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JiGG 2018
Freie Improvisation und klangliches Driften

Chaosophy
Chaosophy | Foto (Ausschnitt): © Fran Peñat

Wer ist Chaosophy? Das Trio aus Valencia sind Josep Lluis Galiana (Tenor- und Sopransaxophon), El Pricto (Altsaxophon und E-Klavier) und Avelino Saavedra (Schlagzeug und Percussion). Die aufrührerische Musik der Gruppe in konstant hoher Intensität steht in direkter Linie der musikalischen Sprache eines Peter Brötzmann und wurzelt in der freien Improvisation und der Tradition des Free Jazz der Post-Albert Ayler-Ära. Der Spanier Josep Lluis Galiana spricht über die Philosophie und den Werdegang des Trios, das die Grenzen der Musik immer weiter zu verschieben verspricht.

Von Nuno Catarino

 
Wie seid ihr auf den Namen Chaosophy gekommen und was bedeutet er?
 
Das Buch „Principia Discordia“ inspirierte uns zur Gründung unseres Ensembles freier Improvisation, dem wir den Namen Chaosophy gaben. In dem Werk geht es um den Diskordianismus und um das „heilige Chao“ als natürlichen Zustand der Wirklichkeit.
 
Wie haben die drei Musiker als Trio zusammengefunden?
 
Wir alle waren in der nationalen und internationalen Szene der freien Improvisation, des Avantgarde-Jazz und des Klang-Experimentalismus aktiv. Nach fünf Jahren Zusammenarbeit und gemeinsamen Musizierens entschieden wir uns zur Veröffentlichung unseres ersten Albums als Gruppe. Dieses Album („Who are these people and what do they believe in?“) wurde am 5. Dezember 2017 in den Shark-Studios in Valencia aufgenommen. El Pricto stammt aus Venezuela, lebt aber seit 16 Jahren in Barcelona. Er gründete das Label Discordian Records und ist der Kopf der diskordianischen Community. Avelino Saavedra und ich leben und arbeiten in Valencia und sind seit den 1990er-Jahren feste Größen in der Impro-Szene dieser Stadt. Im August 2016 gründete ich das Label Liquen Records, dessen Ziel die Verbreitung von improvisierter und experimenteller Musik ist. Liquen Records möchte einer anspruchsvollen Hörerschaft einige der aktuellen kreativen Prozesse der besten Künstler der nationalen und internationalen Musikszene zugänglich machen.
 
Welche Einflüsse haben in der Entwicklung Ihrer Musik eine entscheidende Rolle gespielt?
 
Meine Musik schöpft aus vielen musikalischen Quellen. Sie ist das Ergebnis von über drei Jahrzehnten Studium und Erforschung verschiedener musikalischer Genres und Stile. Wenn möglich, versuche ich, mich ausgehend von meiner Erfahrung mit zeitgenössischer Musik bis hin zum extremsten Free Jazz in jedem Konzert in unbekannten, unvorhersehbaren und absolut überraschenden klanglichen Welten zu bewegen.
 
Welche Pläne habt ihr als Gruppe? Habt ihr vor, mit Gastmusikern zusammenzuarbeiten?
 
Im Moment möchten wir erst einmal unser erstes Album präsentieren. Wir sind mit dieser Arbeit sehr zufrieden, und vielleicht nehmen wir in Zukunft noch ein weiteres Album auf – wer weiß? Das Leben ist unkalkulierbar, absolut unkalkulierbar und chaotisch. Das Wichtigste für uns ist, dass wir Spaß an der gemeinsamen Improvisation haben.
 
Kennt ihr Lissabon, wart ihr schon in der Stadt? Kennt ihr die Musikszene der Stadt?
 
Ich mag Lissabon, aber ich war erst einmal dort. Die Impro- und Jazzszene kenne ich nicht besonders gut, aber ich weiß, dass sie sehr interessant und sehr aktiv ist.

In Lissabon werdet ihr im Rahmen eines Festivals einen Open-Air-Auftritt in einem Garten haben. Was dürfen wir von eurem Konzert bei JiGG erwarten)
 
Wir freuen uns sehr darauf, unsere Musik vorzustellen. Wir wissen, dass das Festival Jazz im Goethe-Garten in der Jazz- und Improszene international von Bedeutung ist. Unsere sich zwischen Avantgarde-Jazz, freier Improvisation und Klangexperimenten bewegende Musik ist in weiten Teilen unvorhersehbar. Die Musik von Chaosophy ist absolut intensiv und sehr kraftvoll. Unsere Musik bringt das Blut in Wallung. Der machtvolle Dialog zwischen den Saxophonen verbindet sich mit der Intensität des Schlagzeugs von Saaverda. In der freien Improvisation spielt der Raum eine zentrale Rolle. Daher werden wir den Garten, das Publikum und alle uns umgebenden Geräusche aufmerksam wahrnehmen.

Eine letzte Frage: Könnt ihr eine Antwort auf die Frage geben, die der Titel eures Albums stellt: „Who are these people and what do they believe in?“ (Wer sind diese Leute und an was glauben sie?“)
 
Wie ich am Beginn dieses Interviews bereits erwähnte, beziehen Chaosophy und seine Musik Inspiration aus den Grundsätzen des Diskordianismus. Die Titel unserer Stücke stammen aus dem Buch „Principia Discordia“, das eine bedeutende konzeptuelle Collage darstellt. „An dem Tag, an dem sie damit aufhört, sich selbst allzu ernst zu nehmen, wird die Menschheit beginnen, ihre Probleme zu lösen. Wir müssen uns mehr mit uns selbst und mit dem Alltag beschäftigen; nicht mit Wirtschaftssystemen und höheren Ordnungen. Zu diesem Zweck schlagen wir vor, dass der Mensch die ihm angeborene Liebe zur Unordnung weiterentwickelt.“ Die „Principia Discordia“ sagen uns: „Wenn es uns gelingt, uns den Nonsens genauso zu Eigen zu machen, wie wir uns bereits den Sinn zu Eigen gemacht haben, wird jeder den Anderen als das begreifen, was er ist: absurd. Von diesem Moment der Erleuchtung an wird der Mensch frei sein, unabhängig von seiner Umwelt. Er wird frei sein, Ordnungsspiele zu spielen und diese nach Lust und Laune abzuändern. Er wird frei sein, Unordnungsspiele zu spielen, ganz einfach, weil ihm danach ist. Er wird frei sein, zu spielen oder nicht zu spielen, oder weder das eine noch beide. Als Herr über seine eigenen Spiele wird er ohne Angst und daher auch ohne Frustration spielen, die Seele erfüllt von gutem Willen und das Sein erfüllt von Liebe.“ Und schließlich gilt, „wenn sich der Mensch befreit, wird er frei sein; dann wird die Menschheit frei sein und wir erlangen Zugang zum Wissen eines Weisen und zur Weisheit eines Kindes.“


 

CHAOSOFY | SPANIEN

Die freie Improvisation und das klangliche Driften bilden den kreativen Ausgangspunkt dieses Trios aus Barcelona, einer Stadt, deren Jazzszene mit energiegeladener Musik und unorthodoxe Arrangements begeistert. Mit Saxophon und Schlagzeug baut das Trio eine Spannung auf, woraus ein subversiver und subtiler kollektiver Diskurs entsteht.

El Pricto: Altsaxophon, E-Klavier, Fender Rhodes | Josep Lluís Galiana: Tenor- und Sopransaxophon | Avelino Saavedra: Schlagzeug

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