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Übersetzte Literatur in Portugal
Frischer Wind in der Übersetzung

Übersetzte Literatur in Portugal
Foto: © Goethe-Institut Portugal / Manuel Falcão

Wurden in der Vergangenheit bei der Übersetzung deutschsprachiger Werke ins Portugiesische vor allem klassische Autoren wie Johann Wolfgang von Goethe, Thomas Mann, Hermann Hesse, Franz Kafka, Stefan Zweig u.a. berücksichtigt, so rücken seit dem letzten Jahrzehnt zunehmend zeitgenössische Autoren und neue Themen in den Mittelpunkt des Interesses. Man folgt damit den neuen (Autoren und Themen betreffenden) Tendenzen auf dem deutschen Verlagsmarkt.

Von Marisa Fernandes

Die meisten übersetzten Werke befassen sich mit der Zeit während und nach dem Zweiten Weltkrieg, was auch bei den für den Deutschen Buchpreis nominierten Werke ein gängiges Thema ist – ein Beispiel dafür sind die zwei zuletzt in portugiesischer Sprache erschienenen Werke Im Frühling sterben von Ralf Rothmann (Sextante Editora, 2019, Übers. Gabriela Fragoso) und Deutsches Haus von Annette Hess (Bertrand Editora, 2020. Übers. Pedro Garcia Rosado). Jedoch besteht ein steigendes Interesse an der Übersetzung von Werken, deren Handlung in anderen Geschichtsperioden stattfindet, wie z.B. dem Dreißigjährigen Krieg, der deutschen Kolonialzeit, der Wirtschaftskrise der zwanziger und dreißiger Jahre vor dem Aufstieg des nationalsozialistischen Regimes,  wie z.B. Kleiner Mann – was nun? von Hans Falada (Publicações Dom Quixote, 2011. Übers. Paulo Rêgo), und der Zeit des Kalten Krieges als Deutschland zweigeteilt war.

  • <b>Olga von Bernhard Schlink</b><br>Edições Asa, 2019. Übersetzung von Paulo Rêgo<br><br>Bernhard Schlink zeigt in <i>Olga</i>, wie die übermäßige Last eines Landes als Kolonialmacht auf Kosten der individuellen Schicksale (der Hauptpersonen Olga und Herbert) ausgetragen wird. Foto: Teresa Laranjeiro © Goethe-Institut Portugal
    Olga von Bernhard Schlink
    Edições Asa, 2019. Übersetzung von Paulo Rêgo

    Bernhard Schlink zeigt in Olga, wie die übermäßige Last eines Landes als Kolonialmacht auf Kosten der individuellen Schicksale (der Hauptpersonen Olga und Herbert) ausgetragen wird.
  • <b>Ein ganzes Leben von Robert Seethaler</b> <br>Porto Editora, 2019. Übersetzung von Tânia Ganho<br><br><i>Ein ganzes Leben</i> von Robert Seethaler kam 2016 in die engere Auswahl für den Internationalen Man Booker Preis und 2017 für den International DUBLIN Literary Award. Das Werk erzählt den von Schmerz und Leid geprägten Lebensweg Andreas Eggers, in den Turbulenzen des 20. Jahrhunderts, zu denen auch seine Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs zählen. Foto: Teresa Laranjeiro © Goethe-Institut Portugal
    Ein ganzes Leben von Robert Seethaler
    Porto Editora, 2019. Übersetzung von Tânia Ganho

    Ein ganzes Leben von Robert Seethaler kam 2016 in die engere Auswahl für den Internationalen Man Booker Preis und 2017 für den International DUBLIN Literary Award. Das Werk erzählt den von Schmerz und Leid geprägten Lebensweg Andreas Eggers, in den Turbulenzen des 20. Jahrhunderts, zu denen auch seine Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs zählen.
  • <b>Tyll von Daniel Kehlmann </b><br>Bertrand Editora, 2020. Übersetzung von Ana Falcão Bastos<br><br><i>Tyll</i> lässt die volkstümliche Figur „Till Eulenspiegel“ als Hofnarr und Künstler in der Kulisse des Dreißigjährigen Krieges wieder aufleben. Foto: Teresa Laranjeiro © Goethe-Institut Portugal
    Tyll von Daniel Kehlmann
    Bertrand Editora, 2020. Übersetzung von Ana Falcão Bastos

    Tyll lässt die volkstümliche Figur „Till Eulenspiegel“ als Hofnarr und Künstler in der Kulisse des Dreißigjährigen Krieges wieder aufleben.

Familiengeschichten, Natur und Selbstfindung

Ein weiteres, aktuell wiederkehrendes Thema in den übersetzten Werken sind die über mehrere Generationen laufenden Familiengeschichten, deren Erfahrungen und deren Verhältnis zum historischen Moment, in dem sie leben, wobei der zwangsläufige Einfluss des geschichtlichen Geschehens auf das persönliche Schicksal hervorgehoben wird.

Zu erwähnen sei hier Außer Sich von Sasha Marianna Salzmann (Publicações Dom Quixote, 2018), eine Familiengeschichte, in welche Themen wie die Hinterfragung der Muttersprache und der Heimat und die Notwendigkeit der Ausreise (von Russland nach Deutschland und von dort in die Türkei), sowie Geschlechterfragen eingeflochten werden. Außer Sich wurde 2017 für den Deutschen Buchpreis nominiert und die Übersetzung von Paulo Rego wurde 2019 mit dem Übersetzungspreis Grande Prémio de Tradução Literária Francisco Magalhães der Sociedade Portuguesa de Autores ausgezeichnet. Der Roman war auch die Auswahl des Goethe-Instituts für die Lesung anlässlich der Europäischen Literaturnacht 2018 in Lissabon.

Die Sorge um die Umwelt, der Versuch, die Natur zu beherrschen, und der daraus resultierende Einfluss des Menschen auf die Umwelt schlagen sich gleichermaßen in der Auswahl der übersetzten Werke nieder. Dies ist der Fall in Werken wie Werner Herzogs Eroberung des Nutzlosen (Edições Tinta-da-China, 2017. Übers. Manuela Ribeiro Sanches) und in Etüden im Schnee von Yoko Tawada (Sextante Editora, 2019. Übers. Helena Topa).

Ein weiteres beliebtes Thema der ins Portugiesische übersetzten Werke der Aktualität ist die Notwendigkeit, der Alltagsroutine und den familiären Problemen zu entfliehen, ein Weg, der manchmal auch zur Selbstfindung und der Suche nach dem Sinn des Lebens wird, sowie zur Suche nach der Freiheit, die das Reisen oder die Verbindung zur Natur bieten können. Zwei Beispiele hierfür sind Die Kieferninseln von Marion Poschmann (Relógio D’Água, 2019) und Tschick von Wolfgang Hernndorf (Editorial Presença, 2013. Übers. João Bouza da Costa).

Zu dieser Gruppe können auch die Werke gezählt werden, in denen die Suche nach einer durch den Tod oder einem anderen Schicksalsschlag verlorenen Person thematisiert wird, ein Streben, das zu einer inneren Reise wird.

  • <b>In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge </b><br>Bertrand Editora, 2018. Übersetzung von Ana Falcão Bastos<br><br> Das 2011 mit dem Deutschen Buchpreis gekürte Werk <i>In Zeiten des abnehmenden Lichts</i> von Eugen Ruge ist eine über drei Generationen gehende Familiensaga, die die Zeit der fünfziger Jahre bis zum Ende des Kalten Krieges umfasst. Foto: Teresa Laranjeiro © Goethe-Institut Portugal
    In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge
    Bertrand Editora, 2018. Übersetzung von Ana Falcão Bastos

    Das 2011 mit dem Deutschen Buchpreis gekürte Werk In Zeiten des abnehmenden Lichts von Eugen Ruge ist eine über drei Generationen gehende Familiensaga, die die Zeit der fünfziger Jahre bis zum Ende des Kalten Krieges umfasst.
  • <b>Die Kieferninseln von Marion Poschmann</b><br>Relógio D’Água, 2019. Übersetzung von Paulo Rêgo<br><br>Der Roman nimmt den Leser auf eine Reise nach Japan mit, dem Land des Tees. Man folgt Gilbert, einem bärtigen Forscher, der davon träumt, von seiner Ehefrau hintergangen zu werden, und während des Fluges sich dazu entscheidet, den Weg des japanischen Dichters Basho (ein reisender Eremit) bis zu den Kieferninseln nachzugehen. Durch das Eintauchen in die Natur möchte er den inneren Konflikt, der durch die Gedanken an den Betrug durch seine Frau entstand, lösen. Poschmanns Werk kam 2019 in die engere Auswahl für den Man Booker Preis und 2017 für den Deutschen Buchpreis. Foto: Teresa Laranjeiro © Goethe-Institut Portugal
    Die Kieferninseln von Marion Poschmann
    Relógio D’Água, 2019. Übersetzung von Paulo Rêgo

    Der Roman nimmt den Leser auf eine Reise nach Japan mit, dem Land des Tees. Man folgt Gilbert, einem bärtigen Forscher, der davon träumt, von seiner Ehefrau hintergangen zu werden, und während des Fluges sich dazu entscheidet, den Weg des japanischen Dichters Basho (ein reisender Eremit) bis zu den Kieferninseln nachzugehen. Durch das Eintauchen in die Natur möchte er den inneren Konflikt, der durch die Gedanken an den Betrug durch seine Frau entstand, lösen. Poschmanns Werk kam 2019 in die engere Auswahl für den Man Booker Preis und 2017 für den Deutschen Buchpreis.
  • <b>Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells</b><br>Edições Asa, 2019. Übersetzung von Paulo Rêgo<br><br>Benedict Wells <i>Vom Ende der Einsamkeit</i> gewann den Literaturpreis der Europäischen Union. Das teils autobiographische Werk erzählt die Geschichte dreier Geschwister, die die Eltern bei einem Autounfall verlieren. Jedes der Geschwister verarbeitet diesen schmerzhaften Verlust auf seine eigene Art und Weise, wobei die drei sich mit der Zeit auseinanderleben. Es wird aus der Perspektive von Jules, des jüngsten Bruders, erzählt, der, in seine Erinnerungen verstrickt, sich in sich selbst zurückzieht. Foto: Teresa Laranjeiro © Goethe-Institut Portugal
    Vom Ende der Einsamkeit von Benedict Wells
    Edições Asa, 2019. Übersetzung von Paulo Rêgo

    Benedict Wells Vom Ende der Einsamkeit gewann den Literaturpreis der Europäischen Union. Das teils autobiographische Werk erzählt die Geschichte dreier Geschwister, die die Eltern bei einem Autounfall verlieren. Jedes der Geschwister verarbeitet diesen schmerzhaften Verlust auf seine eigene Art und Weise, wobei die drei sich mit der Zeit auseinanderleben. Es wird aus der Perspektive von Jules, des jüngsten Bruders, erzählt, der, in seine Erinnerungen verstrickt, sich in sich selbst zurückzieht.

Übersetzungsförderung und Portugal in der Leipziger Buchmesse

Von der Zeit und dem Raum geprägt, in denen sie entsteht, spiegelt die Literatur wider, wie die Autoren die Realität wahrnehmen, und wie Umstände ihres Umfelds sie bewegen. Der Leser hingegen ist im Alltagstrott sich selbst und der restlichen Welt fremd geworden. Die von den Autoren ausgewählten Themen leiten den Leser zurück zu sich selbst, und lassen ihn sein Verhältnis zu Vergangenem, zur Familie, zum Leid und zur Natur überdenken und zu begreifen versuchen.

Und die Auswahl der übersetzten Werke greift diese Notwendigkeit auf. Hierbei wird sie von diversen Programm zur Übersetzungsförderung unterstützt, die insbesondere die Publikation von Werken junger Autor*innen fördert. Für deutsche Autor*innen ist das Goethe-Institut, für österreichische Autor*innen ist das Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport und für schweizer Autor*innen ist die Pro-Helvetia Stiftung zuständig.

In diesem Zusammenhang sei auch die Teilnahme Portugals als Ehrengast an der zweitgrößten deutschen Buchmesse, in Leipzig, hervorzuheben, einer der wichtigsten in Europa, die 2021 vom 27. bis 30. Mai stattfindet. Die Leipziger wird dürfte die Rezeption deutscher Literatur in Portugal und portugiesischer Literatur in Deutschland weiter beleben und den kulturellen Austausch beider Länder stärken.

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