Über Schag

„SchAG 5“ ist die neue, vom Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Kulturforum und Pro Helvetia herausgegebene Anthologie deutschsprachiger Theaterstücke aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in russischer Erstübersetzung. Ziel ist es, Regisseuren, Dramaturgen, Theaterpädagogen und andereт Theaterfachleuten im russischsprachigen Raum Zugang zu aktuellen Stücken des deutschsprachigen Theaters in anspruchsvollen Übersetzungen zu ermöglichen.

Der aktuelle fünfte Band versammelt insgesamt zehn Stücke, die in den vergangenen sieben Jahren entstanden sind und bereits auf deutschsprachigen Bühnen erfolgreich inszeniert wurden. Darunter finden sich Stücke bekannter Autoren wie Roland Schimmelpfennigs märchenhafte Parabel über Verteilungs(un)gerechtigkeit, „Das große Feuer“, Sibylle Bergs „Die Damen warten“, eine Reflexion voller Witz über den gesellschaftlichen Druck, dem Frauen im Alter über 50 Jahre ausgesetzt sind, oder Ferdinand von Schirachs viel diskutiertes Stück „Terror“, das die in Zeiten eines allgegenwärtig erwarteten Terrors hochaktuelle Frage aufwirft, wie weit man im Namen der Terrorprävention gehen darf. Zugleich bietet Schag 5 auch jungen Autor*innen ein Forum, etwa Katja Brunner mit ihrem differenzierten Stück über Kindesmissbrauch „von den beinen zu kurz“ oder Stefan Hornbach mit seinem berührenden Debutstück über einen krebskranken jungen Mann, „Über meine Leiche“. Alle ausgewählte Stücke zeichnet aus, dass sie aktuelle gesellschaftlich und politisch relevante Themen aufgreifen – so etwa die Attraktivität, den der IS auf junge Westeuropäer ausübt (Volker Schmidt, „Dschihad“), das ethische und juristische Dilemma illegaler Fluchthelfer, die Menschen aus unterschiedlichsten, meist humanitären Erwägungen unterstützen (Maxi Obexers Dokumentartheaterstück „Illegale Helfer“), die Kontinuität bzw. das Wiederaufleben von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland (Dirk Lauckes auf Augenzeugenberichten und Zeitungsnotizen aufbauendes Stück „Furcht und Ekel“) oder Lukas Holligers bissige Farce über das Zusammentreffen unterschiedlicher kultureller Milieus, „Monster zertrampeln Hochhäuser“. Ähnlich vielseitig ist Schag 5 in Hinsicht auf Theatergenres und -sprachen – die Bandbreite reicht vom Dokumentartheater zur Konversationskomödie. Zugleich sind alle Stücke charakterisiert durch einen höchst reflektierten Umgang mit theatereigenen Mitteln und Fragen der Repräsentation -- in Theresia Walters „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ wird sie zum eigentlichen Thema das Stücks, wenn drei Schauspieler über die Darstellbarkeit historischer Ereignisse und Figuren debattieren.

Schag 5 wurde möglich durch das Zusammenspiel und den Einsatz vieler Akteure. Unser Dank gilt zuallererst den Autorinnen und Autoren für ihre anregenden und facettenreichen Theaterstücke. Großer Dank geht auch an die Übersetzer für die umsichtige Übertragung der Stücke ins Russische, die Lektoren sowie an die Theaterfachleute, Jurymitglieder, die uns als Jurymitglieder bei der Auswahl der Stücke behilflich waren. Pro Helvetia und dem Österreichischen Kulturforum sei gedankt für die erneut produktive Zusammenarbeit. Und nicht unerwähnt bleiben sollen Nina Chlynowskaja und Lisa Gorskaja, die den neuen Schag-Band organisatorisch unermüdlich vorangebracht haben.

Möge Schag 5 eine Inspirationsquelle für viele Theaterliebhaber sein!

Astrid Wege, Leiterin Kulturprogramme Goethe-Institut Moskau