Vortrag und Diskussion Mehr Kritik bitte! / 16+

Armin Nassehi © Hans-Günther Kaufmann

Fr, 25.11.2016

Hochschule für Wirtschaft (HSE) | St. Petersburg

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Vortrag von Armin Nassehi im Rahmen der Vortragsreihe "Kritikmaschine: 50 Jahre Kursbuch"

vysshaya-shkola-ekonomiki.timepad.ru
 
Kritiküberschuss prägt moderne Gesellschaften spätestens seit dem Buchdruck, vor allem aber nach der medialen Revolution, der Erfindung der Zeitung, des Fernsehens und der nachfolgenden elektronischen Medien. Fast nichts bleibt unwidersprochen, fast nichts ist vor Kritik sicher, nicht einmal die Kritik selbst. Kritik ist dabei diejenige Instanz, die das Bestehende mit anderen Versionen und Möglichkeiten versorgt.

Die hohe Zeit der Kritik war diejenige, in der Gesellschaften sich in liberalen Öffentlichkeiten über bessere oder wenigstens alternative Versionen des Bestehenden vergewissert haben. Derzeit scheint man sich darüber einig zu sein, dass Kritik zahnlos geworden sei, schon weil schlicht alles thematisierbar geworden ist und liberale Öffentlichkeiten kaum mehr ein Publikum finden. Das ist Anlass genug, über neue Formen und Ziele von Kritik nachzudenken, die für gegenwärtige Gesellschaften angemessen sind. Denn auch heutige Gesellschaften sind darauf angewiesen, mit anderen Versionen und Möglichkeiten konfrontiert zu werden. Exakt das übrigens ist das Geschäft des Kursbuchs, der 1965 von Hans Magnus Enzensberger gegründeten Kulturzeitschrift, die sich heute auf neue Kritikkonstellationen einstellen muss.

Armin Nassehi ist seit 2012 Herausgeber der Zeitschrift Kursbuch. Seit 2014 ist er Direktor des Instituts für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er seit 1998 den Lehrstuhl für Soziologie innehat. Zu seinen jüngsten Werken zählen "Die letzte Stunde der Wahrheit" (2015) und "Gesellschaft der Gegenwarten: Studien zur Theorie der modernen Gesellschaft II" (2011).
 

Unter dem Titel "Kritikmaschine" veranstalten das Goethe-Institut und die Zeitschrift "Kursbuch"eine globale Debattenreihe zu aktuellen gesellschaftlichen Themen. Anlass ist das 50-jährige Bestehen der von Hans Magnus Enzensberger gegründeten wichtigsten intellektuellen Plattform. Unter anderen sprach die Journalistin Meredith Haaf über den neuen Feminismus, der Architekt Friedrich von Borries über politisches Design. Der Kursbuch-Herausgeber Armin Nassehi berichtet über Gesellschaftskritik und der Autor Wolfgang Bauer über syrische Flüchtlinge. Intellektuelle aus dem jeweiligen Gastland antworten auf den Vortrag. Die Veranstaltungsreihe will unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen, sie will nach neuen Antworten suchen – und nach neuen Fragen.

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