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Lissabon
Daniel Blaufuks, Künstler

Von Daniel Blaufuks

Blaufuks © Daniel Blaufuks

Was versinnbildlicht für Sie die aktuelle Situation persönlich oder in Ihrem Land?

Sie versinnbildlicht nichts, sondern ist eine reale Konsequenz des falschen Gebrauchs und Missbrauchs der Natur in den letzten Jahrzehnten, des brutalen Umgangs der Menschen mit der Umwelt, mit Fauna und Flora zu ihrem eigenen Zweck und Nutzen. Es scheint, als ob die Zeit der Symbole (in Fülle) vorbei ist.
Wir sind nun mit der harten Realität konfrontiert, die zeigt, dass wir, dass die Menschheit in einer ziemlich kurzen Zeitspanne auslöschbar ist.
 
Wir müssen daher beginnen, Umweltbelange über das Wirtschaftswachstum zu stellen, sodass wir in Zukunft besser vorbereitet sind. Freilich zeigt die Situation auch, wie geschwächt die Europäische Union ist, unfähig, einer solchen Katastrophe mit vereinten Kräften gegenüberzutreten. Ich denke, dass eines tatsächlich Symbolcharakter bewahren wird: der Unwille der reichen Länder im Norden wie Deutschland, die Niederlande und Schweden, den ärmeren Partnern im Süden schnell und entschieden zu helfen. Dies wird bedauerlicherweise noch lange in Erinnerung bleiben. 

Wie wird die Pandemie die Welt verändern? Welche langfristigen Folgen der Krise sehen Sie?

Abgesehen von den offensichtlichen Gesundheitsaspekten, den psychischen Schäden und wirtschaftlichen Problemen werden die Folgen eher positiv als negativ sein, hoffe ich. Ein bewussterer Umgang mit unserer Umwelt. Konkrete Maßnahmen, um auf die kommenden Naturkatastrophen, darunter auch mehr Pandemien, zu reagieren. Der politische Wille zur Bewertung der je aktuellen Lage, der so lange vermisst wurde. Ich glaube, dass ich auch persönlich mehr Probleme haben werden, da zumindest in diesem Jahr keine Kunstmessen stattfinden. Dies bedeutet weniger Käufer und weniger Ausstellungen in den nächsten Jahren.
 
Auf lange Sicht hingegen werden sich die Unterschiede in Grenzen halten, da die Menschheit, wie wir gesehen haben, in vielerlei Hinsicht unverantwortlich ist. Vermutlich wird es mehr rechte Bewegungen geben, die glauben, dass die Pandemie von irgendeiner ausländischen Regierung ausgelöst und von Ausländern über unsere Grenzen eingeschleppt wurde; und eine tiefere Spaltung zwischen „gesunden“ und „kranken“ Ländern. Es wäre naiv zu glauben, dass sich langfristig etwas daran ändert. Die Gräuel des Ersten Weltkriegs haben den Zweiten Weltkrieg nicht verhindert, obwohl viele darauf gesetzt haben. Manche Dinge werden eine Zeitlang besser sein, vielleicht, andere werden schlechter sein als je zuvor. Das sehen wir ja jetzt bereits am Rassismus, der den ganzen Planeten erfasst: Indien, China, die USA, Ungarn etc.

Was macht Ihnen Hoffnung?

Die Natur.
 
Weiter nichts. Und dass die Zukunft unvorhersehbar ist. Das hat sich als größter Vorteil der Zukunft erwiesen, im Guten wie im Schlechten.

Was ist Ihre persönliche Strategie, damit umzugehen?

Ich arbeite verstärkt auf Social Media und habe zwei neue Kanäle angelegt: Über einen bleibe ich mit Freunden und anderen Menschen in Kontakt und poste dort jeden Morgen das Datum, die Anzahl der Tage in Quarantäne und das Wetter, ohne es jedoch vorherzusagen. Für den anderen habe ich meine Lissabonner Fotografien vom Ende der 1980er-Jahre durchgesehen und schreibe über diese Zeit fortlaufend auf Instagram und Facebook. Irgendwann wird daraus ein Buch mit dem Titel Lisboa Clichê.
 
Dies zwingt mich dazu, täglich zu schreiben und eine Routine zu entwickeln, die ich sonst unter solchen Bedingungen nur schwer aufrechterhalten könnte. Zusätzlich habe ich meinen eigenen Kanal, für den ich immer wieder das Fenster meines Zimmers fotografiere. Außerdem schreibe ich Tagebuch und führe auch ein visuelles Tagebuch. Und ich gebe weiterhin mein Seminar an der Universität, natürlich online. Die Strategie ist, weiterzuarbeiten und dem Sturm zu trotzen.

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