"Ich erzähle dir, was geschah, bevor wir hierherkamen"

Rynek w Mielcu .

Mo, 20.05.2019 -
Sa, 30.11.2019

Stowarzyszenie Kulturalne JARTE in Mielec

ul. Dworcowa 10/13
Mielec

Geschichtsprojekt des Kulturvereins JARTE

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Geschichte der Stadt Mielec kaum von der anderer galizischer „Schtetl“. Doch für jemanden, der bereits seit mehreren Jahrzehnten hier lebt und der sich für Neuere Geschichte interessiert, ist Mielec eine ganz außergewöhnliche Stadt.
 
Die meisten Einwohner von Mielec stammen nicht von hier.
 
WESHALB?
 
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte Mielec knapp 10 000 Einwohner, über die Hälfte von ihnen waren Juden. Nach dem Krieg war fast niemand von ihnen mehr übrig. Über die Hälfte der Einwohner war fast von einem Tag auf den anderen einfach verschwunden.
 
Heute hat Mielec über 60 000 Einwohner. Die meisten von ihnen sind zugewanderte Arbeiter oder deren Nachkommen. Es fällt schwer, von einer Identität zu sprechen, und doch haben die meisten Menschen hier eine unterschwellige Sehnsucht danach, irgendwo herzukommen, irgendwo hinzugehören und zu wissen, wer die Menschen waren, die vor ihnen hier gelebt haben.
 
Mielec ist wirtschaftlich stark, die Stadt entwickelt sich. Auch heute kommen neue Menschen in die Stadt: „Fremde“, aus anderen Gemeinschaften herausgerissene Menschen. Sie kommen hierher, um zu arbeiten – darüber hinaus haben sie kaum eine Verbindung zu der Stadt, in der sie leben. Wir wollen dies ändern und ihnen ein Gefühl von Identität geben. Eines Tages werden sie und ihre Kinder voller Stolz sagen, dass Mielec ihre Heimat, ihr Zuhause ist. Mit all den Gefühlen, die in diesem Bekenntnis für gewöhnlich mitschwingen. Die Verbundenheit mit der Geschichte ihrer Stadt und der Geschichte der Menschen, die in ihr gelebt haben, soll ihnen ein Gefühl der Geborgenheit geben und sie dazu anregen, Verantwortung für diesen Ort zu übernehmen, sich für das Wohl ihrer Stadt und die Verbesserung der Lebensqualität zu engagieren.
 
WAS?
 
Wir wollen dies erreichen, indem wir zeitgenössische visuelle Bezüge zum jüdischen Leben in Mielec herstellen. Wir wollen etwas in der Art einer Anthologie erschaffen: eine Anthologie der Straßen, in denen Juden Polen begegneten, der Häuser, in denen sie lebten und feierten, und der Geschäfte, in denen sie Handel trieben.
 
Zu diesem Zweck wollen wir die folgenden Materialien sammeln, beschreiben und in unterschiedlicher Form verfügbar zu machen:
 
- Archivmaterialien aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Wiederaufbaus – in Zusammenarbeit mit dem Regionalmuseum in Mielec, insbesondere der fotografischen Abteilung „Jadernówka“.

- Archivmaterialien aus den Jahrbüchern zweier Schulen in der Altstadt: der I. Allgemeinbildenden Oberschule und dem Gymnasium (dem heutigen Prof.-Janusz-Groszkowski-Schulkomplex).

- Fotografien und Andenken, die von den Einwohnern im Rahmen von regelmäßigen, in unterschiedlichen Stadtteilen (insbesondere in der Altstadt) stattfindenden kostenlosen Digitalisierungsaktionen zur Verfügung gestellt werden.

- Weitere während der Durchführung des Projekts gesammelte Bild- und Textmaterialien sowohl zur Stadt Mielec als auch zu den Teilnehmern des Projekts und den Einwohnern, die sich für das Projekt engagieren.

Wir wollen Schüler der Oberstufe und junge Erwachsene in das Projekt mit einbinden und gemeinsam mit ihnen Maßnahmen durchführen, deren Ziel die Schaffung eines digitalen Stadtarchivs und die Aktivierung der lokalen Bevölkerung sind.
 
WIE?
 
Eine solche Anthologie von Orten und Erinnerungen auf der Basis vorhandener und nicht mehr vorhandener materieller Überreste könnte in folgender Art und Weise realisiert werden: In Form einer Ausstellung, einer Website, öffentlichen Aktionen zur Sammlung alter Fotografien, kommentierten Rundgängen durch die Altstadt, Wandmalereien, Filmvorführungen und Fotoausstellungen im öffentlichen Raum sowie der Erstellung von Beschreibungen nicht mehr vorhandener Orte und der Erweiterung der Interpretation durch die Arbeit am Projekt. Die Art der Präsentation der gesammelten Materialien wird von den am Projekt beteiligten Künstlern, Kuratoren und anderen Mitarbeitern abhängen.
 
Wir wollen uns der schwierigen und komplizierten Geschichte der Stadt Mielec annehmen und sie gemeinsam mit ihren Einwohnern, mit Künstlern von außerhalb, mit Lehrenden und Geschichtsbegeisterten ergründen.
 
WOZU?
 
Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen das Geschichtsbewusstsein der Teilnehmer und ihre Verbundenheit mit der Stadt stärken. Sie sollen ihnen dabei helfen, sich selbst durch die Auseinandersetzung mit anderen besser zu verstehen. Sie sollen die harmonische Entwicklung junger Menschen durch die Teilnahme an unterschiedlichen Lebensbereichen fördern und ihnen dabei helfen, ihre kommunikativen und kooperativen Kompetenzen zu erweitern. Sie stellen einen Versuch dar, die Rolle der Stadt Mielec neu zu beurteilen, bisher unbekannte Aspekte ihrer Geschichte zu entdecken und auf diese Weise das ihr innewohnende Potenzial freizulegen.
 
Langfristig gesehen soll das Projekt die Kultur der Zusammenarbeit fördern, die unabdingbar ist für die soziale Integration und die Herausbildung von Individuen, denen Kooperation wichtiger ist als Konkurrenz und Rivalität. Es geht uns insbesondere um die Stärkung des zivilgesellschaftlichen Potenzials, das Bürger in die Lage versetzt, Probleme eigenständig zu lösen, und ihnen das Gefühl gibt, etwas bewirken zu können und Einfluss auf ihre nähere Umgebung zu haben.
 
Wir berücksichtigen innerhalb des Projekts auch Werbemaßnahmen, die Zusammenarbeit mit Partnern und die Generierung finanzieller Mittel aus unterschiedlichen Quellen, u. a. aus Mitteln der Stadtverwaltung Mielec, des Marschallamts der Woiwodschaft Karpatenvorland, des Ministeriums für Kultur und Nationales Erbe sowie aus Eigenmitteln des Kulturvereins JARTE.
 
Im Mittelpunkt der Tätigkeit des Kulturvereins JARTE steht das prozesshafte Arbeiten. Bei dem vorgestellten Projekt handelt es sich nicht um ein Einzelprojekt, sondern vielmehr um ein längerfristiges Programm.
 

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