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Wunderkammern voller Bücher
Ein Spaziergang durch die schönsten Buchhandlungen Berlins – Teil II

Marga Schoeller Bücherstube, Berlin
Marga Schoeller Bücherstube, Berlin | © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola

Heute nehme ich euch zum zweiten Mal mit auf einen virtuellen Spaziergang durch die unabhängigen Buchhandlungen Berlins (das erste Mal waren wir hier). Diese Buchläden sind gewöhnlich gut besucht und alles andere als eintönig, natürliches Licht erhellt die Räume. So können wir uns dem Eindruck hingeben, unterwegs und in Gesellschaft zu sein, auch wenn wir aufgrund von Covid-19 in Wirklichkeit ein wenig isoliert zu Hause sitzen. Für unseren Ausflug habe ich eine Karte gewählt, der ich absolut vertraue …

Von Giulia Mirandola

Buchhandlungen als Zentren der Kulturvermittlung

Die Karte der Berliner Buchläden (argobooks 2018) ist das Ergebnis von zwei Jahren Recherche und basiert auf Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Buchhandlungen selbst sowie auf Hinweisen von Autoren, Künstlern, Übersetzern und Verlegern. Die praktische Karte hat sofort die Herzen all jener erobert, die Bücher und Streifzüge durch die Stadt lieben, und weist uns den Weg in die unterschiedlichen Stadtteile und ihre Buchhandlungen. Lässt man sich auf dieses Erlebnis ein, verbringt man bald Stunden in den empfohlenen Läden und vergisst alles andere. Mit Überschreiten ihrer Schwellen betritt man nicht einfach Geschäfte, sondern vielmehr Zentren der Kulturvermittlung – jedes von ihnen mit einer eigenen Atmosphäre, eigenen Menschen, einem eigenen Charakter, Stil und Konzept, einer eigenen Geschichte und Vision. Manche Buchhandlungen liegen ganz in der Nähe, dann geht man zu Fuß oder fährt mit dem Rad oder Roller. Andere Buchhandlungen liegen weiter weg, dann nimmt man die U-Bahn, den Bus oder die Hochbahn.

In der Nähe der Panke

Unweit des Flusses Panke (dem der Stadtteil Pankow seinen Namen verdankt), ganz in der Nähe des Bürgerparks, befindet sich die Buchhandlung Pankebuch. Der von Katrin Mirtschink und Petra Wenzel gegründete Laden ist Berlins Adresse Nummer eins für Literatur und Kultur aus Norddeutschland, dem Baltikum und Skandinavien. Das Sortiment umfasst Bücher auf Dänisch, Norwegisch, Schwedisch, Finnisch und Isländisch. Viele der jeden Monat organisierten Veranstaltungen finden in Kooperation mit den Nordischen Botschaften in Berlin und dem Finnland-Institut statt.

Ebenfalls in Pankow, unweit der dem polnischen Pädagogen Janusz Korczak gewidmeten Bibliothek und der Volkshochschule, liegt die Florastraße. Gleich aus zwei Gründen zahlt es sich aus, sie bis zu ihrem Ende entlangzuspazieren. Zum einen befinden sich hier zwei Buchhandlungen, die einen Besuch wert sind: die Buchdisko und der BuchSegler. Zum anderen mündet die Florastraße in der Wollankstraße, ganz in der Nähe der Schulzestraße, an der bis 1989 die Berliner Mauer verlief. An ihrer Stelle befindet sich heute der Berliner Mauerweg. Geziert von 1.100 japanischen Kirschbäumen, die im Zeitraum zwischen 1990 und 2010 gepflanzt wurden, ist er zugleich ein Ort der Erinnerung an Opfer und Täter.
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
Die fünfzig Quadratmeter große Buchdisko ist eine literarische Buchhandlung mit Schwerpunkt auf den Bereichen Lyrik, Theater, Ästhetik und Kunsttheorie. Für die Auswahl der Werke zeichnet die Buchhändlerin und freie Dramaturgin Krischa Hasselbach verantwortlich, die mich hier herzlich willkommen heißt. Ihre Buchdisko ist ein Ort, an dem auch das „Hören“ eine wichtige Rolle spielt. Das verrät schon der Name des Ladens und das kann man auch bei den öffentlichen Lesungen und Performances erleben, die Krischa Hasselbach regelmäßig organisiert. Nur wenige Dutzend Meter weiter befindet sich die Kinderbuchhandlung BuchSegler. Am Steuer dieses literarischen Segelschiffs stehen drei Frauen, für die ihre Tätigkeit als Buchhändlerinnen nicht im Geschäft aufhört, sondern auch die aktive Zusammenarbeit mit Kindergärten, Schulen und öffentlichen Bibliotheken umfasst. Für diesen Einsatz wurde die Buchhandlung zwei Jahre in Folge mit dem „Gütesiegel Leseförderung“ ausgezeichnet, das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg für besonderes Engagement in den Bereichen Leseförderung sowie Kinder- und Jugendliteratur verliehen wird.

In Schöneberg und Charlottenburg

Einer befreundeten Buchhändlerin verdanke ich die Entdeckung der Marga Schoeller Bücherstube und ihrer Gründerin Marga Schoeller. Meinen Besuch in dieser Buchhandlung erlebe ich als ein Geschenk – ein Gefühl, das mich noch jetzt begleitet, während ich dies schreibe. Marga war eine Frau, deren persönliche und berufliche Geschichte Zeugnis davon ablegt, was ein scharfer Verstand, gepaart mit großem Mut, beeindruckender Kreativität, einem lebendigen Interesse für die Menschen und einem bedingungslosen Vertrauen in die Kultur, alles bewirken kann. Im Jahr 1929, im Alter von 24 Jahren, nimmt Marga Schoeller ihre Tätigkeit als Buchhändlerin in einem Laden am Kurfürstendamm 30 auf. Später zieht sie mit ihrer Buchhandlung in die Knesebeckstraße 33 um. Am Eingang des Ladens platziert sie neben frischen Blumen ein Gästebuch, in das sich nach und nach die internationale Literaturszene des 19. Jahrhunderts eintragen wird. Sie weigert sich, Nazi-Bücher zu verkaufen, und zählt zu den ersten, die nach dem Krieg auch englischsprachige Bücher vertreiben. Außerdem versteht sie, dass Sortiment und Ambiente dieselbe Qualität haben sollten und beauftragt das Studio Fehling+Gogel mit der Gestaltung der Innenräume. 2019 feierte die Marga Schoeller Bücherstube ihr nunmehr 90-jähriges Bestehen – ein weiterer Grund, das Unternehmen zu würdigen und seine Geschichte weiterzuerzählen.

Nur wenige Schritte von hier entfernt befindet sich das Literaturhaus Berlin, mit seinem gepflegten Garten, seinem gemütlichen Café und der wundervollen Buchhandlung Kohlhaas & Company. Tatsächlich gibt es immer einen guten Grund oder eine gute Ausrede, warum es sich lohnt, quer durch die Stadt in die Fasanenstraße 23 zu fahren: um an einer Veranstaltung im Kulturhaus teilzunehmen, um in der Buchhandlung ein oder zwei Bücher zu kaufen, um sich ins Café Wintergarten zu setzen, mit einem Roman in der linken und einem Cappuccino in der rechten Hand, oder einfach um Zeit als Teil dieses Mikrokosmos zu verbringen. Die Buchhandlung ist der Dreh- und Angelpunkt für die vom Literaturhaus veranstalteten Buchpräsentationen, Autorenbegegnungen, Lesungen und Ausstellungen. Neben dieser wichtigen Funktion punktet das Kohlhaas & Company insbesondere mit aktuellen Leseempfehlungen in den Bereichen Philosophie, Geschichte, Politik, Kunst, Musik, Theater sowie jüdische und europäische Kulturgeschichte.
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
  • Buchhandlung in Berlin © Goethe-Institut Italien - Foto: Giulia Mirandola
Fortsetzung: Ein Spaziergang durch die schönsten Buchhandlungen Berlins – Teil III
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