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Ausstellungsphase 1© MMOMA

if the body is a temple and a body is a subject and a temple has walls – it becomes apparent that a temple is a body

16. Dezember 2017 – 11. Januar 2018

Die einläutende Ausstellungsphase verbindet künstlerische Praktiken, die um Fragen des geschlechtlichen Körpers in Relation zu Aspekten der Weiblichkeit, Spiritualität und Arbeit kreisen. Ein gemeinsames Interesse der drei beteiligten Künstlerinnen, die alle im Rheinland studiert haben, ist ihre Vermessung von Ebenen des Femininen.

Entlang narrativer, malerischer, skulpturaler und organisatorischer Linien wägen sie unterschiedliche Methoden der Produktion von Wissen und Wert ab. Die Ausstellung soll lesbar machen, wie aufbauend auf diesen Praktiken eine Neuformierung der befragten Entitäten stattfindet, um im Endeffekt ein Handeln zu ermöglichen.

Künstlerinnen: Alex Heilbron, Klara Kayser, Magdalena Kita 


Alex Heilbron

Alex Heilbron, Detoxification Garden / Looping Alex Heilbron, Detoxification Garden / Looping | © MMOMA

Die Installation von Alex Heilbron (*1987, Greenbrae, Kalifornien, USA) zielt darauf ab, einem bedürftigen Körper Entspannung und Fürsorge zu bieten. In der Ausstellung stehen mehrere Gewächshäuser für bestimmte Pflanzen oder Kräuter, die man vor Ort ernten und später für verschiedene Anwendungen wie Tees und Tinkturen verarbeiten kann. Ihr beruhigender Einfluss auf einen bedrückten oder verängstigten Körper soll einer kritischen und widerständigen Lebensweise in der Gegenwart dienen. Der Arbeit wohnt die Kritik inne, dass die kapitalistische Gesellschaft gegenwärtig eine treibende Kraft hinter zahlreichen körperlichen Beeinträchtigungen ist, und dass diese Störungen im Körper später von den Strukturen, die sie ausgelöst haben, negiert werden. Heilbron bietet ein Werkzeug der kollektiven Selbstfürsorge, mit dessen Hilfe die Gestressten in einem System der Tugenden der Gabe und der Fürsorge Erleichterung finden. Es ist ermutigend, in einem Diskurs, der zumeist patriarchalische Auffassungen von Wissen und Wertschöpfung bevorzugt, Praktiken aufzuwerten, die als unwissenschaftlich und unwirtschaftlich gelten.

Eine ähnliche Herangehensweise kennzeichnet auch Heilbrons Publikationsprojekt „Looping“; dieses fungiert als Dokumentation künstlerischer Forschung und dient zugleich als Instrument für die Selbstorganisation von Produktion. So eröffnet es einen Raum für autodidaktisches Lernen und die Vermittlung von Arbeitsprozessen, um andere zu befähigen. Ein Textildruck bildet eine Brücke zwischen den beiden anderen Arbeiten und knüpft an Heilbrons Praxis als Malerin persönlicher und empfindsamer Erzählungen an, die andere Interpretationen des Selbst anbieten, das visuell und literarisch sein eigenes Vokabular erfindet.


Klara Kayser

FOTOS

„if the body is a temple and a body is a subject and a temple has walls – it becomes apparent that a temple is a body“ ist ein Zitat aus einem poetischen Vortrag von Klara Kayser (*1986, Hannover, DE) und dient als mäandrische Leitlinie der Ausstellung. Der Satz spielt auf eine Reihe von Beziehungen an, in die der Körper – und insbesondere der weibliche Körper – während der Verfahren von Arbeit, künstlerischer Produktion, Selbstorganisation und Spiritualität verstrickt ist. Kayser hat eine Praxis entwickelt, die sich auf den Gebieten der Skulptur und Poesie entlang narrativer Formen bewegt. Für die Ausstellung im MMOMA hat sie auf potenziell dekorative Weise mit dem Raum gearbeitet. Ihre Installation „ravish me pink“ besteht aus Vorhängen vor den Fenstern und verleiht dem Ausstellungsraum eine wohnliche Atmosphäre. Die skulpturale Intervention wirkt wie eine häusliche Ergänzung, die in der Inszenierung des Raums als Bereich privater Aktivitäten scheinbar verschwindet; sie verleiht der Ausstellung einen gleichzeitig visuellen und narrativen Rahmen. Die Raffhalter aus Silikon, deren Form dem männlichen Geschlechtsteil nachempfunden ist, regen zu einer genderspezifischen Lesart der Arbeit an und werfen Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Gender und ästhetischer Produktion auf. Kayser arbeitet regelmäßig mit Silikon als Material, um eine skulpturale Darstellung von Haut zu erzeugen und um auf Vorstellungen vom Körper anzuspielen, indem sie dessen Formen als Signifikanten für gesellschaftliche und narrative Zusammenhänge nutzt.


Magdalena Kita

Magdalena Kita, From the series „Californication“ 4 towels from the series „Californication“ | © MMOMA

Die Arbeiten von Magdalena Kita (*1983, Debrica, Polen) bewegen sich entlang der Linien einer von Traditionen geprägten malerischen Praxis und entwickeln ihre verschlungenen Erzählungen in einer überschwänglichen Bildsprache. Kitas extravagante Arbeiten entstehen in unterschiedlichen materiellen Formen wie Tischdecken, Handtüchern oder Ikonen und verknüpfen die visuelle und materielle Grammatik einer weiblichen Semiotik. In ihrem  Arbeitsprozess manipuliert sie genüsslich die Bildsprachen der Weiblichkeit mit ihrem hochgradig affektiven und intuitiven Vokabular, um daraus Geschichten voller gesellschaftspolitischer Paradoxien zu entwickeln. Die eigene Praxis auf einem spezifisch weiblichen Terrain zu verorten bedeutet daher, in der Lage zu sein, Geschichten über unsichere Gelände zu erzählen.

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