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Wladimir Rafejenko

Geboren 1969 in Donezk, studierte Russistik und Kulturwissenschaft. Für seine Werke wurde er in Russland mehrfach ausgezeichnet, u.a. 2013 mit der „Russischen Prämie“ (eine Auszeichnung für Russisch schreibende, aber nicht in Russland lebende Autoren). Lebt seit Juli 2014 in Kiew. 

Veröffentlichungen u.a.:

  • Краткая книга прощаний („Ein kurzes Buch der Abschiede“) – Donezk: Nord-Press, 2000
  • Каникулы магов („Ferien der Zauberer“) – Donezk: Donetschina, 2005
  • Невозвратные глаголы („Nichtreflexive Verben“) - Donezk: Nord-Press, 2009
  • Московский дивертисмент („Moskauer Divertissement“) – Moskau: Snamja, 2011
  • Лето напролёт („Den Sommer hindurch“) - Moskau: Snamja, 2012 
  • Демон Декарта („Descartes‘ Dämon“) – Moskau: Eksmo, 2014
  • Долгота дней („Die Länge der Tage“) – Charkiw: Fabula, 2017
Aus einem Interview mit Wladimir:

- Gibt es Themen, die für Sie als Autor besonders wichtig, quasi ewig sind, und die sich in verschiedenen Texten wiederfinden? 

- Typisch für meine letzten Texte, für die letzten drei oder vier Romane, ist ein Leitthema, das sich in der thematischen, stilistischen und kompositorischen Ebene, in der Handlung und im Sujet widerspiegelt. Es ist eines meiner Hauptthemen, und es besteht darin, dass wir auf die Art und Weise, wie wir die Realität der Dinge und Sachen wahrnehmen, die nur auf der objektiven Ebene vorhanden sind, weder etwas verstehen noch etwas vergeben können. Wenn man nur von der dinglichen, objektiven Gegebenheit der Sachen ausgeht, kann man auch nicht wirklich Freude empfinden. Laut Aristoteles haben Tatsachen keinen Sinn. In seiner „Poetik“ vergleicht er die Arbeit des Dichters mit der des Historikers und kommt zu dem Schluss, dass der Historiker dem Dichter untergeordnet ist, denn er beschreibt nur das Gewesene. Und das Gewesene, das Tatsächliche hat keinen Sinn. Um wirklich verstehen zu können, muss man sich eine perfekte Struktur des Ereignisses vorstellen können, sie sehen. Dann ist da noch die Idee von Plato, die Entstehungsgrundlage, eines der wichtigsten Erkenntnisse der altgriechischen Philosophie … In diesen meinen Romanen konstituiert sie sich durch eine Art Vermengung von einem quasi realen und einem märchenhaften Volumen an Prosaischem. Ausgehend von einem einfachen Sujet, von einem einfachen, trivialen, objektiven Niederschreiben, kann man weder verstehen noch lossprechen noch vergeben. Die menschliche Regung in der Welt der toten Dinge, der Geschichten, die nur zu einer positivistischen, positiven Realität gehören, und auch diese positive Realität selbst – sie verliert völlig ihren Sinn, ihr menschliches Gesicht. Um etwas zu verstehen, etwas zu vergeben, um weiterzugehen, um dieses Puzzle zusammenzubekommen, muss man sich anscheinend anderer Methoden bedienen – anderer Methoden der Sinnerfassung, der Realitätsgestaltung und -verarbeitung, abseits der realistischen, positivistischen Methoden. Das ist die Leitlinie. Das gilt für „Moskauer Divertissement“, für „Descartes‘ Dämon“, für „Die Länge der Tage“, und auch für „Mondegreen“, den Roman, der in Ukrainisch erscheinen wird. Andersen war der Begründer des Autorenmärchens in Europa, und im Grunde sind Andersen und Gogol die Urquellen dessen, was ich in meinen Texten zu tun versuche. Ich meine damit die russische Sprache und meine auf Russisch geschriebenen Texte. Die stilistische Virtuosität, der Atem der Texte von Sasha Sokolov und Wenedikt Jerofejew sind für mich sehr wichtig, aber Basis und der Erfahrung in Realitätsgestaltung aufbauen, die ich in erster Linie aus den Texten von Andersen und Gogol geschöpft habe.

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