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Sarah Jäger
Nach vorn, nach Süden

Rowohlt Verlag, 2020
222 Seiten
978-3-49900-239-7

LESEPROBEN:

Nach vorn, nach Süden

Über das Buch

© 2020 Rowohlt Verlag, Hamburg

Manchmal muss man den Hinterhof verlassen, damit das Leben ein Abenteuer werden kann.

Auf dem Hinterhof des Penny-Marktes bekommt man seinen Namen, ob man will oder nicht. Wenn man Glück hat, wird man mit einem «unser» geadelt, so wie unser Pavel. Oder man hat Pech. So wie Entenarsch. Sie hat ihren Namen von Jo, der seit Monaten verschwunden ist. Die Suche nach ihm entwickelt sich zu einem wilden Sommertrip durch brüllend heiße Julitage. Ohne Plan, ohne Klimaanlage, immer weiter nach Süden.

Rasant, witzig, klug ... und auch eine Liebesgeschichte.
 

INTERNATIONALE RECHTE

Nathalie Wittfoth (Rechte und Lizensen)
Rowohlt Verlag GmbH, Hamburg
nathalie.wittfoth@rowohlt.de
Übersetzungsrechte ins Griechische verkauft.


Rezension

Paulo Rêgo (Übersetzer)

Auf dem Hinterhof eines Supermarkts der Kette Penny-Markt trifft sich eine Gruppe Jugendlicher – Otto, Vika, Marie, Can, Pavel und die Brüder Marvin und Leroy – sowie die Erzählerin. Angesichts der wenig erfreulichen Aussichten, besteht die Hauptbeschäftigung der Gruppe darin, zusammen zu sein, zu trinken, zu reden und wenig mehr.

Einer von ihnen, Jo, ist vor ungefähr einem halben Jahr verschwunden, sein einziges Lebenszeichen sind die Postkarten, die er Marie schickt, mit der er eine Beziehung hatte. Diese beschließt, sich auf die Suche nach ihm zu machen. Can, der eine Schwäche für Marie hat, begleitet sie.

Nach den Briefmarken auf den Postkarten zu schließen, ist Jo immer weiter nach Süden gezogen, und genau in diese Richtung geht die Reise. Die Erzählerin ist die Fahrerin in diesem Abenteuer, das sie über viele Straßen führt. Die Gründe, die sie dazu verleiten, Marie und Can zu begleiten, werden erst nach und nach deutlich. Obwohl sie in der Gruppe nicht beliebt ist, ist sie als Fahrerin unverzichtbar, doch auch die, die zuhause geblieben sind, erweisen sich während der Fahrt als nützlich.

Es ist die ungeschickte, unsichere und unangepaßte Haltung der Erzählerin, die beispielhaft vorführt, was jede*r von uns als Jugendliche*r ist (oder war), was man fühlt, wenn man alles daran setzt, zu einer Gruppe zu gehören. Schließlich fühlt sich „Entenarsch“, ein Spitzname, den Jo ihr einmal verliehen hat, zu Beginn alles andere als entspannt… Bald erahnen wir ihre sentimentalen Beklemmungen und lernen ihre Zukunftsängste kennen, ihre Zweifel, was sie mit ihrem Leben anfangen soll, doch erst später verstehen wir, dass es vergangene Taten gibt, die ihr noch immer auf dem Gewissen lasten; und erst am Ende, als wäre dies der wahre Grund der Reise gewesen, gelingt es Lena ihren Namen wieder zu erlangen, den erniedrigenden Spitznamen abzulegen und in Frieden mit sich selbst zu leben.

Der Erstlingsroman der Autorin Sarah Jäger, Nach vorn, nach Süden, überzeugt: Im Unterschied zur Oberflächlichkeit, die das Thema Roadtrip nahezulegen scheint, verleihen sowohl die Beweggründe der Erzählerin sowie die Vorgeschichten der übrigen Mitglieder der Gruppe – die oft so schwierig sind, dass der Hinterhof wie eine Zuflucht und die Gruppe wie eine Ersatzfamilie erscheint – dem Buch eine Ernsthaftigkeit, die es von der Banalität abgrenzt. Die Authentizität, die alle Figuren kennzeichnet, überzeugt uns, dass es sich bei ihnen nicht um bloße Puppen, sondern um mögliche Versionen dieses oder jener konkreten Jugendlichen handelt.

Wie auch bei Tschick von Wolfgang Herrndorf liegt hier das potentielle Drehbuch eines jugendlichen Roadmovies vor uns, der (in Post-Corona-Zeiten) in den Kinosälen zweifellos Erfolg hätte.

Ein zu enges Auto, ein zu heißer Sommer, zu leere Geldbörsen… Na und, was macht das schon? Es ändert nichts daran, dass die Reise unvergesslich wird. Obwohl für ein jugendliches Publikum ab 14 Jahren vorgesehen, werden auch die Älteren (die Eltern?) Freude daran haben, dieses Buch zu lesen, angetrieben vielleicht von der Nostalgie, die diese Lebenszeit umspielt.

Komische Momente sind vorhanden, doch sie sind subtil. Der Lebhaftigkeit und Direktheit der Dialoge zum Trotz, wird der Ton nie oberflächlich. Eine Natürlichkeit und Frische finde sich hier, die manchmal in das Poetische reichen. Das Buch offenbart (und erinnert uns), dass es ebenso wichtig ist, die Reise zu genießen, wie anzukommen


Sarah Jäger

Sarah Jäger Sarah Jäger | Foto: © Thorsten Simon Sarah Jäger arbeitete als Callcenteragentin, Theaterpädagogin und Buchhändlerin. Mehrere Jahre war sie als Trainerin bei schreibwerk berlin tätig. 2020 erschien ihr Debüt, der Jugendroman Nach vorn, nach Süden. Dafür erhielt sie den Kinder- und Jugendliteraturpreis Luchs des Monats März 2020. Sarah Jäger lebt im Ruhrgebiet.

Auszeichnungen:
2020: LUCHS-Preis

Veröffentlichungen:
Nach vorn, nach Süden. Rowohlt Verlag, Hamburg, 2020

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