Boris Nikitin: "How to win friends & influence people"

Boris Nikitin "How to win friends & influence people" © Foto: Boris Nikitin

Fr, 28.07.2017

Neue Bühne des Alexandrinski-Theaters

Nab. Reki Fontanki 49A
St. Petersburg

Theateraufführung im Rahmen des Programms "Vom Möglichkeitssinn" im Festival "Punkt der Erreichbarkeit"

Am Anfang aller Revolutionen und Bürgerrechtsbewegungen steht die Verneinung der gegebenen Wirklichkeit. Es ist ein "Nein" gegenüber den bestehenden Fiktionen und Konstruktionen, die "Verhältnisse" oder "Realität" genannt werden. "How to win friends & influence people" folgt der Frage nach dem emanzipatorischen Denken – und der damit verbundenen Idee der Selbstermächtigung – anhand des Beispiels des zweifelnden Apostels Thomas aus dem Neuen Testament, einer der großen Glaubensfragen: Hat Thomas die Wunde von Jesus Christus tatsächlich berührt und somit die Auferstehung bewiesen, wie es berühmte Gemälde, wie jenes von Caravaggio behaupten? Im Neuen Testament findet sich davon nichts, statt des Beweises findet sich eine Lücke.

"How to win friends" folgt der These, dass Thomas die Wunde nicht berührt hat. Er verweigert sich der Versicherung, er wählt nicht den einfachen Weg, er sagt: Nein! Dieses Nein ist ein umfassender Abschied des Bisherigen: "Ein Loslassen des Lebens, das ich bis zu diesem Punkt, an dem ich hier und jetzt stehe, geführt habe inklusive all meiner Vorstellung  von Zukunft. Wir haben doch auch dieses Gefühl, das wir etwas grundsätzlich ändern müssen, in unserem Leben. Ich glaube, es gibt in vielen von uns eine Sehnsucht nach radikalen Entscheidungen. Vielleicht müssen auch wir dafür unser System aufs Spiel setzen und diesen Sprung ins Ungewisse wagen. Vielleicht müssen wir uns selbst aufs Spiel setzen."

Der schillernde Monolog "How to win friends & influence people" bedient sich der Form der charismatischen Rede, also der Rede die überzeugen will. Wie in allen Arbeiten von Boris Nikitin, längst einem der wichtigsten Schweizer Regisseure seiner Generation, geht es dabei auch um das Theater selbst. Die Frage nach dem Glauben wird überblendet mit der Frage nach dem Schauspieler: Überzeugt er? Ist er glaubhaft? Ist er zur Revolution fähig?

Regisseur Boris Nikitin 
Dramaturg Kris Merken 
Performer Malte Scholz

 

Totschka Dostupa Goethe © Foto: Goethe-Institut

Die Theateraufführung ist Teil des vom Festival "Punkt der Erreichbarkeit" und vom Goethe-Institut St. Petersburg gemeinsam organisierten Programms "Vom Möglichkeitssinn. Zum 100. Jahrestag der Revolution". Kurator des Programms ist Florian Malzacher (Deutschland). Das Sommerfestival der Künste "Punkt der Erreichbarkeit" findet vom 20. Juli bis einschließlich 6. August 2017 in St. Petersburg statt. Auf dem Festival werden Theater- sowie interdisziplinäre Projekte kontextbezogen und in jeweils angemessenem Raum aufgeführt.

 

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