Lesung und Diskussion mit den Schriftstellern Artur Becker und Matthias Nawrat Fragen zur Identität und Mentalität zu Anfang des 21. Jahrhunderts

Moderation: Dr. Magdalena Kardach

Lesung:
Artur Becker aus "Kosmopolen. Auf der Suche nach einem europäischen Zuhause" Essays
Matthias Nawrat aus „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“


Artur Becker, geb. 1968 in Bartoszyce (Masuren) lebt seit 1985 in Deutschland. Heute in Verden (Aller). Seit 1997 als frei schaffender Schriftsteller schreibt er Romane, Novellen, Erzählungen, Gedichte, Essays, Aufsätze, Zeitungsartikel und Rezensionen vor allem für die Frankfurter Rundschau (zuletzt erschienen: Aufklärung. User Kosmopolis. FR, 3.05.2017).  Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (2009) und mit dem DIALOG-Preis der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband e.V. (2012). Artur Becker ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland und im Exil-P.E.N.-Club sowie im Verband deutscher Schriftsteller (VS) in ver.di.)

In Polen erschienen zwei seiner Romane Kino Muza, Olsztyn 2008, Nóż w wódzie, Pieśń o topielcach, Olsztyn 2013. In der Vorbereitung zur Publikation im Universitas-Verlag, Kraków: Kosmopolska. W poszukiwaniu europejskiego domu. Eseje. (Kosmopolen. Auf der Suche nach einem europäischen Zuhause. Essays. Weissbooks 2016)
Alle in dem Essayband Kosmopolen. Auf der Suche nach einem europäischen Zuhause versammelten Essays, unabhängig davon, ob sie sich mit der Literatur, der Kunst, der Politik, der Religion oder der Utopie beschäftigen, müssen in den Kontext des Kampfes gegen jedwede einseitige und radikale Art zu denken gestellt werden. Sie machen die Notwendigkeit bewusst, dass man sich auf seiner eigenen historischen und kulturellen Ebene nicht isolieren dürfe.

Der Autor der Essays sieht heute in dem sogenannten Kosmopolen einen neuen Menschentypus des 21. Jahrhunderts ‒ einen Europäer, der, unabhängig seiner nationalen Zugehörigkeit und seines staatlichen Raums, sowohl für die europäische Gemeinschaft wie auch für seine Heimat nach verbindlichen und verbindenden Gemeinsamkeiten sucht, ohne seine Herkunft zu verleugnen. Den Ausgangspunkt bilden Ereignisse, die im Kontext der schwierigen polnisch-deutschen Beziehungen gesehen werden, um im nächsten Schritt ihre Erweiterung in der Perspektive Ost-West in Europa zu finden, im Kontext des Studiums der Identitäts- und der Mentalitätsgeschichte.
 
 
Matthias Nawrat, geb.1979 in Opole, seit 1989 lebt in Deutschland. Heute in Berlin als frei schaffender Schriftsteller. Für sein Werk wurde er mit vielen Preisen ausgezeichnet, u.a. Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preis, Förderpreis Bremer Literaturpreis, Alfred Döblin-Medaille, nominiert zum Deutschen Buchpreis. In Polen debütierte er im Juni 2016 mit seinem letzten Roman Wszystkie śmierci dziadka Jurka, Bukowy Las, Wrocław 2017. (Die vielen Tode unseres Opas Jurek, Rowohlt 2015).

Die vielen Tode unseres Opas Jurek ist eine schaurig-komische und zugleich traurige Familiengeschichte mit Europas und Polens Geschichte des 20. Jahrhunderts im Hintergrund. Zum Plot des Romans machte Nawrat die Erlebnisse und Erfahrungen des Opas Jurek (beginnend mit der Geschichte von Warschau der Zwanziger Jahre, über die Erfahrung des Zweiten Weltkrieges, dann der sozialistischen Volksrepublik Polens, bis zur Solidarność-Ära und dem demokratischen Wandel 1990), die von seinen Enkelkindern erzählt werden. Der Roman verbindet Alltag und Politik, Witz und Kriegserfahrung, Autobiographisches und literarische Fiktion zu etwas, das stärker nachwirkt als jede romanhafte Biographie.
 
Dr. Magdalena Kardach: Literaturwissenschaftlerin, seit 2006 wiss. Mitarbeiterin  am Germanistischen Institut der Adam Mickiewicz Universität in Posen. Forschungsschwerpunkte: Deutsche Literatur im 19., 20. und 21. Jahrhundert; Literatur- und Kulturgeschichte des ehemaligen Ostpreußens; Geschichte und Gegenwart der deutsch-polnischen kulturellen Beziehungen, Rezeption der deutschen Gegenwartsliteratur in Polen.

Organisatoren: Adam Mickiewicz Universität Posen (IFG) und Deutsche Bibliothek (Goethe-Institut Warschau)
 

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