Documenta 14: Arabische Kuratorinnen und Kuratoren in Athen Lena Mansour

Die documenta ist eine Zusammenkunft von Künstlern, Kuratoren und kultureller Vertreter aus der ganzen Welt. Dies war für mich das erste herausragende Element.  

Ich stamme aus Haifa, einer Stadt, die auf politischer Ebene von der arabischen Welt als Grauzone isoliert wurde. Offensichtlich schließt uns das von Kulturinitativen und einem sogenannten einheitlichen Netzwerk aus, das Kreative und nichttraditionelle Spektren der Gesellschaft zusammenbringt. Deshalb war es für mich schon eine einzigartige und überwältigende Erfahrung, Teil einer internationalen Veranstaltung zu sein. Das Goethe-Institut ermöglichte es, eine Gruppe von Kuratoren aus Palästina, Ägypten, Marokko, Oman, Saudi-Arabien, Libanon und Jordanien zu versammeln, was bereits eine grundsätzliche Veränderung gegenüber meiner sonstigen Ausgrenzung vom Mittleren Osten war.
 
Um den Versuch zu starten, die verschiedenen visuellen Ausstellungen zu sehen und zu verstehen, die Teil unserer Tour durch die Ausstellungsorte im wunderschönen Athen waren, wählten wir als Gruppe vorab das aus, was wir als lohnenswert und wichtig zu verstehen erachteten. Es tut mir leid, wenn ich zynisch werde, was ein untrennbarer Teil meines Charakters ist, aber Athen ist für sich bereits auf visueller und ästhetischer Ebene wunderschön. Daher kamen die Ausstellungen der documenta natürlich erst auf dem zweiten Platz nach der Stadt.  
 
Es gab einige Darstellungen und Installationen, die anziehend und wunderschön anzusehen waren und für die Betrachtung der aktuellen Weltgeschehnisse und Krisen relevant sind, doch gleichzeitig gab es auch Inhalte, die meiner Meinung nach in problematischer Weise zu sehr dem ähnelten, was man heutzutage in der Kunstwelt bereits kennt. Allerdings ist dies unglücklicherweise ein normales Gefühl beim Betrachten von westlicher visueller Kunst geworden. Ist die Geschichte der syrischen Flüchtlinge wirklich die Geschichte der Europäer? Oder ist es ganz einfach deprimierender Inhalt, um die eigenen Inhalte aufzuhübschen und Menschlichkeit zu verkaufen? 
 
Es fühlte sich für mich so an, dass bezüglich der deutsch-griechischen Verbindung hauptsächlich die Zahl an Organisationen und Vorbereitungen hervorgehoben wurde, die auf dem Schild der documenta als Urheber dieses Großevents in Athen genannt wurden, doch der eigene Charakter der Stadt stach für sich eigenständig heraus. Meiner Meinung nach wurde erfolgreich Harmonie erschaffen, indem ein alternativer Ort zu Kassel ausgewählt wurde, der Performance und künstlerische Dialoge in einer alten Stadt voll von natürlicher Schönheit und Geschichten ermöglichte. 
 
Abschließend möchte ich dem Goethe-Institut für seine großartige Initiative danken, die uns alle auf geistiger Ebene anspruchsvoll gefordert hat. Wir erschufen ein Netzwerk in einer Welt voll von Dissonanz und Isolation. Es hat mich dazu angestoßen, in großen Dimensionen und außerhalb der allgemeinen Meinung und meinem Wohlfühlbereich zu denken, der mich einhüllt und daran hindert, über meinen Horizont hinaus zu sehen.