Podiumsdiskussion Wozu Religion?

Wozu Religion? Foto (Ausschnitt) © Bernhard Ludewig

19.10.2017, 18:30 Uhr

Goethe-Institut Lissabon

Campo dos Mártires da Pátria, 37
1169-016 Lissabon

500 Jahre Reformation in Europa - Religion im 21. Jahrhundert

Am Donnerstag, den 19. Oktober 2017 um 18:30 Uhr findet die Podiumsdiskussion Wozu Religion? mit dem Sozialwissenschaftler Bassam Tibi, dem Theologen Friedrich Wilhelm Graf und dem Anthropologen Alfredo Teixeira statt. Moderiert wird die Veranstaltung vom Religionswissenschaftler Steffen Dix, Universidade Católica Lissabon. Die Veranstaltung findet in deutscher und portugiesischer Sprache mit Simultanübersetzung statt.
 
Die berühmte Gretchenfrage „Sag, wie hältst du’s mit der Religion?“ hat an Aktualität nichts eingebüßt. Die Frage nach der Religion polarisiert und provoziert. Der Zusammenprall verschiedener Weltanschauungssystem steht immer wieder im Fokus aktueller Konflikte. Wir möchten die Frage stellen, welche Rolle die Religion aktuell für europäische Konsolidierungsprozesse spielt und welche sie spielen könnte.

Für Martin Luther war es vor 500 Jahren ein wesentliches Anliegen, die Mündigkeit des Einzelnen als Basis einer selbstbewussten Gesellschaft zu stärken. Die Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen ins Deutsche, Gottesdienste in der Landessprache sowie die reichhaltigen Flugschriften, die dank der Erfindung des Buchdrucks für jedermann zugänglich waren, sind nur einige Beispiele dafür. Insgesamt steht Martin Luther am Anfang einer grundlegenden Pluralisierung des Christentums in eine Vielzahl unterschiedlichster Glaubensüberzeugungen. Damit veränderte sich Europa, und mit Europa die ganze Welt. Heute hat der von Martin Luther angestoßene Pluralisierungsprozess eine vollkommen neue Dimension und bedeutet für ganz Europa eine ungeahnte Herausforderung.

Anlässlich des  Jubiläums des Reformationsjahres 1517 wollen wir die aktuelle Rolle der Religion in ihren verschiedenen Ausprägungen in Europa kritisch hinterfragen sowie die Notwendigkeit und Bedeutung religiöser Weltanschauungssysteme für die Zukunft einer mündigen Zivilgesellschaft diskutieren.
 
Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Deutschen Botschaft, der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde Lissabon, der Bartholomäusbrüderschaft der Deutschen in Lissabon und dem Forschungszentrum für Theologie und Religionswissenschaft der Universidade Católica Portuguesa.
 
Bassam Tibi ist ein deutscher Politikwissenschaftler syrischer Herkunft. Er wurde 1944 in Damaskus geboren, studierte Sozialwissenschaften, Philosophie und Geschichte in Frankfurt am Main und hatte zahlreiche Lehr- und Forschungsaufenthalte an ausländischen Hochschulen wie beispielsweise Bosch Harvard Fellow an der Harvard University. Er war lange Jahre Professor für internationale Beziehungen an der Universität Göttingen und gilt als Begründer der Islamologie, die sich als sozialwissenschaftlich ausgerichtete Islam-Forschung versteht. Von ihm wurden die viel diskutierten Begriff des Euro-Islam und der Leitkultur geprägt. Er veröffentlichte mehrere Werke in verschiedenen Sprachen, und zu seinen aktuellen Veröffentlichungen gehören u.a. „Islamische Zuwanderung und Ihre Folgen“ (2017) und „Europa ohne Identität? Europäisierung oder Islamisierung“ (2016).
 
Friedrich Wilhelm Graf wurde 1948 geboren und studierte evangelische Theologie, Philosophie und Geschichte in Wuppertal, Tübingen und München. Er war Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität München und ist Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Er war Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und ist vielfältig in den Medien präsent. Seit 1994 ist der Präsident der Ernst-Troeltsch Gesellschaft und damit maßgeblich verantwortlich für die Kritische Gesamtausgabe der Werke dieses Kulturphilosophen. Von Graf erschienen u.a. „Die Wiederkehr der Götter“ (2005), „Politik und Religion. Zur Diagnose der Gegenwart“ (2013), oder „Götter Global“ (2016).
 
Alfredo Teixeira ist Professor an der Fakultät für Theologie der Katholischen Universität Portugals und Direktor des Universitätsinstituts für Religionswissenschaft. Er betreute bereits verschiedene Wissenschaftsprojekte, u.a. „Religiöse Lebensläufe und Entwürfe in der Stadt“, „Soziale Tätigkeit der Katholischen Kirche in Portugal“, oder „Religiöse Identitäten in Portugal: Repräsentationen; Werte und Praktiken.“ Er ist Direktionsmitglied des Forschungszentrums für Theologie und Religionswissenschaft (CITER/UCP) und Redaktionsmitglied der Zeitschriften Didaskalia und Communio. Weiterhin gehört er zur Kommission für Religionsfreiheit (dem Justizministerium unterstellt) und vertritt die Katholische Universität im Forschungsnetzwerk „Religion und Vielfältige Moderne“.  

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