Ausstellung OUTLINE THE OUTCOME / nothing is as it seems, nor is it otherwise

OUTLINE THE OUTCOME OUTLINE THE OUTCOME © Stefan Jammer

Fr, 14.01.2022 -
Di, 22.02.2022

Goethe-Pavillon , Calea Dorobanților 32

Aus objektiven Gründen bleibt die Ausstellung an folgenden Tagen geschlossen: 14.02., 16.02. Vielen Dank für Ihr Verständnis!

WAS ES SCHEINT, WAS ES IST, UND WAS ES BEDEUTET

Das fotografische Oeuvre von Stefan Jammer verlässt die historische Rolle der Fotografie in ihrem Replizieren einer ausgewählten, gerne idealen Wirklichkeit: Seine Fotografie wird zum Instrument der Wahrnehmung und Reflexion.
Bei eingehendem Betrachten lassen die Bilder mehrere Bedeutungsebenen aufleuchten. Eine davon ist die Subjektivität der Wahrnehmung.

Inzwischen ist klar: Wahrnehmung wird konstruiert, aus Erfahrungen und Sinneswahrnehmungen – die Wahrnehmung von Raum und Zeit mit eingeschlossen. Genaues Hinsehen offenbart die Kluft zwischen der Interpretation unserer Seh-Erfahrung und dem nur allmählich sich erschließenden Sachverhalt.

DAS FRAGILE VERHÄLTNIS ZWISCHEN MENSCH UND NATUR

Ein riesiges Landschaftspanorama zeigt das frühlingsgrüne bewaldete Ufer des Arieș; im Hintergrund erkennt man allmählich große Flächen angeschwemmten Mülls. Übertrumpft wird die Seherfahrung im Plakatbild, einer skulptural anmutenden Komposition, Stillleben genannt – was die romanischen Sprachen sinnigerweise „tote Natur“ nennen. Auf den zweiten Blick erweist sich das Stillleben als angeschwemmter unverweslicher Müll, der auf seine Weise einer Auflösung entgegensieht.
In den harmlosen Müllcontainer an der vielfach Graffiti besprühten Fassade der Kunstschule wurde gerade Kunst entsorgt, auch diese dem Werden und Vergehen unterworfen.
Eine Aufnahme aus dem historischen Zentrum von Bukarest zeigt eine altbekannte, ehemals intensiv belebte Straße, nun selbstvergessen, auf welcher der Wrack eines vormals unverzichtbaren Autos, ehemals Inbegriff der Freiheit und Lebensqualität, nun sich selbst überlassen, einen langsamen Tod stirbt.
In einem Durchgang zwischen Wohnblocks findet ein Hund schützende Unterkunft in einem entsorgten Karton; die wollene Handwebe seines Lagers deutet auf achtsame Zuwendung – und zugleich auf andere Dimensionen von Unbehaustsein.
Die langestreckte organische Betonbau-Landschaft erinnert an ein Korallenriff (Concrete Constructions). Bei genauem Hinsehen erschließt sich der Bau als sich verselbständigt habende wuchernde Form der Landnahme, als vorbereitetes Behältnis, das stufenweise ‚belebt‘ werden soll –, oder von der Natur zurückerobert.
Ein weiteres Landschaftsbild, darin das menschliche Tun viel Raum einnimmt – Industriebau, Brücke, Kran und riesige Container, die wie Riesenspielzeug herumliegen – erweist sich als Ort eines Zugunglücks, als tragisches Geschehnis. Im Kontrast dazu steht die Meta-Reflexion des tragischen Schauspiels aus sicherer Zuschauer-Warte. Rückenfiguren enthalten jeweils eine Aufforderung zur Identifikation.
Die schimmernde Wasserfläche zeigt in tausend Reflexionen den Meeresboden, doch dessen eigentliche Beschaffenheit ist in Wirklichkeit nie zu sehen, der Anblick erschließt sich immer nur mittelbar und unbeständig.
Die sinnige Rasta Plant macht es vor: Werden und Vergehen zur gleichen Zeit, und das Vergehen feiern.

DAS WESEN DER DINGE

In all diesem reflektieren die Bilder das Wesen der Dinge: ihre Erscheinung und Manifestation in Raum und Zeit, und wiederum die Wirklichkeit des Augenblicks.
Als Triptychon inszeniert werden die Dinge zu Kategorien: Das Fleisch, der Leib, Träger der Konkretion, der realen Welt – im Gegensatz zu der zarten Mohnblume, Inbegriff der Vergänglichkeit, im Augenblick wunderschön, entgegen der Seherfahrung ohne Gefäß – und der Melanchthon-Brief, die aufs Äußerste konzentrierte Botschaft steht für Humanismus und Aufklärung, als Träger unvollkommenen Wissens, durch die Reflexion als Täuschung weitergeführt. Leib, Geist, Natur, ihrerseits gespiegelt, werden in mehrfachem Sinn zum Objekt der Reflexion.

Heidrun König


Stefan Jammer: geboren 1976 in Deutschland, Studienjahre in Dresden an der TU und an der Universität für Bildende Künste, seit 1999 zum Multimedia Producer ausgebildet, ab 2003 freier Fotograf und Grafiker. Seit 2005 lebt er unter anderem in Rumänien, in Hermannstadt – und arbeitet auf nationaler und internationaler Ebene für zahlreiche Kulturinstitutionen, darunter die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden SKD, Nationalmuseum für Gegenwartskunst Bukarest MNAC, das Brukenthal-Museum, die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien, das Rumänische Kulturinstitut ICR, das Goethe-Institut, das Deutsche Kulturzentrum Hermannstadt, die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit GTZ, die Heritas-Stiftung Hermannstadt, den Deutschen Wirtschaftsclub Siebenbürgen DWS, das Internationale Theaterfestival Hermannstadt FITS sowie für Mediengesellschaften, Verlage und Unternehmen. 


 
Die Veranstaltung findet bis auf Weiteres unter 3G-Bedingungen mit reduzierter Saalkapazität statt – die Teilnahme ist nur für Geimpfte, Genesene oder Getestete möglich. Um die Ausstellung besuchen zu können, schicken Sie bitte eine E-Mail an: BUK-Praktikant4@goethe.de 
Im Ausstellungsraum gilt die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske. 
Wir möchten darauf hinweisen, dass Personen mit typischen Corona-Symptomen der Zutritt ins Gebäude nicht gestattet ist. 

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