Deutsch im Fachunterricht

Deutsch im Fachunterricht © Colourbox

CLIL (Content and Language Integrated Learning) gewinnt innerhalb des Fremdsprachenlernens weltweit enorm an Bedeutung. Viele Schulen in Mittel- und Westeuropa greifen die Impulse, die von dieser Art des Lernens einer Fremdsprache ausgehen, auf und führen CLIL-Unterricht ein.

Drei Argumente sind hierbei entscheidend: zum ersten das empirisch-experimentelle Vorgehen in vielen Fachfächern, insbesondere den naturwissenschaftlichen, das beim Fremdsprachenerwerb einen hohen Stellenwert hat und zu analogen Lernmethoden führt; zum zweiten das Lernen einer anderen Sprache in einem authentischen Kontext mit sofort anwendbaren Inhalten und zum dritten die Möglichkeit, sprachliches Handeln an konkreten und beschreibbaren Dingen und Prozessen festzumachen.

Darüber hinaus erhöht CLIL nicht nur die Erfolgsaussichten beim Fremdsprachenlernen, sondern entwickelt generell die kommunikative Diskurs-Fertigkeit der Lernenden. Diese stellt eine der wesentlichen Qualifikationen für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben wie für eine angestrebte Karriere dar.

Die Einführung von CLIL-Unterricht bedarf zunächst keines neuen Curriculums. Kleine Projekt-Module im Rahmen des Fachunterrichts eignen sich als Einstieg.

Die zehn Thesen zum Thema CLIL unterstreichen dies.

  1. Bilingualer Fachunterricht stellt ein neues Schulfach dar, weil (vorhandene) Elemente miteinander kombiniert werden und sich damit eine neue Art der Vermittlung und Erkundung von Wissen und Fertigkeiten bildet.
  2. Bilingualer Fachunterricht erzwingt auf Grund seiner komplexen Anforderungen geradezu exemplarisch die neuen methdodisch-didaktischen Zugänge, wie Handlungs-Orientierung, Lerner-Zentrierung und Lerner-Autonomie.
  3. Im bilingualen Fachunterricht findet fachliches Lernen in der Sprache und mit der Sprache in einem Zustand statt. Somit entsteht ein Zyklus von „Sprache aufnehmen, beobachten, erproben, anwenden, generieren und Bewusstheit erzeugen“, der sich permanent – im kleinen wie im großen Maßstab – wiederholt.
  4. Der herkömmliche Fremdsprachenunterricht führt im Allgemeinen zu alltagssprachlichen Fertigkeiten (basic interpersonal communication skills BICS), während bilingualer Fachunterricht zu einer Sprachfähigkeit führt, mit der komplexe Denkprozesse versprachlicht werden können (cognitive academic language proficiency CALP). Zudem wird die auf Inhalte bezogene Diskursfähigkeit entwickelt. Damit zielt bilinguales Lernen auf Schlüsselkompetenzen.
  5. Für die zweisprachig unterrichteten Fächer werden nicht zwei Arten von Lernzielen definiert. Der Fachunterricht ist übergeordnet und steuert die Lernziele.
  6. Die naturwissenschaftlichen Fächer Mathematik, Informatik und Technik eignen sich für bilingualen Unterricht in besonderer Weise, da sich das empirisch-experimentelle Vorgehen im Sachfach auf analoge Lernmethoden im Sprachfach überträgt. Darüber hinaus wird die Fremdsprache in einem authentischen Kontext mit sofort anwendbaren Inhalten gelernt und das sprachliche Handeln kann in hohem Maße an konkreten und beschreibbaren Dingen und Prozessen festgemacht werden.
  7. Bilingualer Fachunterricht erfordert kooperative Formen der Zusammenarbeit. Er ist daher besonders für Projektarbeit prädestiniert.
  8. Bilinguales Lernen ist nicht auf institutionalisierte Formen begrenzt, sondern auch außerunterrichtlich möglich, zum Beispiel in fächerübergreifenden Projekten.
  9. Bilinguales Lernen kann in unterschiedlichsten Ausprägungsstufen „passieren“: angefangen von kleinen themenbasierten, mehrwöchigen Projektmodulen in einem Fach über lernzielorientierte, halb- oder einjährige Themenzyklen übergreifenden Charakters bis hin zur Aufnahme in Lehrpläne und damit der permanenten Integration in die Ausbildung.
  10. Bilinguales Lernen kann bereits im Kindergarten beziehungsweise in der Vorschule beginnen, zunächst in spielerischen Formen, sich im Primarbereich fortsetzen und dann unter Nutzung aller Entwicklungspotentiale im Sekundarbereich zur vollen Ausprägung und Reife gelangen.
7-Stufen-Programm:
  1. Beratung bei der Erstellung eines Antrages an die Schulleitung auf der Grundlage eines Musterbriefes
  2. Beratung in der konzeptionellen Phase der Entwicklung des Projektmoduls mit bis zu maximal 24 Unterrichtsstunden bis zur finalen Version
  3. Abschluss eines Vertrages zwischen dem Goethe-Institut und der Schule mit allen Rechten und Pflichten
  4. Beratung und Betreuung der beteiligten Lehrenden bei der Erarbeitung der Unterrichtsstunden durch einen CLIL-Experten
  5. Betreuung der Implementierung und Durchführung des Unterrichts
  6. Fortbildung der beteiligten Deutsch- und Fachlehrenden sowohl in Nowosibirsk als auch in Deutschland durch CLIL-Experten
  7. Finanzierung des Deutschlehrenden für die Vorbereitung und den gemeinsamen Einsatz mit dem Fachlehrenden in den bilingualen Unterrichtsstunden für das erste Jahr des Projekts (maximal 8.500 Rubel pro Semester und Lehrenden, danach Übernahme durch die Schule)