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Ulrich Köhler
Fokus KINO 2020

Das freiwillige Jahr Foto: © Patrick Orth / Sutor Kolonko e.K.

Die Sektion Foco zeigt in diesem Jahr das Gesamtwerk von Ulrich Köhler, einem der herausragenden Vertreter der sogenannten Berliner Schule. Dazu gehört auch sein neuester Film, Das freiwillige Jahr, der seine Premiere in Locarno feierte und die Reihe im Rahmen von KINO eröffnet.

Das freiwillige Jahr, der in Co-Regie mit Henner Winckler entstand, dreht sich – wie auch der KINO-Eröffnungsfilm Lara – um die Ambitionen eines Vaters für seine Tochter und deren Folgen für die Beziehung der beiden.

Ulrich Köhler gehört zu einer Generation von Cineasten, die nach den trägen Neunzigerjahren den deutschen Film zu neuem Leben erweckte. In Deutschland als Berliner Schule bezeichnet, sorgte diese Gruppe von Filmemachern verschiedener Stile und Hintergründe auch in Frankreich unter dem Begriff „Nouvelle Vague Allemande“ für einiges Aufsehen.

Köhler, so beschreibt es später Mark Peranson, ist vielleicht derjenige unter den jungen Regisseuren der 2000er-Jahre, dessen Kino der eigenen Biografie am nächsten ist, der Jugend in der hessischen Provinz, aber auch dem Aufwachsen im damaligen Zaire, wo Köhlers Eltern lange Jahre als Entwicklungshelfer arbeiteten.

Seinen ersten Spielfilm, Bungalow (2002), bezeichnete Regie-Kollege Christoph Hochhäusler als „Einbruch der Wirklichkeit in den deutschen Film“. Sowohl Bungalow als auch Köhlers zweites Werk, Montag kommen die Fenster (2006), wurden erstmals auf der Berlinale präsentiert. Mit Schlafkrankheit (2011) war Köhler im Wettbewerb des Berliner Festivals vertreten und wurde mit einem Silbernen Bären für die beste Regie ausgezeichnet. In My Room feierte seine Premiere 2018 im Rahmen der Sektion Un certain regard in Cannes und war der erste von Köhlers Filmen, der in Portugal außerhalb von Festivals im Kino zu sehen war. Nun eröffnet sein jüngster Film, Das freiwillige Jahr, der 2019 Teil des Wettbewerbs von Locarno war, den Fokus, den KINO dem deutschen Regisseur in diesem Jahr widmet.

In minimalistischer Art und mit großer Genauigkeit beschreiben Köhlers Filme ein Gefühl von Ziellosigkeit. Viele seiner Figuren suchen nach einem Platz in der Welt und teilen den Wunsch, aus der geordneten Alltäglichkeit einer kapitalistischen Gesellschaft auszubrechen, die ein halbes Jahrhundert nach Ende des zweiten Weltkriegs vor allem von Bequemlichkeit geprägt scheint.

In einem Text aus dem Jahr 2007 distanziert sich Köhler jedoch von der Idee eines politischen Kinos, das seine ideologischen Intentionen verbirgt und dem Publikum die Verantwortung kritischen Denkens entzieht. In der Ablehnung dessen, was politisch verwertbar ist, sieht er den eigentlichen politischen Charakter seines Kinos.
 
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