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Sherko Fatah
Schwarzer September

Luchterhand Literaturverlag, 2019
384 Seiten
978-3-630-87475-3

LESEPROBE

Schwarzer September

Über das Buch

© 2019 Luchterhand Literaturverlag, München

Schwarzer September ist ein Roman über den Terrorismus der Siebziger Jahre. Rebellische Idealisten wie Theresa, Alexander und Jakob reisen in den Nahen Osten, um sich ausbilden zu lassen. Ihre Familien bleiben mit Legenden in der Bundesrepublik zurück. Menschen aus dem Nahen Osten wiederum wechseln in die Bundesrepublik, um Aktionen vorzubereiten. Sie alle verbindet eines: Werkzeuge zu sein in einem Zusammenhang, den sie nicht überschauen. Kraftwellen einer Gewalt, die uns bis heute beschäftigt, auch wenn sich der Terrorismus inzwischen von einer mit revolutionärem Elan ausgeübten Gewalt zum Ausdruck einer extrem politisierten Religiosität gewandelt hat.

Sherko Fatah ist einer der klügsten Beobachter und Deuter der Vorgänge im Nahen Osten. Seine faktenreichen und doch atmosphärisch dicht erzählten Romane sind ihrer Zeit auch dann voraus, wenn sie den Blick in die Vergangenheit richten. Sie spüren den abenteuerlichen Wegen der handelnden Figuren aus unterschiedlichen Kulturen inmitten der Konflikte im Nahen Osten nach und beschreiben die Auswirkungen dieser Konflikte, die wie Druckwellen auch das heutige Westeuropa erreichen.

INTERNATIONALE RECHTE

Ute Zörbach
Luchterhand Literaturverlag, München, in der Verlagsgruppe Random House GmbH
ute.zoerbach@randomhouse.de 
Übersetzungsrechte ins Griechische verkauft.


Rezension

Pedro Garcia Rosado (Übersetzer)

Am 28. September 1971 wurde der jordanische Premierminister Wasfi Tal im Hotel Sheraton in Kairo erschossen. Dieser Mord wurde von einer mit der Palästinensischen Befreiungsorganisation in Verbindung stehenden Terrorgruppe ausgeübt, als Vergeltung für die Entscheidung der jordanischen Regierung, die Palästinensische Befreiungsorganisation aus ihrem Gebiet zu verbannen. Am 18. April 1983 kamen 63 Menschen bei einem Autobomben-Anschlag der Terrorgruppe Islamischer Dschihad auf die Botschaft der Vereinigten Staaten in Beirut (Libanon) ums Leben.

Diese Eckdaten bilden den Rahmen für den Roman Schwarzer September von Sherko Fatah. Mehr als den Aktivisten und der islamistischen Terrorgruppe gilt das Interesse des Romans den Jugendlichen, diesen „neuen Ritter, die sich durch den Weltlauf, der sich statt ihrer Ideale realisiert, durchschlagen müssen und es nun für ein Unglück halten, daß es überhaupt Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat, Gesetze, Berufsgeschäfte usf. gibt“, so die am Anfang des Werks zitierten Worte des Philosophen Hegel.

Ziad in Beirut, sowie Theresa, Alexander und Jakob in Westdeutschland begegnen sich in Europa und im Mittleren Orient. Sie sind getrieben von ihren Überzeugungen und Zweifeln über das Weltgeschehen, verloren in einem Labyrinth der politischen Illusionen (eine der Figuren gibt als Glaubensbekenntnis an, Marx gelesen zu haben), in dem reale Personen (der „Rote Prinz“ Ali Hassan Salameh, Oberhaupt der Gruppe Schwarzer September) und Institutionen eine Rolle spielen (die „Agentur“, deren Delegation in Beirut die von Henry Kissinger aufmerksam gelesenen Berichte erstellt).

Der Roman Schwarzer September handelt von jugendlichem Idealismus, aber auch vom Terrorismus und von der kalten Spionagewelt. Sherko Fatah erzählt seine Geschichte mit der Intensität eines John le Carré und erinnert an Die Libelle, sein literarischer Ansatz ist jedoch realistischer.


Sherko Fatah

Sherko Fatah Foto: © dpa Sherko Fatah, geboren 1964 in Berlin, ist Schriftsteller. Fatah hat irakisch-kurdische Wurzeln und hielt sich schon früh regelmäßig im Heimatland seines Vaters auf. Die Familie reiste aus der DDR aus, lebte in Wien und später in Westberlin, wo Sherko Fatah Philosophie und Kunstgeschichte studierte. 2001 erschien sein Debütroman Im Grenzland. In seinen Werken treffen die westliche und arabische Welt aufeinander. Das dunkle Schiff schaffte es 2008 auf die Shortlist zum Deutschen Buchpreis. Sherko Fatah wurde u. a. mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis (2015) ausgezeichnet und lebt in Berlin.

Auszeichungen:
2020: Eugen Viehof-Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung von 1859
2015: Adelbert-von-Chamisso-Preis
2015: Großer Kunstpreis Berlin für sein bisheriges Werk
2007: Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil 
2001: Aspekte-Literaturpreis für Im Grenzland

Veröffentlichungen (Auswahl):
Schwarzer September. Roman, Luchterhand, München, 2019
Der letzte Ort. Roman. Luchterhand, München, 2014
Ein weißes Land. Roman. Luchterhand, München, 2011
Das dunkle Schiff. Roman, Jung und Jung, Salzburg, 2008
Onkelchen. Roman. Jung und Jung, Salzburg, 2004
Donnie. Erzählung. Jung und Jung, Salzburg, 2002
Im Grenzland. Roman. Jung und Jung, Salzburg, 2001

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