Documenta 14: Arabische Kuratorinnen und Kuratoren in Athen Luma Hamdan

Luma Hamdan
Foto: Luma Hamdan

Auf dem Bildschirm ist ein Mann zu sehen, der sich rasiert. Anschließend taucht er mit einem Koffer auf und zieht sich um. Er isst Essen aus der Konservendose. 

Zunehmend wird klar, dass er in einem Transitbereich am alten Athener Flughafen feststeckt, ohne Reisepass oder einen Ausweg aus seiner Situation. Verzweifelt nach menschlichem Kontakt suchend, findet er Trost bei einer Schaufensterpuppe aus Plastik.

Dieser Film des bangladeschischen Künstlers Naeem Mohaiemen fasst die Politik des Raumes zusammen, die sich für mich durch alle Ausstellungen in Athen durchzog und die direkt mit den Zeiten verbunden ist, in denen wir momentan leben. Als Teilnehmer der vom Goethe-Institut organisierten Reise mit KuratorInnen aus der arabischen Welt hatten wir den zusätzlichen Vorteil, dass wir die KünstlerInnen persönlich treffen konnten, mehr über ihre Arbeitsweise erfahren durften und die Chance erhielten, ihnen Fragen zu stellen. Als Teil dieser Gruppe wurden uns zwei Touren an zwei Hauptausstellungsorten der documenta 14 gegeben und wir besuchten mehrere Vorstellungen und Konzerte.

Die erste Tour im „EMST National Museum of Contemporary Art“, die den obengenannten Film einschloss, beeindruckte mich mehr, da es sich im Detail auf vier spezifische Arbeiten fokussierte, wohingegen die zweite Tour in der Athener „School of Fine Arts“ (ASFA) meiner Meinung nach zu viel abzudecken versuchte, ohne dass uns der Inhalt vom Reiseführer eindeutig erklärt wurde. Von der zweiten Tour ist mir der Film vom marokkanischen Künstler Bouchra Khalili am stärksten in Erinnerung geblieben, der die Auswirkungen der syrischen „Flüchtlingskrise“ in Athen thematisiert. Es ist eigenartig, darüber nachzudenken, wie die kuratorische Verbindung zwischen Athen und Kassel, die auf den ersten Blick nicht klar ist, durch eine Flüchtlingskrise aus der arabischen Welt gestärkt wird.


Wir besuchten ein Konzert im Megaron – der Athener Konzerthalle, ein Projekt der documenta 14-Künstler Ross Birrell und David Harding. Es wurde vom Athener Staatsorchester und Mitgliedern des syrischen Exil-Philarmonieorchesters aufgeführt. Die Musik reflektierte für mich wirklich das Leid und die momentane „Flüchtlingskrise“ und als die Vorstellung mit dem berühmten „Helwe ya Baladi“-Lied von Dalida endete, brachen die meisten Personen im Publikum in Tränen aus.
 
Auf persönlicher Ebene war es gut für mich, dass ich in Athen mit verschiedenen Personen wieder in Kontakt kam, mit denen wir im Darat al Funun in der Vergangenheit zusammengearbeitet hatten. Dies schloss den palästinensischen Künstler Ahlam Shibli ein, dessen Fotoserie über den Kampf von Palästinensern, die unter schweren Restriktionen in Khalil leben, Teil der Ausstellung war. Seine Kunst hebt eine wichtige Krise hervor, die in diesen Tagen nicht so viel Aufmerksamkeit erhält.
 
Teil einer Gruppe von KuratorInnen aus unserer Region zu sein, machte die gesamte Erfahrung unvergesslich. Wir hatten die Möglichkeit, Teil einer der größten Kunstveranstaltungen der Welt zu sein, die wir ohne die Unterstützung des Goethe-Instituts möglicherweise nie erhalten hätten. Zugleich konnten wir uns auf persönlicher und beruflicher Ebene mit anderen KünstlerInnen aus der arabischen Welt in Verbindung setzen. Dies ist unbezahlbar, da die geteilten Erfahrungen und die Möglichkeiten, persönlich Ideen auszutauschen, weit entfernt und selten sind. Es ist meine Hoffnung, dass dies zu weiteren Arbeitsbeziehungen zwischen uns führen wird.