Lesung und Gespräch mit dem Autor
Hermann Simon „Untergetaucht. Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940-1945“
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2014 verlegte der bekannte S. Fischer-Verlag in Frankfurt am Main die Erinnerungen von Marie Jalowicz Simon (1922—1998). Die Berliner Jüdin gehörte zu den wenigen, die die nationalsozialistischen Verfolgungen überstanden haben.
Aufgewachsen in einer jüdischen Familie in Berlin, der Vater war Rechtsanwalt, tauchte sie am 22. Juni 1942 als Zwanzigjährige unter und überlebte mitten in der Stadt.
„Im Winter 1941/1942 legte sich die Bedrohung wie eine Schlinge um meinen Hals und zog sich immer weiter zu. Ich hatte Angst. Genauer gesagt: Die Angst hatte mich. Ich wollte mich retten, aber ich wusste nicht wie. Oft hatte ich den ganzen Tag nichts zu tun. Dann lief ich durch die Stadt und besuchte selbst entfernteste Bekannte, um möglichst viel zu erfahren. Ständig vernahm ich neue Hiobsbotschaften: Hier war jemand abgeholt worden, dort hatte ein anderer gerade seinen Deportationsbefehl bekommen.“
Über fünfzig Jahre danach erzählt sie erstmals ihrem Sohn ihre Geschichte. 77 Tonbänder entstehen – sie sind die Grundlage dieses Buches. Offen und schonungslos – sowohl mit sich selbst als auch mit denen, die ihr halfen – schildert Marie Jalowicz, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Berlin durchzuschlagen.
Sie braucht falsche Papiere und sichere Verstecke – und sie braucht Menschen, die ihr helfen. Vergeblich versucht sie, durch eine Scheinheirat mit einem Chinesen zu entkommen oder über Bulgarien nach Palästina zu fliehen. Sie findet Unterschlupf im Artistenmilieu und lebt mit einem holländischen Arbeiter zusammen. Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit.
Es ist ein authentischer Bericht einer jungen Frau, deren Lebenswille sich durch nichts brechen ließ.
Das Buch ist von der Kritik begeistert aufgenommen worden. Eine Rezensentin formulierte, dass die Odyssee von Marie Jalowicz „spannend wie ein Thriller“ sei.
Inzwischen liegen Übersetzungen in wichtigsten europäischen Sprachen vor. Es hätte Marie Jalowicz Simon mit Freude erfüllt zu erfahren, dass es endlich auch eine Ausgabe in russischer Sprache gibt, ist sie doch von Soldaten der Roten Armee in ihrem letzten Versteck im Südosten Berlins befreit worden.
Nach der Befreiung 1945 blieb sie in Berlin und wurde Professorin für Antike Literatur- und Kulturgeschichte an der Humboldt-Universität.
Ihr Sohn Hermann Simon, langjähriger Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, bat sie kurz vor ihrem Tod, die Geschichte ihres Überlebens auf Band zu sprechen. Auf dieser Grundlage hat die Autorin Irene Stratenwerth zusammen mit Hermann Simon die veröffentlichte Fassung erstellt.
Marie Jalowicz Simons Roman „Untergetaucht. Eine junge Frau überlebt in Berlin 1940-1945“ wurde von N.N. Fedorova ins Russische übersetzt und erschien 2018 im Moskauer Verlag ACT: CORPUS.
Details
Jüdisches Museum und Zentrum für Toleranz in Moskau
Ul. Obraztsova 11, Gebäude 1a
Eingang Novosushchevskiy Pereulok
Metro: Mendeleevskaja
127055 Moskau
Sprache: Russisch und Deutsch
Preis: Eintritt frei
+7 495 9362457 iwan.uspenskij@goethe.de