zugang ul. Chmielna 11
00-021 Warszawa

Urbane Interventionen zur Aneignung des öffentlichen Raums

Christa Müller stellt in ihrem Vortrag die Diagnose, dass in den westlichen Großstädten ein verändertes Verständnis von Urbanität entsteht, in dem die neuen Gärten mit ihren Kulturen des Selbermachens, ihrer Suche nach Naturräumen in der Stadt und der Re-Etablierung von Nahbezügen eine Vorreiterrolle spielen. Der Vortrag versucht sich an einer zeitdiagnostischen Einordnung des Urban Gardening und zeigt gesellschaftliche Bezüge und Sinnhorizonte auf, in denen das urbane Gemeinschaftsgärtnern gelesen werden kann.
 
In Gemeinschaftsgärten, Interkulturellen Gärten, City Farms, Kiez- und Nachbarschaftsgärten sowie in mobilen urbanen Landwirtschaftsprojekten wird nicht nur Biogemüse angebaut, sondern auch ein neuer Zugang zum guten Leben mitten in unseren Großstädten gesucht. Die Akteure einer neuen Gartenbewegung gestalten gemeinschaftlich innerstädtische Naturerfahrungsräume, beleben die Nachbarschaft, essen zusammen und empfehlen sich der Kommunalpolitik als kompetentes Gegenüber in Sachen Stadtplanung.
In diesen Räumen entstehen auch neue Formen des Politischen. In der urbanen Gartenbewegung finden sich wenig Forderungen, vielmehr ergeben sich diese aus den Praxen und aus den in ihr generierten Bildern selbst. Das, was in den neuen, commons-basierten Räumen des Selbermachens geschieht - die Hinwendung zur Natur, eine subsistenzorientierte Praxis, eine Care- und Share-Economy, die Öffnung von Design und Schaltplänen, das Hacken von Dingen und Räumen, die Schaffung von Allmenden, die Wiederentdeckung der Commons – all das zeigt, dass die Welt von einer jungen Generation als (veränderbarer) Ort der Fülle begriffen wird, aber nicht mehr als Ort der Verschwendung von Ressourcen. 
 
Christa Müller Christa Müller | © Christa Müller Dr. Christa Müller studierte Soziologie in Bielefeld, Marburg und Sevilla, forschte in Spanien, Lateinamerika und Westfalen zu Bauernbewegungen und Modernisierungsprozessen. Sie leitet die anstiftung in München, lehrt an verschiedenen Hochschulen, ist als Gutachterin tätig, u.a. für das Bundesforschungsministerium und forscht zu nachhaltigen Lebensstilen und neuen Wohlstandsmodellen.
2011 gab sie das Buch „Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt“ heraus (oekom Verlag) und co-kuratierte die Ausstellung „Die Produktive Stadt – Designing for Urban Agriculture" (TU Berlin und TU München). Ihr aktuelles Forschungsinteresse gilt den neuen Do-it-Yourself-Kulturen als Formen und Netzwerke postindustrieller Produktivität. Dazu erschien 2013 „Stadt der Commonisten. Neue urbane Räume des Do it yourself“ (gemeinsam mit A. Baier und K. Werner). Für 2016 ist im Druck: „Die Welt reparieren. Selbermachen und Open Source als Praxis gesellschaftlicher Transformation“ (beide im transcript Verlag, Bielefeld).

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