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Power in Constraints - Premiere von zwei ruandischen Kurzfilmen

Auch der sintflutartige Regen, der den ganzen Tag das Leben in Kigali lahmlegte, konnte die Filminteressierten der Stadt an diesem Abend nicht daran hindern, sich im Goethe-Institut zu versammeln. Schon eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn war kein einziger Platz mehr frei, die dazugestellten Stühle sofort besetzt. Stehend, in den Eingang gedrängt, sogar von draußen durch die Fensterscheiben blickend wurde gespannt auf die Premiere von zwei ruandischen Kurzfilmen gewartet.

Von Ingo Eisenbeiß

​Im Rahmen desWorkshops „Power in Constraints“ hatten die beiden preisgekrönten Regisseure Samuel Ishimwe und Philbert-Aimé Mbabazi als Mentoren acht aufstrebende junge, ruandische Filmemacher*innen zwei Wochen lang theoretisch und praktisch begleitet. „Die Idee war es zu zeigen, wie man mit kleinsten Mitteln gute Filme machen kann“, erklärt Ishimwe kurz vor der Vorführung des ersten Films.

In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, der Swiss Cooperation sowie der Rwanda Arts Initiative sollte damit jungen Talenten die Möglichkeit gegeben werden, selbst zu produzieren: „Wir wissen, dass dort draußen großartige Geschichten sind, die erzählt werden wollen und freuen uns sehr darauf, diese gleich zu sehen“, so die Direktorin des Goethe-Instituts Katharina Hey. Die Swiss Cooperation unterstrich die große Bedeutung von kultureller Produktion für ihren Auftrag in der Entwicklungszusammenarbeit.

Zu den größten Herausforderungen für die beiden Produktionsteams der Filme, die ihnen gleichzeitig ihre besondere Aura verleihen, gehörten neben den finanziellen Mitteln vor allem die Zeit und die Besetzung: Sowohl Fish Bowl von Ngabo Wa Ganza und Breaking Ground von Ines Girihirwe wurden an nur einem Tag aufgenommen und in vier Tagen, einschließlich dem der Vorführung, geschnitten und untertitelt. Zudem arbeiteten sie lediglich mit Laienschauspielern. Durch teils rohe und ungeschliffene Eindrücke besaßen die beiden Werke gleichzeitig äußerst ausdrucksstarke Momente.

In Ines Girihirwes Kurzfilm Breaking Ground  wurde der innere Konflikt der Protagonistin, die häusliche Gewalt erleidet, beispielsweise filmisch stark durch eine Parallelmontage inszeniert: Die überkochende Milch auf dem Herd bei ihrem Blick auf den ignoranten Mann zeigt ihre Wut. Doch anstatt es sich einfach zu machen und die Wut ausbrechen zu lassen wird die Szene gebrochen – der Mann schaltet den Herd aus.

Auch in Ngabo Wa Ganzas Film Fish Bowl war der Erzählanlass ein tragischer: der Zuschauer verfolgt den Protagonisten inmitten der Trauergesellschaft für seine verstorbene Mutter. Man beobachtet, wie er sich in einer Situation der widerstrebenden Gefühle wiederfindet: Auf der einen Seite die Traurigkeit und auf der anderen die aufkommende Liebe zu einer Freundin. Besonders eindrucksvoll ist hier eine lange Szene, in der sich Protagonist und Freundin langsam näherkommen und schließlich küssen – doch auch hier macht es sich der Filmmacher nicht einfach. Anstatt roter Rosen klopft es an der Tür und Verlegenheit breitet sich aus.

In kürzester Zeit und aus minimalen Mitteln entstanden, zeigen die beiden Kurzfilme (erneut), welch großes Potential in der jungen ruandischen Filmszene steckt. Man kann sich somit gerne den Worten von Philbert-Aimé Mbabazi anschließen:  „Wir hoffen sehr, dass sich daraus etwas weiterentwickelt und wir in den kommenden Jahren mehr und mehr Stimmen aus Ruanda hören werden.“

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