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JiGG 2018
Mit den Extremen spielen

ALSO - KATHARINA ERNST & MARTIN SIEWERT
Foto [Ausschnitt): © Dieter Kovacic

Die Wiener Schlagzeugerin Katharina Ernst improvisiert gerne und blickt auf eine abwechslungsreiche Karriere im Showbusiness zurück. Der aus Deutschland stammende Gitarrist Martin Siewert lebt in Wien und verfügt über eine breite musikalische Erfahrung, die sich in unzähligen Kollaborationen niederschlägt. Als Duo ALSO erforschen und verschieben Katharina Ernst und Martin Siewert musikalische Grenzen und bringen – in der Konfrontation von Gitarre und Schlagzeug – eine originelle klangliche Mischung hervor, die erstmals auf dem Debutalbum des Duos Live at Wirr (Trost Records, 2016) in Vinyl gepresst wurde. Im Vorfeld des Auftritts bei JiGG sprechen Katharina und Martin über ihre musikalische Partnerschaft. 

Von Nuno Catarino

Wie habt ihr als Duo zusammengefunden?
 
K. Ernst: Wir nutzten in Wien einige Jahre lang dieselben Räumlichkeiten zum Üben. Die Übräume waren aber nicht besonders gut isoliert, sodass wir hören konnten, was die anderen so machten. Am Anfang arbeiteten wir also sozusagen nur nebeneinander, aber nicht zusammen – bis wir nach einer Weile anfingen, richtig zusammenzuarbeiten.
 
Mit eurem Duo aus Gitarre und Schlagzeug habt ihr ein außergewöhnliches Format gewählt. Wie entstand euer besonderer Klang?
 
K. Ernst: Wir beide haben Erfahrung mit unterschiedlichen Formaten: große Ensembles und kleine Gruppen, Solo-Auftritte, Theaterstücke, Performance und Tanz. Je nach Anlass und Rahmenbedingungen legen wir fest, welche Ausrüstung wir verwenden, welche Texturen, Klänge und Instrumente zum Einsatz kommen. Das Projekt ALSO lässt sich irgendwo in dem Raum zwischen zeitgenössischer elektronischer Musik und frei improvisiertem Jazz verorten. Dabei versuchen wir, die unterschiedlichen Charaktere dieser Ansätze zu betonen. Der Hauptvorteil des Duo-Formats ist, dass man sehr schnell auf eine plötzliche Änderung in Energie oder Klang reagieren kann.
 
M. Siewert: Ich möchte hinzufügen, dass ALSO mit einer ungewöhnlich großen dynamischen Bandbreite arbeitet (die wahrscheinlich größer ist als in den meisten anderen Bands, in denen ich spiele): Unsere Musik kann sehr sanft, aber auch sehr intensiv sein. Am Projekt ALSO mag ich auch den Wechsel zwischen einer eher klangzentrierten, sensiblen Ästhetik und der sehr körperlichen Seite unserer Musik, die eher mit dem Instrument selbst verbunden ist. Ich denke, das ist eine Besonderheit von ALSO: dass wir nicht nur diese beiden Extreme bedienen, sondern mit der Beziehung zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Kreativkonfigurationen spielen und diese offensichtlich miteinander in Widerspruch stehenden „Betriebsmodi“ in neue Kontexte überführen.
 
Welche Vorbilder waren wichtig für die Entwicklung eurer Musik?
 
K. Ernst: Ich glaube, dass das Leben selbst die größte Inspirationsquelle für meine Musik ist: Personen, die ich getroffen, Gespräche, die ich geführt, Orte, die ich besucht, Bücher, die ich gelesen habe, und so weiter. Manchmal ist die Verbindung offensichtlich, manchmal scheint es, als gebe es überhaupt keine solche Verbindung. Es ist sehr schwierig bis unmöglich, zu benennen, wie Kunst genau funktioniert.
 
M. Siewert: Ganz viel Musik, ganz viele Filme, ganz viele Bücher… Einige Künstler waren immer wichtig und inspirierend für mich, wie Otomo Yoshihide, Tony Conrad, Hans Reichel, Sister Rosetta Tharpe, Richard Thompson, Nina Simone, Ad Reinhardt, Morton Feldman...
 
2016 habt ihr euer Debutalbum veröffentlicht. Welchen Platz nimmt dieses Album in eurer musikalischen Laufbahn ein?
 
K. Ernst: Unser Debutalbum war das erste, das ich live aufgenommen habe. Und es wurde überhaupt nicht geschnitten!
 
M. Siewert: Das gilt auch für mich. „Live at Wirr“ ist das erste Live-Album, das ich ohne jegliche Bearbeitung veröffentlicht habe. Zuvor habe ich schon einige Live-Aufnahmen veröffentlicht, wie das erste Album von Trapist bei Hat Hut, aber hier haben wir die Reihenfolge verändert. Auch mit Efzeg gibt es Live-Aufnahmen, aber das sind normalerweise Collagen aus unterschiedlichen Auftritten.
 
Welche Pläne habt ihr als Duo?
 
K. Ernst: Derzeit arbeiten wir an einem zweiten Album als Duo.
 
Kennt ihr Lissabon, habt ihr hier schon gespielt? Was sind eure Erwartungen?
 
K. Ernst: Ich kenne Lissabon aus einigen Kurztrips und liebe die Atmosphäre, das Licht, die Farben. Ich freue mich sehr darüber, für den Auftritt bei JiGG wieder in die Stadt zu kommen.
 
M. Siewert: Ich habe schon zwei Mal in Lissabon gespielt, einmal solo in einem kleinen Club, an dessen Namen ich mich nicht erinnere, und ein weiteres Mal mit dem Franz Koglmann's Monoblue Quartet in einem größeren Saal. Ich liebe die Stadt und freue mich sehr darauf, wieder nach Lissabon zu reisen!
 
In Lissabon werdet ihr bei einem Open-Air-Festival spielen. Was dürfen wir von eurem Konzert bei JiGG erwarten?
 
M. Siewert: Die Musik von ALSO reagiert, wie das bei improvisierter Musik so üblich ist, stark auf die Umgebung, das Publikum, den ganzen Ort und seine Aura… eine konkretere Antwort auf diese Frage können wir also erst geben, wenn wir den Garten sehen!
 

ALSO - KATHARINA ERNST & MARTIN SIEWERT | ÁUSTRIA

Zwei klingende Namen der experimentellen Szene Wiens, die aus elektronischen Manipulationen vielfältige und kreative klangliche Konstrukte schaffen. Die musikalische Sprache des vor vier Jahren gegründeten Duos ist farbenreich, hin und wieder harsch, dann wieder organisch fließend mit leinwandreifer Dramaturgie. 

Katharina Ernst: Schlagzeug, Spielzeuge | Martin Siewert: Gitarren, Elektronik

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