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KigaliLit - Keturah Kendrick

Keturah Kendrick liest aus ihrem Buch
Keturah Kendrick liest aus ihrem Buch | Emmanuel Rurangwa

Zustimmendes Murmeln war das Begleitgeräusch dieser zehnten Edition von KigaliLit, der regelmäßigen Lese- und Diskussionsreihe des Goethe-Instituts Kigali und Huza Press. In Zusammenarbeit dem Sistah Circle Collective wurde ein Abend um die US-Amerikanische Autorin Keturah Kendrick veranstaltet. Sie wurde eingeladen aus ihrem Buch “No Thanks. Black, Female, and Living in the Martyr-Free Zone" zu lesen. Mit der Moderatorin des Abends, Marianne Mesfin Asfaw aus dem Sistah Circle Collective, sprach sie über ihre Lebensentscheidungen sich nicht zu verheiraten, keine Kinder zu bekommen und für ihr eigenes Glück verantwortlich zu sein. Als das Gespräch darauf kam, ob sie etwas bereue, sagte sie: "Die einzige Sache die ich bereue, ist so verdammt viel Zeit damit verschwendet zu haben, darauf zu warten, irgendwann etwas zu bereuen!"

Von Ingo Eisenbeiß

Keturah Kendrick wuchs in New Orleans, Louisiana, in einem sehr konservativen Umfeld auf, in dem es für Frauen nicht vorgesehen ist, ihre eigenen Lebensentscheidungen zu treffen. Laut ihr gibt es in Louisiana "eine sehr strenge Verpflichtung zur Verwestlichung des Christentums - das heißt, die Frauen sollen kontrolliert und davon überzeugt werden, dass es ihre Bestimmung ist eine gute Ehefrau und Mutter zu werden."

Dass dieser bereits vorgezeichnete Lebenslauf nicht der ihre sein würde, erkannte sie früh: "Ich erinnere mich, dass ich in der sechsten Klasse ein Gespräch hatte, als ich auf einem Spielplatz war. Meine Freunde sprachen darüber, wie sie ihre Kinder nennen wollen und planten ihre Hochzeiten. Und ich verstand nicht, warum wir überhaupt darüber redeten."  Da war für sie bereits klar, dass sie, um glücklich zu werden, ihren eigenen Weg gehen musste.

Statt also den einfachen Weg zu gehen, entschied sie sich, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, auch wenn das eine Herausforderung sein würde. "Die Botschaft, dass der einzige Weg zur Frömmigkeit darin besteht, jemandes Mutter und jemandes Frau zu sein", sagt sie, "war für mich sehr klar - und sehr erstickend." Aufgrund ihrer Entscheidung, keine Kinder zu bekommen und nicht zu heiraten, wurde sie ständig daran erinnert, dass "etwas mit ihr nicht stimmt". Sie beschreibt dies damit, sich wie ein "Einhorn" zu fühlen, als jemand, der nicht in die vorgefertigten Schubladen der Gesellschaft passt.

Keturah Kendrick & Marianne Mesfin Asfaw | (c) Emmanuel Rurangwa Keturah Kendrick & Marianne Mesfin Asfaw | (c) Emmanuel Rurangwa

Als Marianne Mesfin Asfaw nach der Lesung die Fragerunde eröffnete, wurde klar, dass Ms. Kendrick nicht die einzige war, die sich wie ein "Einhorn" fühlte. Nach einer kurzen Schüchternheit schnellten überall im Raum Hände in die Luft, alle waren begierig darauf, der Autorin Fragen zu stellen. Diese nahm sich viel Zeit, um alle zu beantworten und machte einen Punkt sehr deutlich: "Viele von euch werden sich oft wie Freaks fühlen. Aber man muss sich an dieses Gefühl gewöhnen, denn wenn man sich anpasst, wird man vielleicht am Ende mehr akzeptiert, aber etwas fühlt sich nicht richtig an."

Als die Autorin in jüngeren Jahren selbst mit ihrer Situation kämpfte, war der Musiker Prince einer ihrer größten Einflüsse. Was sie beeindruckte, war, dass er "mit seiner Androgynität als Schwarzer in den 80er Jahren in Amerika" einfach er selbst sein konnte. Von Prince lernte sie, sich wirklich auf das einzulassen, was man tun will und darauf zu beharren, "wer man wirklich ist". Außerdem stellte sie fest: "Wenn Prince nicht gestorben wäre, wäre dieses Buch nicht geschrieben worden".

Das Buch kann somit als logische Folge ihrer Wahl zu leben angesehen werden. Die Autorin wurde ihr ganzes Leben lang mit unterschiedlichen Reaktionen auf ihre Lebensentscheidungen konfrontiert. Einige machten sie "wütend", aber einige machten sie auch "dankbar". Eines Tages erreichte sie den Punkt, an dem sie sich selbst sagte: "Das wird ein Buch! Ich habe etwas zu sagen!"

Indem sie ihre Erfahrungen bei Veranstaltungen wie dieser Ausgabe von KigaliLit mit anderen teilt, kann sie nun eine Inspiration für andere sein. Ein Aspekt war der Autorin jedoch besonders wichtig: "Nirgendwo in diesem Buch werdet ihr jemals das Gefühl haben, dass ich versuche, euch davon zu überzeugen, mein Leben zu leben. Denn das will ich nicht. Ich sage es den Frauen bei meinen Lesungen: Wenn ihr mein Buch lesen und euren Mann heiraten und sechs seiner Kinder haben wollt, bitte ich euch nur darum, mich zu der Hochzeit einzuladen - wenn es Getränke aufs Haus gibt werde ich auf jeden Fall pünktlich sein." Das anerkennende Murmeln wandelte sich in Lachen und, als sie jedem im Raum einen Rat gab, in lang anhaltenden Applaus:  "Wähle dich selbst und deine eigene Geschichte. Und steh' zu deiner Wahl, ohne zu blinzeln, ohne mit der Wimper zu zucken. Denn am Ende des Tages wird dir niemand helfen, wenn du eine deiner Entscheidungen bereust, außer dir selbst!"

KigaliLit 20.02.2020 | (c) Emmanuel Rurangwa KigaliLit 20.02.2020 | (c) Emmanuel Rurangwa


 

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