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Clemens J. Setz
Der Trost runder Dinge

Suhrkamp Verlag, 2019
320 Seiten
ISBN 978-3-518-42852-8

LESEPROBEN:

Der Trost runder Dinge

Über das Buch

© 2019 Suhrkamp Verlag, Berlin

Ein elsässischer Soldat im Ersten Weltkrieg entdeckt am Nachthimmel das Sternbild des Großen Burschen, das so schauderhaft ist, dass er niemandem davon erzählen kann. Ein junger Mann, der sich in die blinde Anja verliebt hat, muss feststellen, dass ihr Apartment von oben bis unten mit Beschimpfungen bekritzelt ist. Marcel, sechzehn Jahre alt, hinterlässt auf der Toilettenwand eines Erotiklokals seine Handynummer und den Namen Suzy. Familie Scheuch bekommt eines Tages Besuch von einem Herrn Ulrichsdorfer, der vorgibt, in ihrem Haus aufgewachsen zu sein, und einen Elektroschocker unter seinem geliehenen Anzugjackett verbirgt.

Das ganz und gar Unerwartete bricht in das Leben von Clemens J. Setz’ Figuren ein. Ihr Schöpfer erzählt davon einfühlsam, fast zärtlich. Durch Falltüren gestattet er uns Blicke auf rätselhafte Erscheinungen und in geheimnisvolle Abgründe des Alltags, man stößt auf Wiedergänger und auf Sätze, die einen mit der Zunge schnalzen lassen. Der Trost runder Dinge ist ein Buch voller Irrlichter und doppelter Böden – radikal erzählt und aufregend bis ins Detail.
 

INTERNATIONALE RECHTE (PORTUGAL)

Jan-Philipp Martin (Rechte und Lizenzen)
Suhrkamp Verlag, Berlin
martin@suhrkamp.de
Übersetzungsrechte nach Russland, Frankreich, Griechenland und Dänemark verkauft.


Rezension

Helena Topa (Übersetzerin)

Der zweite Erzählband von Clemens J. Setz erinnert ein wenig an die Tales of the Unexpected von Roald Dahl: Denn tatsächlich ist das Unerwartete der rote Faden, der sich durch alle Erzählungen (deren Umfang von einer halben Seite bis zum Beinahe-Roman mit komplexerer Handlung reicht) zieht.
 
Seite für Seite wird der Leser, die Leserin mit dem Unerwarteten konfrontiert, in dem Sinne, dass die Lektüreerwartungen systematisch enttäuscht werden. Die Detailtreue, Gründlichkeit des Erzählens und der Ausarbeitung der Figuren, ist eine der Stärken dieses Werks, welches den Leser verwickelt in die Eigenart der Situationen und Charaktere, ihn gleichsam gefangen nimmt.
 
Die Texte sind voll von Grenzsituationen und Randfiguren, in denen der Leser sich kaum wiederzufinden vermag: Ist diese Situation die Folge einer Krankheit? Oder von Wahnsinn? Darf man so sprechen? Ist diese Figur kriminell? Hat sie eine psychische Störung? Ist das ein Tier oder ein Mensch? Oder etwas anderes, Undefinierbares?
 
Mit leichter, beinahe humorvoll anmutender Ironie erkunden diese Texte menschliche Universen, die normalerweise unter der Wahrnehmungsgrenze bleiben – mentale Prozesse und Strategien, Fantasien, Vorstellungen, Ängste, geheime Befürchtungen, individuelle und nicht übertragbare Sprechweisen, welche die Figuren an den Grenzen des Sagbaren verorten.
 
Indem Clemens J. Setz in seinen Erzählungen diese Grenzen auslotet, stellt er die Lesekompetenz des Lesers, dessen Leseautomatismen unaufhörlich auf die Probe und löst so eine latente Unsicherheit aus, die ihn dazu nötigt, seine Gewohnheiten – der Lektüre eines Buches oder einer Erzählung, des Herangehens an eine Figur und die Welt – zu hinterfragen


Clemens J. Setz

Clemens Setz Clemens Setz | Foto: picture alliance Clemens J. Setz, geboren in 1982 in Graz, Österreich, ist Schriftsteller und Übersetzer. Setz studierte in Graz Mathematik und Germanistik, schloss das Studium allerdings nicht ab und arbeitet seitdem als freier Schriftsteller. Bereits während des Studiums hatte er Erzählungen und Gedichte in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht. Sein Debütroman Söhne und Planeten erschien 2007 und schaffte es in die engere Auswahl zum aspekte-Literaturpreis. Auch viele seiner Nachfolgewerke wurden für bedeutende Preise vorgeschlagen, darunter drei Nominierungen für den Deutschen Buchpreis. Sein Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes wurde mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Clemens J. Setz lebt in Graz.

Auszeichnungen (Auswahl):
2019: Berliner Literaturpreis
2018: Merck-Kakehashi-Literaturpreis
2017: Literaturpreis des Landes Steiermark
2015: Wilhelm-Raabe-Literaturpreis für Die Stunde zwischen Frau und Gitarre
2013: Literaturpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft
2011: Preis der Leipziger Buchmesse für Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes
2010: Literaturpreis der Stadt Bremen für Die Frequenzen
 
Veröffentlichungen:
Der Trost runder Dinge. Erzählungen. Suhrkamp, Berlin, 2019
Die Stunde zwischen Frau und Gitarre. Roman. Suhrkamp, Berlin, 2015
Glücklich wie Blei im Getreide. Nacherzählungen. Suhrkamp, Berlin, 2015
Die Vogelstraußtrompete. Gedichte. Suhrkamp, Berlin, 2014
Indigo. Roman. Suhrkamp, Berlin, 2012
Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes. Erzählungen. Suhrkamp, Berlin, 2011
Die Frequenzen. Roman. Residenz, St. Pölten, 2009
Söhne und Planeten. Roman. Residenz, St. Pölten, 2007

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