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Mobilität in Berlin
Mit dem Fahrrad durch Berlin

Öffentliche Verkehrsmittel in Berlin
Öffentliche Verkehrsmittel in Berlin | Foto: Goethe-Institut / Samuel Grasberger

Das Fahrrad ist in der deutschen Hauptstadt eines der wichtigsten Verkehrsmittel. Radfahren und die Nutzung des hervorragenden öffentlichen Nahverkehrs machen ihre Bewohner im weniger abhängig vom Auto. Samuel Grasberger erzählt, wie er das Fahrrad im Berliner Alltag nutzt.

Von Rita Guerreiro

Samuel Grasberger wurde in Schweinfurt als Sohn eines irischen Vaters und einer deutsch-portugiesischen Mutter geboren. Er lebt in Berlin und ist seit 2016 ein großer Fan des Radfahrens. Das Rad ist ein weit verbreitetes Verkehrsmittel in der Stadt, sowohl für den Weg zur Arbeit als auch in der Freizeit. Außerdem geht das Radfahren Hand in Hand mit dem, was Samuel „ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit” nennt.

Bevor Samuel in die deutsche Hauptstadt zog, studierte er an der Hochschule „Escola Superior de Comunicação Social” in Lissabon Journalismus und machte eine Ausbildung im Bereich Film in London. Er fühlt sich beim Radfahren in Berlin sicher, betont jedoch, dass er bestimmte Straßen meidet. Eine dieser Straßen ist die Sonnenallee im berühmt-berüchtigten Viertel Neukölln. „Diese Allee ist sehr unübersichtlich, hat viele Autos, viele Geschäfte und viele Vans, die Lieferungen tätigen. Manchmal sind die Fahrer sehr aggressiv und haben keine Geduld für die Radfahrer.“ Nichtsdestotrotz hält er Berlin für eine fahrradfreundliche Stadt, in der Radfahrer respektiert werden und man sowohl bei Sonne als auch bei Regen sicher mit dem Rad unterwegs sein kann.

Fototermin am frühen Morgen auf dem Tempelhofer Feld. Der ehemalige Flughafen in Westberlin ist heute ein riesiger Stadtpark. Fototermin am frühen Morgen auf dem Tempelhofer Feld. Der ehemalige Flughafen in Westberlin ist heute ein riesiger Stadtpark. | Foto: Goethe-Institut / Samuel Grasberger

Das tägliche Radeln

Als er seinen ersten Arbeitsplatz an einer Filmschule antrat, begann er, das Fahrrad täglich für die Fahrt zum Job und zurück zu benutzen. „Ich nehme normalerweise jeden Tag den gleichen Weg. Hin und zurück sind es um die zehn Kilometer. Erst, als ich einmal vom üblichen Weg abwich, lernte ich Tempelhof besser kennen.“ Er entdeckte den alten Flughafen von Westberlin, heute ein großer Stadtpark, der einer bunten Vielfalt an Menschen Platz für Freizeitaktivitäten wie Grillfeste, Radfahren und sogar Skatesurf bietet. Das Fahrrad ermöglicht also auch ein besseres Kennenlernen der Stadt, man entdeckt Orte, die „den U-Bahn-Fahrern verborgen bleiben.“
 
Seit 2017 arbeitet Samuel als Freelancer und fährt ca. 14 Kilometer nach Adlershof im Südosten der Stadt, in das Studio, in dem eine Fernsehserie gedreht wird – und am Abend wieder zurück. „Die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht besonders gut, und es ist langweilig, 45 Minuten in der Bahn zu sitzen. Die Strecke schaffe ich mit dem Fahrrad schneller.“ Außerdem spart er sich so das Geld für die Fahrscheine: „Die Kosten sind auch ein Faktor. Ich habe keine Monatskarte. Dies ist ein weiterer Pluspunkt des Radfahrens.“ Auch als Hobbyfotograf setzt er auf das Fahrrad, wenn er experimentieren oder „das Auge schulen“ möchte. Einmal in der Woche nimmt er gewöhnlich seine Kamera mit. „Es ist immer besser, morgens oder am späten Nachmittag zu fotografieren, wenn das Licht sanfter wird. Ich habe keine Lieblingsorte, ich fotografiere einfach gerne die Flüsse, Kanäle und Straßen der Stadt.“
Skalitzerstr., Kreuzberg. In der belebten Gegend kreuzen sich Radfahrer, Autofahrer und die U-Bahn. Skalitzerstr., Kreuzberg. In der belebten Gegend kreuzen sich Radfahrer, Autofahrer und die U-Bahn. | Foto: Goethe-Institut / Samuel Grasberger

Zuerst das fahhrad, dann das Auto

In Berlin gibt es Tausende Fahrradfahrer, die geografischen Gegebenheiten sind günstig „Vor allem, weil die Stadt flach ist, es gibt praktisch keine Steigungen. Und die Straßen sind breit, verglichen beispielsweise mit denen von Lissabon. Da die Stadt im Krieg zerstört wurde, wurden danach breite Straßen angelegt, die den Verkehr sehr erleichtern. Und es gibt viele Fahrradwege“, so Samuel. Außerdem herrsche ein starkes ökologisches Bewusstsein vor. „Für die Deutschen, insbesondere die jüngeren Bewohner Berlins, sind Umweltfragen sehr wichtig. Dies ist vielleicht auch eine Motivation dafür, lieber das Rad statt das Auto zu nehmen.“
 
Seine engsten Freunde nutzen alle die öffentlichen Verkehrsmittel; fast keiner von ihnen hat ein Auto. „Ich denke, die Leute haben keine Notwendigkeit, ein Auto zu besitzen. Wenn wir einmal mit dem Auto fahren, ist es meistens so, dass man dann im Verkehr steckenbleibt, sich als Fahrer konzentrieren, tanken und einen Parkplatz suchen muss … alles Sorgen, die man mit öffentlichen Verkehrsmitteln vermeiden kann. Meiner Meinung nach ist das Auto sinnvoll für diejenigen, die oft aus der Stadt raus wollen, zum Beispiel, weil die Familie außerhalb Berlins wohnt oder aus beruflichen Gründen.“ Dies ist jetzt auch bei Samuel der Fall. Da er zurzeit für das Fernsehen arbeitet und öfter verschiedene Punkte der Stadt anfahren muss, hat er vor ca. einem Jahr ein Auto gekauft, das er für manche Projekte nutzt. „Da ich als Freelancer arbeite, muss ich manchmal mein Equipment mitnehmen. Dies ist mit dem Fahrrad nicht möglich.“ Großeinkäufe sind auf vier Rädern auch leichter zu erledigen. Es gibt jedoch ein „aber“: die Haltungskosten für den Wagen. „Ein Auto in Deutschland zu besitzen ist teuer. Meine Versicherung kostet 1000 Euro im Jahr.“
Samuel radelt durch die Straßen von Kreuzberg, wo er zurzeit wohnt. Samuel radelt durch die Straßen von Kreuzberg, wo er zurzeit wohnt. | Foto: Goethe-Institut / Samuel Grasberger
Samuel nennt neben den ökologischen noch andere Gründe, weshalb man das Fahrrad vorziehen sollte: „Es schafft gute Laune und ermöglicht gleichzeitig eine sportliche Betätigung, ohne dass extra Zeit dafür eingeplant werden muss. Es verursacht weniger Lärm auf den Straßen – je mehr Fahrräder unterwegs sind, desto weniger Autos verstopfen die Straßen. Dazu kommen weniger Luftverschmutzung und weniger Stromverbrauch. Hier in Berlin macht ein Elektrorad wenig Sinn. Für jemanden, der weniger als zehn Kilometer am Tag fährt, ist es eher nicht notwendig.“
 

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