JiGG 2017 Portugal: Earnear

Earnear
Earnear | Foto (Ausschnitt): © Nuno Martins

Die 14. Ausgabe von JiGG eröffnet mit der Open-Air-Premiere des portugiesischen Trios Earnear. Im Interview sprechen Rodrigo Rodrigo Pinheiro, João Camões und Miguel Mira über die Ursprünge ihrer Zusammenarbeit und die musikalische Suche nach dem Gleichgewicht zwischen kontrastreichen Kontrapunkten.

Was bedeutet euer Bandname?
Die Bedeutung unseres Bandnamens ist sehr vielschichtig. Wörtlich übersetzt bedeutet er „Ohr nah“, was einerseits auf die Aufmerksamkeit und Sorgfalt hinweist, die für die musikalische Improvisation erforderlich ist, und zum anderen eine notwendige Voraussetzung für jeden Musikhörer ist, der die Musik maximal genießen möchte. Außerdem ist die grafische Erscheinung des Wortes interessant: Der Bandname enthält zweimal das Wort „ear“, voneinander getrennt durch das n in der Mitte, sodass eine Art schiefe Symmetrie entsteht.
 
Wie habt ihr euch kennengelernt und als Band zusammengefunden?
Die Gruppe ist eine Folge der brodelnden Jazz-Szene in Lissabon. Wir kannten uns alle schon vorher (auch schon in der Zeit, als João mit Miguel im Quintett Woods spielte). Rodrigo machte schließlich den Vorschlag, uns in dieser Formation zusammenzuschließen. 2010 haben wir mit der gemeinsamen Arbeit begonnen.
 
Wie würdet ihr euren Sound beschreiben?
Die Musik des Trios konzentriert sich auf ein Gleichgewicht zwischen kontrastreichen Kontrapunkten, Polyrhythmik und flüssigen Klangatmosphären. Dabei erkunden wir mit unserer Musik die akustischen Grenzen unserer Instrumente und greifen die Tradition der europäischen Kammermusik auf.
 
Welche Künstler haben euch am meisten inspiriert?
Die Band verarbeitet zahlreiche verschiedene Einflüsse. Obwohl wir ein Jazz-Trio sind, beeinflusst uns die klassische Musik, die wir alle studiert haben, am meisten. Übrigens ist seit dem 18. Jahrhundert das Klaviertrio (in diesem Fall mit Geige statt Bratsche) eine der Standardformationen der klassischen Musik. Nur Miguel hat nach der klassischen Ausbildung noch Jazz studiert. Die musikalische Sprache, die wir gemeinsam entwickelt haben, entsteht aus der Kreuzung von Musik, die für uns ein interessantes Hörerlebnis ist, und der Technik, die wir lernen und uns aneignen. Wir betrachten uns als Schwämme, die alles aufsaugen, was unser Interesse weckt. Daher wäre eine Liste der Künstler, die uns beeinflusst haben, sowohl sehr lang als auch langweilig für eure Leser.

Wie sieht euer kreativer Prozess aus?
Der Sound der Gruppe hat sich aus regelmäßigen gemeinsamen Proben entwickelt. Um zu der Musik zu gelangen, die wir machen wollten, mussten wir uns zuerst gegenseitig musikalisch genau kennenlernen, um von diesem Punkt aus die musikalische Sprache der Gruppe zu definieren. Dies geschah auf eine sehr organische Weise.
 
Welches war für euch der bisher einprägsamste Moment in eurer musikalischen Laufbahn?
Als Gruppe war der wichtigste Moment ohne Zweifel die Veröffentlichung unseres ersten Albums beim kanadischen Label Tour de Bras im Jahr 2015. Das Album wurde von der internationalen Kritik sehr gut aufgenommen.
 
An welchem Ort spielt ihr am liebsten?
Earnear ist ein Kammermusikensemble. Daher spielen wir am liebsten in Räumen mit guter Akustik, wo wir ohne Verstärker auskommen. Außerdem weiß Rodrigo ein gutes Klavier zu schätzen! Das Konzert bei JiGG wird also eine Herausforderung, da unsere Gruppe zum ersten Mal unter freiem Himmel spielen wird.
 
Was können wir von eurem Konzert [bei JiGG 2017] erwarten?
Das musikalische, zwischen Finesse und Wildheit changierende Angebot von Earnear ist sehr speziell. Seit wir unser Album aufgenommen haben, haben sich unser Sound und unsere Sprache sehr verändert. Deshalb glauben wir, dass es bei unserem Konzert viele gute Überraschungen geben wird.