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JiGG 2018
Eine große Klangmasse

O.N.G.
O.N.G. | Foto (Ausschnitt): © Giuseppe Arcamone

O.N.G. ist ein Projekt des italienischen Trompeters Gabriele Mitelli, der sich musikalisch am Knotenpunkt zwischen dem Erbe des Punk und der Freiheit des Free Jazz bewegt. Zusammen mit drei Musikerkollegen aus Italien – Enrico Terragnoli (E-Gitarre und Keyboards), Gabrio Baldacci (Baritongitarre) und Cristiano Calcagnile (Schlagzeug) – bildet Gabriele Mitelli sein atypisch besetztes Instrumentalquartett O.N.G. Im letzten Jahr brachte die Gruppe mit Crash ihr erstes Album heraus und trat bereits mit dem US-amerikanischen Saxofonisten Ken Vandermark auf. Im Vorfeld des Auftritts bei JiGG stellt Gabriele Mitelli das Projekt vor.

Von Nuno Catarino

Warum haben Sie den Namen O.N.G. gewählt? Was bedeutet er?
 

Niemand weiß genau, was die Abkürzung O.N.G. bedeutet. Diese Frage wird mir in allen Interviews gestellt, aber ich habe sie noch nie beantwortet. Das bleibt mein kleines Geheimnis, ein Code, der mich an eine Erfahrung in der Vergangenheit erinnert und daran, was die Musik für mich bedeutet und welche Rolle die Improvisation im Leben spielt. Jeder kann die Abkürzung mit seinem eigenen Sinn füllen, jeder auch der beim Hören improvisierter Musik eigene Bedeutungen findet.
 
Ich habe gelesen, dass drei Musikstücke Sie grundlegend inspiriert haben: „Sometimes“ der italienischen Punkband C.S.I., „Sleep Talkin“ von Ornette Coleman und „Lanquidity“ von Sun Ra. Inwiefern waren diese Stücke wichtig für die Entwicklung Ihrer eigenen Musik?
 

Für mich ist Musizieren ein bisschen wie mich mit meinem eigenen Bewusstsein zu verbinden – und Erinnerungen heraufzubeschwören. Der Einfluss einer bestimmten Musik aus der Vergangenheit geht aber nicht direkt in meine musikalische Inspiration ein, sondern stellt eher eine Verbindung zur persönlichen Geschichte jeder Person her. Der Punk der italienischen Bands C.S.I. und C.C.C.P. erinnert mich an die politischen Kämpfe meiner Studentenzeit, an das Gefühl, die Vision des gesellschaftlichen Zusammenlebens mit einer konkreten und für alle sichtbaren Tat zu verändern. In Bezug auf meine aktuelle Musik beeinflusst diese „Duftnote“ meine künstlerischen Entscheidungen, verstärkt das Freiheitsgefühl und ist auch eine Erklärung dafür, warum die Ästhetik geopfert werden kann, um der Revolution Platz machen. Ausgehend von diesem Konzept kam ich zu Ornette und Sun Ra.
 
Die Musik von O.N.G. verbindet Komposition und Improvisation, Rock und Free Jazz. Wie gelingt es Ihnen, das Gleichgewicht zwischen all diesen Elementen zu bewahren?
 

Die Musik von O.N.G. ist kein Gleichgewicht und auch keine Kombination von Genres, sondern eine Kombination von Persönlichkeiten. O.N.G. ist eine Gruppe und die Balance ergibt sich aus dem künstlerischen Impuls jedes ihrer Mitglieder. Unsere Konzerte verlaufen immer sehr unterschiedlich; sicher ist nur, dass wir eine große Klangmasse entstehen lassen. In Bezug auf musikalische Genres möchte ich betonen, dass es für mich unmöglich war und ist, eine Verbindung zu den jüngeren Generationen zu spüren. Deshalb habe ich mich immer an der elektronischen Musik, am Punk und am Rock orientiert. Und das tue ich auch heute noch.
 
Warum haben Sie sich entschieden, mit Enrico Terragnoli (E-Gitarre und Keyboards), Gabrio Baldacci (Baritongitarre) und Cristiano Calcagnile (Schlagzeug) ein Quartett zu bilden?
 

Cristiano Calcalcagnile ist nicht nur einer der besten und kreativsten Schlagzeuger, die ich kenne, er ist für mich auch wie ein Bruder. Ich spiele mit ihm zusammen, wann es nur geht. In all den Jahren ist er für mich ein wichtiger Lehrer geworden, er bringt mir alles über Avantgarde-Jazz und improvisierte Musik bei. Aber nicht nur – ich werde ihm immer dankbar dafür sein, dass er mich auf Robert Wyatt aufmerksam gemacht hat. Enrico Terragnoli und Gabrio Baldacci sind zwei unglaubliche und sehr verschiedene Musiker. Sie spielen das gleiche Instrument, aber auf sehr unterschiedliche Art und Weise: auf der einen Seite steht der minimalistische Lyrismus von Enrico, auf der anderen die wütende „noise“ von Gabrio. Diese Verbindung reizte mich von Anfang an und sofort nach dem ersten Konzert wusste ich, dass mein Instinkt mich nicht getrogen hatte.
 
Die Gruppe O.N.G. spielte bereits mit dem US-amerikanischen Saxofonisten Ken Vandermark. Wie war diese Erfahrung?
 

Diese Erfahrung war sehr schön, intensiv und lehrreich. Ken ist fantastisch – als Person und als Musiker. Er zeichnet sich durch eine vollkommene Hingabe an seine Arbeit und durch eine große Leidenschaft aus, die ihn dazu anspornt, stets sein Bestes zu geben, und zwar immer mit einer großen Ernsthaftigkeit. Ihn in Aktion zu sehen, auf der Bühne wie in seiner Freizeit, half mir zu verstehen, wie ich meine Zukunft angehen möchte.
 
Kennen Sie Lissabon, sind Sie hier bereits aufgetreten? Was erwarten Sie von der Stadt?
 

Ich war mit sieben Jahren das erste Mal in Lissabon. Mit meiner Familie durchquerte ich in einem Fiat ganz Frankreich und Spanien und wir kamen nach zwei Wochen in Lissabon an – ein „Tag der Hoffnung“! Seither war ich häufig in Portugal, aber nie wieder in Lissabon. Daher weiß ich nicht, was ich erwarten soll. Ich weiß derzeit von mehreren Musikern, mit denen ich zusammenarbeite, dass sie nach Lissabon umziehen, und mich interessiert sehr, warum. Neulich habe ich das Programm von Jazz em Agosto gesehen und bin fast in Ohnmacht gefallen, so unglaublich umfangreich ist das Programm. Im September werde ich Gelegenheit haben, die Stadt besser kennenzulernen, weil ich im Rahmen einer Künstlerresidenz einen Monat in Lissabon verbringen werde. Ermöglicht wird das von der italienischen Botschaft und der MIDJ (Associazione Italiana Musicisti di Jazz). Deshalb werden wir uns schon sehr bald wiedersehen.
 
In Lissabon spielt O.N.G. bei einem Open-Air-Festival. Was dürfen wir von eurem Konzert bei JiGG erwarten?
 

Ich hoffe, dass die Pflanzen des Gartens zur Musik des O.N.G.-Albums Crash tanzen werden.
 

GABRIELE MITELLI O.N.G. | ITalien

Der Trompeter ist ein neuer Star der transalpinen Jazzszene. Er bewegt sich im Post-Rock und Free Jazz, Paradigmen des Psychedelic zitierend, um tropische Atmosphären und/oder strukturierte Kompositionen zu schaffen. Das vor einem Jahr gegründete Quartett entwickelt eine dichte und visionäre Musik, deren Texturen sich in steter Bewegung befinden. 

Gabriele Mitelli: Taschentrompete, Alt-Flügelhorn, präparierte Trompete, Elektronik, Vocals | Enrico Terragnoli: E-Gitarre, Keyboards | Gabrio Baldacci: Gitarre, E-Bass | Cristiano Calcagnile: Schlagzeug, Percussion, Objekte 

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