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Christoph Ransmayr
Cox oder Der Lauf der Zeit

S. Fischer Verlag, 2016
304 Seiten
ISBN 978-3-10-082951-1

LESEPROBEN:

Cox oder der Lauf der Zeit

Über das Buch

© 2016 S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

Ein farbenprächtiger Roman über einen maßlosen Kaiser von China und einen englischen Uhrmacher, über die Vergänglichkeit und das Geheimnis, dass nur das Erzählen über die Zeit triumphieren kann.

Der mächtigste Mann der Welt, Qiánlóng, Kaiser von China, lädt den englischen Automatenbauer und Uhrmacher Alister Cox an seinen Hof. Der Meister aus London soll in der Verbotenen Stadt Uhren bauen, an denen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Zeiten des Glücks, der Kindheit, der Liebe, auch von Krankheit und Sterben abzulesen sind. Schließlich verlangt Qiánlóng, der gemäß einem seiner zahllosen Titel auch alleiniger Herr über die Zeit ist, eine Uhr zur Messung der Ewigkeit. Cox weiß, dass er diesen ungeheuerlichen Auftrag nicht erfüllen kann, aber verweigert er sich dem Willen des Gottkaisers, droht ihm der Tod. Also macht er sich an die Arbeit.

 

INTERNATIONALE RECHTE

Myriam Alfano
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
myriam.alfano@fischerverlage.de
Übersetzungsrechte ins 18 Sprachen verkauft, u. a. Spanisch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Russisch und Arabisch.


Rezension

Gabriela Fragoso (Übersetzerin)

Der Roman Cox oder Der Lauf der Zeit von Christoph Ransmayr führt den Leser auf eine weite Reise bis ins China des 18. Jahrhunderts, an den Hof des Kaisers Qiánlóng, Gottkaiser und Herr über Himmel und Erde, dessen Macht keine Grenzen kennt und der es sich zum Ziel gesetzt hat, unzählige Uhren zu besitzen, nicht nur um den Zeitverlauf zu messen, sondern auch, um dessen vielfältige subjektive Wahrnehmung zu erfassen: vom Zeitgefühl im Kindesalter bis zur qualvoll stillstehenden Zeit des zum Tode verurteilten Menschen.

Also lädt Kaiser Qiánlóng Alister Cox, den berühmtesten Uhrmacher der westlichen Welt, an den Hof in Peking ein, wo dieser für ihn die Uhren seiner kaiserlichen Träume bauen soll. Die Einladung wird Cox an dem Tag überbracht, an dem seine fünfjährige Tochter Abigail verstirbt. An diesem Tag entschließt Cox sich dazu, nie wieder eine Uhr zu bauen; dennoch nimmt er die Einladung des Kaisers an und macht sich mit dreien seiner Mitarbeiter auf die Reise ins Reich der Mitte, wo er für den Herrscher mehrere Uhren baut.

Doch der letzte Wunsch Qiánlóngs ist eine ultimative Herausforderung: eine Uhr, die die Ewigkeit messen soll, eine unendlich laufende Uhr. Cox entwickelt ein Uhrwerk, das vollkommen unabhängig funktioniert und das immerfort die Zeit anzeigt, jahrhundertelang, ein Perpetuum mobile. Doch der Bau dieser Uhr hat einen Preis: Als ihr Schöpfer wird Cox „Herr über die Zeit“ und ist damit Qiánlóng gleichgestellt, was der Kaiser niemals tolerieren kann. In einem Land, dessen Kultur zwischen der ausgefeilten Schönheit der Rituale und den schrecklichen Methoden der Folter schwankt, kann eine solche Anmaßung Cox das Leben kosten.

Ransmayrs Werk ist eine feine Beschreibung des unbekannten und exotischen, faszinierenden und bedrohenden Chinas. In meisterlicher Sprache schafft der Autor eine prachtvolle und majestätische, an ein Fresko erinnernde Landschaft. Doch vor allem besticht der Roman durch seinen Erzählfluss: präzise wie ein Uhrwerk fließt er unaufhaltsam dahin und folgt dem fortwährenden Lauf der Uhrzeiger, der Jahreszeiten und der das Leben der Menschen bestimmenden Rituale.

Die jahrhundertealten Beziehungen zwischen Portugal und China und die enge kulturelle Verknüpfung beider Kulturen machen dieses Buch für den portugiesischen Leser besonders interessant. Das von Ransmayr beschriebene China des 18. Jahrhunderts weicht kaum von dem ab, das den Portugiesen zwei Jahrhunderte zuvor begegnete. In den Erlebnissen des Uhrmachers Cox und seiner Gefährten erkennt der Leser die Muster, die das Verhältnis zwischen China und dem Westen bis heute prägen: eine Mischung zwischen Neugier und verdecktem Misstrauen..


Christoph Ransmayr

Christoph Ransmayr Christoph Ransmayr | © dpa Der Schriftsteller Christoph Ransmayr, geboren 1954 in Wels/Oberösterreich, studierte Philosophie und Ethnologie in Wien und arbeitete danach als Autor und Redakteur für verschiedene Zeitschriften. 1984 erschien sein erster Roman „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“. Für dieses und seine zahlreich folgenden Bücher erhielt Ransmayr eine Vielzahl angesehener nationaler und internationaler Literaturpreise, u. a. den Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1992), den Solothurner Literaturpreis (1997), den Österreichischen Würdigungspreis für Literatur (2004) den Prix du Meilleur livre étranger (2015) sowie den Kleist-Preis (2018). Nach Jahren auf Reisen in alle Welt lebt Christoph Ransmayr wieder in Wien.


Auszeichungen (Auswahl):
1992: Großer Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
1995: Franz-Kafka-Preis
1996: Prix Aristeion
1997: Premio Letterario Internazionale Mondello
2004: Österreichischer Würdigungspreis für Literatur
2009: Premio Grinzane Cavour
2010: Premio Gambrinus „Giuseppe Mazzotti“
2013: Donauland Sachbuchpreis
2013: Ernst-Toller-Preis
2015: Prix du Meilleur livre étranger
2017: Marieluise-Fleißer-Preis
2018: Würth-Preis für Europäische Literatur
2018: Preis der Stadt Wien für Literatur
2018: Nicolas-Born-Preis
2020: Ludwig-Börne-Preis

Veröffentlichungen (Auswahl):
Die Schrecken des Eises und der Finsternis. Brandstätter, Wien/München 1984
Die letzte Welt. Greno, Nördlingen 1988
Morbus Kitahara. S. Fischer, Frankfurt am Main 1995
Der Weg nach Surabaya. S. Fischer, Frankfurt am Main 1997
Die dritte Luft, oder Eine Bühne am Meer. S. Fischer, Frankfurt am Main 1997
Die Unsichtbare. Tirade an drei Stränden. S. Fischer, Frankfurt am Main 2001
Der Ungeborene, oder Die Himmelsareale des Anselm Kiefer. S. Fischer, Frankfurt am Main 2002
Die Verbeugung des Riesen. Vom Erzählen. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003
Geständnisse eines Touristen. Ein Verhör. S. Fischer, Frankfurt am Main 2004
Der fliegende Berg. S. Fischer, Frankfurt am Main 2006
Atlas eines ängstlichen Mannes. S. Fischer, Frankfurt am Main 2012
Gerede: Elf Ansprachen. S. Fischer, Frankfurt am Main 2014
Cox oder Der Lauf der Zeit. S. Fischer, Frankfurt am Main 2016
Arznei gegen die Sterblichkeit. Drei Geschichten zum Dank. S. Fischer, Frankfurt am Main 2019

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