Ausstellung Artúr van Balen „Metamorphose“ / 12+

Foto: Moscow, 1934 Artistic Decoration on the 17th Celebration of the October Revolution © Courtesy Archive of Artúr van Balen © Courtesy Archive of Artúr van Balen

Mi, 25.10.2017 -
Do, 30.11.2017

Zentrum für kreative Industrien „Fabrika“

Perevedenowskij Pereulok 18
Moskau

Im Rahmen des Parallelprogramms der 7. Moskauer Internationalen Biennale der Zeitgenössischen Kunst

Eröffnung: 25.10.2017, 19:00 Uhr
 
Künstler: Artúr van Balen
Kuratorin: Veronika Komarova
Autoren: Ilya Budraitskis, Artúr van Balen, Veronika Komarova

 
Gesellschaftliche und politische Transformationen sind im Lauf der Geschichte immer wieder mit dem Begriff der Metamorphose beschrieben worden. Im ausgehenden zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts scheinen konservative politische Ideologien und Strömungen die Gesellschaften vieler Länder jedoch in einen starren „Kokon“ eingesponnen zu haben. Wie das nächste Entwicklungsstadium aussehen wird, ist ungewiss.
 
Eine Metamorphose im buchstäblichen Sinn durchlaufen aufblasbare Skulpturen: Anfangs noch zerknitterte, leblose Objekte, verwandeln sie sich, einmal mit Luft gefüllt, in magische, fliegende Geschöpfe. In den 1930er Jahren dienten aufblasbare Skulpturen als Attraktion bei Massenveranstaltungen – zunächst in den Vereinigten Staaten, später dann auch in der UdSSR. So sollten Micky Maus und Dumbo bei der Macy’s Thanksgiving Day Parade in New York mit ihren fröhlichen Mienen das Weihnachtsgeschäft ankurbeln, während in der Sowjetunion aufblasbare Bohrer und fliegende Stalinporträts bei den Mai-Demonstrationen und den Paraden zum Jahrestag der Oktoberrevolution für patriotische Gefühle sorgten und die Arbeiterklasse begeisterten. Auf beiden Seiten bediente man sich dieser scheinbar harmlosen Instrumente, um die Bevölkerung in eine Traumwelt zu versetzen, sie für einen Augenblick ihre alltäglichen Probleme vergessen zu lassen und ihnen vorzugaukeln, der Kapitalismus bzw. der Sozialismus werde sie in eine lichte Zukunft führen.
 
Die von Artúr van Balen 2012 gegründete Künstlergruppe „Tools for Action“ wiederum zeigt ganz andere Verwendungen für aufblasbare Skulpturen bei Massendemonstrationen auf. Ob ein 12 Meter langer Silberhammer (Cancún, 2012), eine Riesensäge auf dem Bolotnaja-Platz (Moskau, 2013) oder Barrikaden aus Dutzenden mit Luft gefüllten Pflastersteinen (Dortmund, 2016) – all diese gemeinschaftlich hergestellten „sozialen Skulpturen“ sind symbolische Schlüssel zum Verständnis aktueller gesellschaftlicher Probleme. Mit ihrem plötzlichen Auftauchen konterkarieren sie den geplanten Verlauf von Demonstrationen, verändern Rollen und Beziehungen zwischen den beteiligten Personen und erzeugen ein „Schauspiel“ der ganz anderen Art.
 
Die Ausstellung „Metamorphosis“ eröffnet am 25. Oktober CCI FABRIKA als Teil des Parallelprogramms zur 7. Moskauer Biennale zeitgenössischer Kunst. Sie zeigt eine Dokumentation sämtlicher Straßenperformances and -interventionen von „Tools for Action“, die in Berlin, Budapest, Paris, Dortmund, Mexiko-Stadt, New York und anderen Städten die in Kooperation mit den dortigen Verwaltungen durchgeführt wurden. Ebenfalls zu sehen ist Artúr van Balens historische Recherche über die Verwendung von aufblasbaren Figuren bei Paraden und Massenveranstaltungen in den 1930er Jahren. Zentrales Ausstellungsstück ist eine 15 Meter lange aufblasbare Raupe, angelehnt an jene antifaschistische Skulptur, die bei der Revolutionsparade 1934 über dem Roten Platz schwebte. Am 28. Oktober wird die Raupe an einem öffentlichen Ort in die Freiheit entlassen.
 
Die Ausstellung wird begleitet von einer Reihe von Interviews und wissenschaftlichen Beiträgen, in denen die Organisatoren des Projekts versuchen, künftige „Metamorphosen“ unserer heutigen Gesellschaft zu skizzieren und die Entwicklung aufblasbarer Skulpturen von einem Werbe-, Propaganda- und Manipulationsinstrument zu einem Werkzeug des DIY-Aktivismus nachzuverfolgen.
 
Wir laden alle ein, am 28. Oktober am Video-Shooting der künstlerischen Prozession mit der aufblasbaren Raupe teilzunehmen.
Treffpunkt: Haupteingang Tretjakow-Galerie im Skulpturenpark

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