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„DOCMOBIL“ in Tschuwaschien - oratio directa

«ДОКМОБИЛЬ - Прямая речь»
Foto: Michail Kuzmin

In der Republik Tschuwaschien fand das „DOCMOBIL“ im Rahmen des Festivals „PolygonDocFest 2018“ statt. Der Organisator des Festivals und Leiter des Kreativraums „Polygon“, Michail Kusmin, sagt über das Projekt:
 

„Das „DOCMOBIL“ ist eine hervorragende und sehr wichtige Initiative für die russischen Regionen. Erstens führt es die Zuschauer*innen an den Autoren-Dokumentarfilm heran und ermöglicht ihnen, in der persönlichen Diskussion mit den Filmschaffenden neue Erfahrungen zu machen. Zweitens sind die angebotenen Workshops für kreative Menschen ein Gewinn, denn sie vermitteln ihnen Kompetenzen, die ihnen in der Provinz sonst oftmals fehlen. In Tschuwaschien mangelt es im Filmwesen oft an einer professionellen Herangehensweise. Man sollte unbedingt weitermachen – und die Reichweite von „DOCMOBIL“ vergrößern! Das Projekt wird wirklich gebraucht!“

Im Rahmen des PolygonDocFest zeigte das „DOKMOBIL“ die Filme „Hodsch und ich“ (2012, Deutschland - Großbritannien) und „Sing“ (2017, Russland - Polen). Die Protagonisten beider Filme wollen den etablierten Meinungen und Vorurteilen Widerstand leisten: Auf der einen Seite schaut der junge Mann der Krankheit des 21. Jahrhunderts direkt in die Augen, untersucht diese und parallel dazu sich selbst. Auf der anderen Seite haben die singenden Frauen aus Tuwa keine Angst, den Fluch ihres Volkes zu brechen, obwohl der Glauben an ihn in ihrer Republik sehr groß ist. In beiden Geschichten treten die Protagonisten weit aus ihrer Komfortzone heraus, doch ihre Tapferkeit hilft ihnen, bis ans Ende zu gehen. Den Film „Hodsch und ich“ stellten Regisseur Christian Werner und Cutter Helmar Jungmann vor, die beide zum ersten Mal in den russischen Regionen waren:
 
Das „DOCMOBIL“ ist Pionierarbeit mit Herzblut. Dieses Projekt gab mir als Filmemacher einen wahren Einblick in die russische Lebenswirklichkeit fernab von den Großstädten. Es war eine absolute Ehre, meine Filme in diesem Rahmen vorstellen zu dürfen, und sehr beglückend, wenn ich feststellen konnte, dass der Film Emotionen beim Publikum auslöst. Es ist eine einzigartige Form des Kulturaustausches, die hoffentlich noch viele Jahre bestehen bleibt!
Christian Werner
 
Ich denke, dass es gerade in etwas abgelegenen Regionen Sinn macht, Kultur und Völkerverständigung zu fördern. Für mich selber war es eine super Erfahrung einmal nach Russland zu reisen, um das Land und seine Menschen kennenzulernen! Auch russische Filmemacher und Interessierte kennenzulernen war bereichernd. Einmal zu sehen, bzw. zu hören, wie sie arbeiten war spannend. Dabei habe ich das Gefühl, dass ihre Arbeitsweise gar nicht so unterschiedlich zu Unserer ist. Eher scheinen sich die bearbeiteten Themen, dem jeweiligen Kulturkreis anzupassen.
Helmar Jungmann 

Neben dem Ziel, einem breiten Publikum ein Verständnis von Dokumentarfilmen zu vermitteln, diente das Projekt dazu, die Dokumentarfilmschaffenden aus Deutschland und Russland miteinander und mit interessierten Vertreter*innen der Kinolandschaft bekannt zu machen. Die Regisseurin Olga Korotkaja, die dem tschuwaschischen Publikum ihren Film „Sing“ vorstellte, beschreibt ihre Eindrücke von den Unterhaltungen mit Kolleg*innen ihrer Zunft:
 
„Noch lange werde ich in Erinnerungen an die Reise schwelgen und über die Ideen für neue Filme nachdenken, die während der Gespräche mit den deutschen Kolleg*innen entstanden sind. Die Reise hat alle meine größten Erwartungen übertroffen: es gab eine sehr warmherzige und ungezwungene Atmosphäre, ein interessantes Programm und danach angeregte Diskussionen mit den Zuschauer*innen.

Mir scheint, dass sowohl für die Filmschaffenden als auch das Publikum dieses Projekt sehr brauchen. Denn für uns alle ist es eine einzigartige Gelegenheit, die Filme zu zeigen, die hier sonst wahrscheinlich niemand jemals zu Gesicht bekommen hätte. Und außerdem bin ich überzeugt davon, dass dank „DOCMOBIL“ ein Teil der Leute zum ersten Mal erfahren hat, was Autoren-Dokumentarfilme überhaupt sind.“

Weiter fanden im Rahmen des „DOCMOBIL“- Filmcampus in Tschuwaschien Treffen mit der Direktorin des internationalen Dokumentarfilmfestivals „DOKer“, Irina Schatalowa, statt:
 
„Die Erfahrung des Projekts in Tschuwaschien hat gezeigt, wie effizient und wichtig die Arbeit eines örtlichen Vereins für die Förderung von Film und Kultur sein kann: Der Raum „Polygon“ in Tscheboksary zieht ein aktives, kluges, leidenschaftliches Publikum an. Ich hatte den Eindruck, dass die Workshops und Vorführungen der deutschen und russischen Filme dort sowohl für die Zuschauer*innen als auch für die Teilnehmer*innen des Projekts sehr produktiv verlaufen sind.
 
Der Besuch der kleinen Stadt Mariinski Posad in der Republik Tschuwaschien hat bei mir gemischte Gefühle hinterlassen. Eine solche Veranstaltung war für die lokalen Zuschauer*innen sicher eine absolut ungewohnte Erfahrung. Im Allgemeinen sind kulturelle Aktivitäten in kleinen Örtchen beschränkt, Kino- oder Ausstellungsbesuche usw. sind eher eine Seltenheit. Deswegen sind solche Veranstaltung wie „DOCMOBIL“ wichtig für die Entwicklung der Regionen.“

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