„Erinnerungsbrücke“

Memorial Lager Sandbostel 1 © Walerij Sarownjannych

Die Erinnerungsbrücke ist ein zweijähriges Projekt, das sich mit dem Schicksal von sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern auseinandersetzt. Auf der Basis von öffentlichen und familiären Dokumenten wurden eine Ausstellung und ein Webarchiv entwickelt, die die Lebenswege von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern am Beispiel des Permer Gebiets und Niedersachsens nachzeichnen. Das digitale Archiv ist jetzt verfügbar, und die Ausstellung „Rückkehr nach Hause“ eröffnete am 7. Mai 2019 in Perm.

Für junge Deutsche ebenso wie für russische Jugendliche haben die Begriffe „Kriegsgefangene“ und „Zwangsarbeiter“ rein historischen Charakter; sie verbinden sie nicht mehr mit konkreten Menschen und Schicksalen. In Russland ist seit einigen Jahren jedoch ein wachsendes Interesse an der Beschäftigung mit Familiengeschichten von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern zu beobachten. Es gibt allerdings kaum offizielle Initiativen, die zur Aufarbeitung dieses schwierigen Kapitels der gemeinsamen Geschichte Deutschlands und Russlands beitragen. Bis heute fand die Auseinandersetzung mit dem Schicksal von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern insgesamt wenig Beachtung – die „Erinnerungsbrücke“ möchte dies ändern.

Als öffentlicher Auftakt des Projekts eröffnete am 7. Mai die Ausstellung „Rückkehr nach Hause“, die anschließend in mehreren russischen Städten gezeigt wird. Sie ist den Familien sowjetischer Kriegsgefangener aus dem Gebiet Molotowskaja gewidmet, die in niedersächsischen Lagern zu Tode kamen.

Die Ausstellung zeigt Fotografien aus Familienalben, Museen und Kriegsgefangenenlagern sowie Archivdokumente und gibt Einblick in die Erinnerungen von Überlebenden. Sie unternimmt den Versuch, das Schicksal der aus dem Leben gerissenen Soldaten mit ihren Familiengeschichten und den Orten, an denen sie vor dem Krieg lebten, in Verbindung zu bringen. Die Ausstellung zeigt auch, dass sich Familienangehörige trotz der vielen Jahre, die inzwischen vergangen sind, an ihre Vorfahren erinnern: Heute sind es bereits die Enkel und Urenkel, die die Fotografien jener hüten, die sie nie gesehen haben. Und sie erinnern sich der Familiengeschichten derer, die nie zurückgekehrt sind. Viele Familien wussten nichts über das Schicksal ihrer Söhne, Väter, Brüder oder Ehemänner, da sie bis heute schlicht als „verschollen“ galten.