Goethe-Medaille

Irina Scherbakowa © Körber-Stiftung

IRINA SCHERBAKOWA ERHÄLT
DIE GOETHE-MEDAILLE

Die Goethe-Medaille 2017 geht an die russische Bürgerrechtlerin Irina Scherbakowa, an die indische Verlegerin Urvashi Butalia und an die libanesische Schriftstellerin Emily Nasrallah. Das Goethe-Institut verleiht das offizielle Ehrenzeichen der Bundesrepublik Deutschland jährlich an Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den internationalen Kulturaustausch verdient gemacht haben.

Die Verleihung der Goethe-Medaille 2017 steht unter dem Motto „Sprache ist der Schlüssel“. Mit den Preisträgerinnen drei Persönlichkeiten geehrt, die mutig Stellung beziehen zu Tabuthemen in ihren Gesellschaften – von Gewalt gegen Frauen bis zur Erinnerungspolitik. Urvashi Butalia engagiert sich seit über vierzig Jahren dafür, marginalisierten Gesellschaftsgruppen in Indien – insbesondere Frauen – eine Stimme zu geben. Emily Nasrallah gehört zu den bekanntesten Schriftstellerinnen der arabischen Welt. Und Irina Scherbakowa setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, über die Repressionspolitik der ehemaligen Sowjetunion aufzuklären. Sie war 1988 Gründungsmitglied der ersten sowjetischen Nichtregierungsorganisation „Memorial", die bis heute für den Schutz der Menschenrechte in Russland kämpft und dort seit 2016 auf der Liste der „ausländischen Agenten“ steht. Als gefragte Gesprächspartnerin zu den deutsch-russischen Beziehungen wirkt sie maßgeblich mit an der Verständigung zwischen beiden Ländern.
 
Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, übergibt die Auszeichnung am 28. August im Residenzschloss Weimar. Die Laudationes halten die ehemalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler, die Journalistin Emily Dische-Becker und die Soziologin Christa Wichterich.

Zur Preisträgerin Irina Scherbakowa

Die Historikerin Irina Scherbakowa, geboren 1949 in Moskau, ist Publizistin und Übersetzerin. Ende der 1970er-Jahre begann sie, Tonbandinterviews mit Opfern des Stalinismus zu sammeln, seit 1991 forscht sie in den Archiven des KGB. Irina Scherbakowa ist Gründungsmitglied von „Memorial", 1988 die erste unabhängige, zivilgesellschaftliche Organisation der Sowjetunion. Mit „Memorial" setzt sie sich für die Aufklärung der sowjetischen Repression und den Schutz der Menschenrechte im heutigen Russland ein. Irina Scherbakowa ist Leiterin der Jugend- und Bildungsprogramme, koordiniert Oral History-Projekte sowie den alljährlichen, landesweiten Schülerwettbewerb „Der Mensch in der Geschichte. Russland im 20. Jahrhundert“. Im September 2016 wurde „Memorial" durch das russische Justizministerium auf die Liste für „ausländische Agenten“ gesetzt. Als Autorin und Herausgeberin hat Irina Scherbakowa zahlreiche Bücher zu den Themen Stalinismus und Erinnerungskultur veröffentlicht, viele davon sind in deutscher Sprache erschienen. Große Beachtung fand zuletzt das gemeinsam mit dem deutschen Osteuropa-Historiker Karl Schlögel verfasste Dialogbuch „Der Russland-Reflex. Einsichten in eine Beziehungskrise“ (2015).
 
Die Laudationes auf die Preisträger der Goethe-Medaille 2017 halten Marianne Birthler (Irina Scherbakowa), ehemalige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, die Journalistin Emily Dische-Becker (Emily Nasrallah) und die Soziologin Christa Wichterich (Urvashi Butalia). Gemeinsam mit dem Kunstfest Weimar veranstaltet das Goethe-Institut am Tag vor der Verleihung eine Matinee mit den drei Preisträgerinnen: Am Sonntag, 27. August 2017, sprechen Urvashi Butalia, Emily Nasrallah und Irina Scherbakowa mit der Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun, Vizepräsidentin des Goethe-Instituts. Im Rahmen des Kunstfests Weimar diskutieren am Abend des 27. August 2017 Irina Scherbakowa und der Osteuropa-Experte Karl Schlögel über die deutsch-russischen Beziehungen.
 
Die Verleihung der Goethe-Medaille 2017 wird in enger Partnerschaft mit der Klassik Stiftung Weimar und der Stadt Weimar veranstaltet. Das Gespräch mit den drei Preisträgerinnen ist eine Kooperation mit dem Kunstfest Weimar. Der Diskussionsabend mit Irina Scherbakowa und Karl Schlögel ist ebenfalls eine Kooperation mit dem Kunstfest Weimar und wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.