Based on these new dependencies, we define five normal forms

Automated Subjects - Zbyněk Baladrán © Paula Gehrmann

Eine Fotografie Alexander Rodtschenkos von seiner Gestaltung eines Arbeiterklubs für die Weltausstellung 1925 dient als Gegenüber für die relationalen Skulpturen von Paula Gehrmann. Diese fungieren als Rahmen, Kulisse und Ausstellungsarchitektur. Innerhalb dieser variablen Strukturen findet ein mehrtägiger Workshop von Constanze Müller statt. Sie bringt Mitglieder des D21 Kunstraum Leipzig mit Moskauer*innen zusammen, die sich mit Fragen von Selbstorganisation auseinandersetzen. Im Workshop werden mögliche Konflikte diskutiert und mit verschiedenen Methoden des Zusammenarbeitens experimentiert. Anne Krönker verarbeitet Teile des Fußbodens des D21 Kunstraum zu skulpturalen Ordnungen. Diese werden, beeinflusst von den Assoziationen und Geschichten des Publikums, in einem Workshop verändert, wobei die Spuren sichtbar bleiben.

Adelita Husni Bey und Kirill Savchenkov beschäftigen sich mit partizipativen Methoden und Reformpädagogik: Husni-Beys Videoinstallation ist das Ergebnis eines Workshops, in der  Jugendliche sich vorstellen sollten, den Mars zu besiedeln. Auch Savchenkov setzt die Idee des Anderswo für seine Performances ein, als Übungsfeld für das Leben in einer unsicheren Gegenwart. Die Arbeit der Agency for Singular Investigations greift Ideen der historischen Avantgarde auf, die Grenzen zwischen Kunst und Leben neu zu definieren, wobei sie diese radikal neuinterpretieren. In einer Petition schlagen sie vor, die Russische Föderation als Kunstwerk zu deklarieren. Auch Zbyněk Baladrán und Katharina Zimmerhakl setzen sich in ihren Arbeiten mit den Utopien der frühen zwanziger Jahre auseinander. Sie appropriieren Texte von Bogdanov und seinen Zeitgenossen, um sie für ein zeitgenössisches Denken über das Kollektiv nutzbar zu machen.

Elsa Artmann & Samuel Duvoisin untersuchen durch tänzerische und malerische Übungen Systeme, mit denen wir alle vertraut sind: Mit „family scores“ laden sie das Publikum ein, kleine Handlungen auszuführen, die hinterfragen, was Familie sein könnte. Ilmira Bolotyan verfolgt dieses Thema in einer Reihe von Workshops weiter. Und schließlich lädt "Tarot for collective bodies" von Pavle Heidler, Elli Kuruş Marko Gutić Mižimakov, Silvia Marchig & Sonja Pregrad die Besucher*innen dazu ein, eine Tarot-Lesung für einen kollektiven Körper zu erhalten, dessen Teil sie selbst sind.

Künstler*innen:

Agency of Singular Investigations (RU); Elsa Artmann & Samuel Duvoisin (DE); Zbyněk Baladrán (CZ); Ilmira Bolotyan (RU); Paula Gehrmann (DE); Pavle Heidler (SE/HR), Marko Gutić Mižimakov (HR), Silvia Marchig (HR), Sonja Pregrad (HR) & Elli Kuruş (DE); Adelita Husni-Bey (IT); Anne Krönker (DE);  Kirill Savchenkov (RU); Katharina Zimmerhakl (DE/US) und Werke aus der Sammlung des MMOMA von: Andrey Brey (RU), Nicolay Kuprianov (RU), Vera Milyutina (RU), Gerta Nemenova (RU), Alexander Rodchenko (RU).

Kuratorin: Lena Brüggemann

Rahmenprogramm

Volatilität, Beschleunigung der globalen Entropie und das Verschwimmen von Grenzlinien sind in unserer komplexen Realität zu maßgeblichen Größen geworden, alternative Fakten gehören heute zum politischen Instrumentarium. Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage: wie wird es uns möglich, in Räumen zu agieren, die wir nicht einnehmen können, in denen wir nicht überlebensfähig zu sein glauben? Im Opern-Workshop von Kirill Savchenkov werden neue und hybride Arten von Beziehungen betrachtet, die zwischen Menschen und Objekten bestehen, zwischen Intellekt und Körper, zwischen Wissen und Daten, zwischen Politik und Technik – all dies im Zeitalter von digitalen Medien, globalem Bürgerkrieg und dem Verlust des Privaten.

The Elsewhere Logistics ist konzipiert für 6 Teilnehmer und 6 Mediatoren. Rhythmus ist darin eine wichtige Komponente, zwischen den Übungen liegen daher unterschiedliche Zeitintervalle.

Künstler und Mediatoren: Anna Tsedik, Alisa Smorodina, Aljona Shapovalova, Daria Pasichnik, Daria Getmanova, Daria Tokar
Katharina Zimmerhackl (geb. 1983, DE) arbeitet auf den sich überlagernden Gebieten von konzeptueller Kunst und Theorie. Ihr thematischer Fokus richtet sich auf visuelle und literarische Sprachen und auf die Produktion von Wissen, Kollektivität und kollektiver Arbeit, aber auch auf Geschichte und Überlegungen dazu, wie Geschichte – insbesondere aus einer feministischen Perspektive – geschrieben und gemacht wird. Katharina Zimmerhackls Arbeiten beruhen oft auf einer Wiederaneignung wissenschaftlicher oder künstlerischer Materialien, die zu Drehbüchern, Partituren oder Notationen als Systemen der „Übersetzung“ und Umstrukturierung des recherchierten Materials transformiert werden.

Die Performance „Collective Reading, Affective Reading“ ist eine Collage aus Texten von Alexander Bogdanow, Nikolaj Federov, Ursula K. Le Guin, Octavia E. Butler und anderen. Sie untersucht, wie eine kollektive, inszenierte Form der Lektüre einen neuen „kollektiven Körper“ durch das Potenzial eines anderen „kollektiven Wissens“ zum Leben erwecken kann, wie diese Kollektivität mit einem Raum verwoben werden kann, wie sich der fragile Zustand der Kollektivität aufrechterhalten lässt, wie er den Körper beeinflusst und in welcher Beziehung er zur Individualität und zum Individuum steht.

10., 11. JUNI
19:00 - 21:00
Anmeldung
Im Seminar von Ilmira Bolotyan soll der Begriff „Familie“ und die Art, wie er heute verstanden wird, mit Teilnehmern aus drei Generationen spielerisch diskutiert werden. Die Künstlerin unterstützt die Teilnehmer dabei, den Aufbau ihrer eigenen Familie unter Aspekten wirtschaftlicher und sozialer Beziehungen sowie Rollenverteilung zu analysieren und beschreibt verschiedene Familientypen der modernen Gesellschaft.

Bolotyan betrachtet die Familie als eine Form von Selbstmanagement: Ordnung schaffende Alltagstechniken sind hier ebenso Teil des Prozesses wie Mechanismen gegenseitiger Unterstützung, Hierarchien und deren Ausdruck zum Beispiel durch besondere, nur in der Familie verwendete Namen (naming). Im Seminar dürfen die Teilnehmer einen bewussteren und kritischen Blick auf die verborgenen Funktionsmechanismen ihrer eigenen Familie entwickeln und sich fernab von romantischen und utopischen Vorstellungen vielmehr praxisbezogenen Fragen des Familienlebens zuwenden – zum Beispiel der heiklen Frage nach der Wertigkeit von Hausarbeit.

Im Verlauf des Seminars erstellt jeder Teilnehmer sein eigenes Zine (von engl. „magazine“: ein mit einfachen Mitteln angefertigtes Heft). Darin dechiffriert er Begriffe, die für das Selbstmanagement der Familie von Bedeutung sind: ganz persönlich für sich und seine Familie – sei sie existent oder für die Zukunft geplant. Diejenigen Zines, die die Teilnehmer öffentlich zu zeigen bereit sind, werden Teil der Ausstellung.

Die drei Seminare richten sich an drei Teilnehmergenerationen: 10-14 Jahre (Seminar am 9. Juni), 25-45 Jahre (Seminar am 7. Juli) und 55 Jahre oder älter (Seminar am 25. August).
Für die Teilnahme an den Seminaren ist eine Anmeldung erforderlich. Sie dürfen einige Familienfotos mitbringen, die sie für ihr Zine verwenden möchten.

25. AUGUST
GRUPPE AB 55 JAHREN
„Tarot for Collective Bodies“ lädt Menschen ein, sich Tarotkarten für ein Kollektiv legen zu lassen, dem sie selbst angehören. Die Arbeit entstand (im Rahmen des Projekts „Intercity/Switchcity“, produziert von Pogon Zagreb, kuratiert von Kristina Semenova und Lea Vene) in einem zweijährigen Austausch zwischen Pavle Heidler, Marko Gutić Mižimakov, Silvia Marchig, Sonja Pregrad und Elli Kuruş – einem Tanzkollektiv aus Zagreb/Stockholm und einem Kunstkollektiv aus Leipzig. „Tarot for Collective Bodies“ verwendet ein Tarotkartenspiel, das im Lauf eines Jahres im Kontext von „It could be a community“ entstand.

„It could be a community“ diente als eine Art gemeinsamer Grundlage für die Praktiken von Kollektiven und ihr Interesse, Situationen zu schaffen, die unausgesprochene Machtverhältnisse untersuchen und mit ihnen spielen. Das Spiel, das in verschiedenen Städten weltweit gespielt wurde, ermöglichte eine Neuverteilung von Handlungsmacht und Performativität, indem es während des Spielens immer wieder neu erfunden wurde. Dabei fungierte das Tarotkartenspiel als eine Art Vermächtnis. Es wurde in jeder Sitzung von den jeweiligen Teilnehmer/innen verändert, indem jede Gruppe ihr Wissen über Kollektivität auf den Karten dokumentierte.
 
JEDEN SAMSTAG UM 17:00 Uhr UNTER ANMELDUNG
Anmeldung