Interview-Serie:
Leidenschaft für Tanz

Wesley Ruzibiza
Antonia Kambouris

Wir haben Wesley Ruzibiza getroffen, der eine Leidenschaft für Tanz und Theater hat. Er spricht über seine Definition von Leidenschaft und darüber, was Tanz für ihn wirklich bedeutet. Wir erhalten Einblicke, wie Tanz und Theater kombiniert werden können, wie Emotionen einen großen Einfluss auf den Tanz und das Publikum haben und was Kunst wirklich ausmacht.

Wie würdest Du Leidenschaft definieren?
"Leidenschaft sind für mich die Dinge, die dich morgens aufwachen lassen und ohne die du nicht leben kannst. Ich nenne das gerne Bauchgefühl, es ist etwas, das in dir lebt und ohne das du nicht atmen kannst. Jeder hat eine Leidenschaft, für manche ist es die Arbeit, für andere das Essen oder irgendetwas anderes. Solange diese Dinge dich antreiben und dir Mut zum Leben geben, nenne ich es Leidenschaft."

Welche Emotionen kommen bei dir hoch, wenn du tanzt?
"Ach du meine Güte... Wenn ich tanze, kommen alle möglichen Gefühle hoch. Tanzen ist für mich der Moment, in dem man vor anderen Menschen wirklich verletzlich sein kann und sich durch seinen Körper ausdrücken kann. Also kommen ehrlich gesagt alle Emotionen hoch, es hängt von der Geschichte ab, die ich erzähle, es hängt von dem Moment ab, in dem ich gerade bin. Ich kann traurig sein, ich kann glücklich sein oder ich kann verrückt sein, es kommt wirklich auf den Moment an, in dem ich tanze. Es ist alles eine Mischung aus Emotionen."

Wie kann Tanz Menschen berühren?
"Tanz ist eine kraftvolle Art, eine Emotion, eine Geschichte, ein Gefühl ohne Worte zu vermitteln. Tanz ist nicht an eine Sprache oder eine Kultur gebunden. Tanz ist offen für alle. Durch das Tanzen entdecke ich, dass ich ein Mensch sein kann. Für mich ist es der beste Weg, ein Thema anzusprechen und darüber zu sprechen, ohne beurteilt zu werden oder in eine Schublade gesteckt zu werden.  Tanz ist frei, also kann die Freiheit jeden berühren."

Welchen Einfluss hat Tanz auf die Gesellschaft?
"Tanz ist ein Heiler. Tanz ist ein Lehrer. Tanz ist ein Moment, den man mit anderen teilt, also kann er wirklich schöne Momente schaffen. Er kann Orte erreichen, die wir normalerweise als Einzelperson nicht erreichen. Er ist der beste Weg, um ein Gespräch zu führen und etwas auf den Tisch zu bringen. Es ist der beste Weg, um eine Diskussion zu führen. Es ist der beste Weg, um Menschen zu bilden, und es ist der beste Weg, um mit seinen inneren Gefühlen in Kontakt zu kommen. Ich glaube, dass der Tanz die Gesellschaft berührt, weil er alle Gefühle zeigt. Er schafft Perspektiven und Möglichkeiten, wo wir unsere Menschlichkeit wirklich teilen können. Tanz ist der beste Lehrer und der beste Heiler, der beste Politiker und das beste Zeichen. Ich meine, er ist alles, weil er aus all den Emotionen entsteht. Emotionen sind wahr, Emotionen können niemals lügen und ein Körper kann niemals lügen."

Auf welche Weise lässt sich Tanz mit Theater kombinieren?

"Nun, als Tänzerin benutze ich immer beides, Theater und Tanz. Einer meiner besten Lehrer sagte mir, dass das Theater der Zwillingsbruder des Tanzes und der Tanz die Zwillingsschwester des Theaters ist. Die Kombination der beiden macht die Kunst mächtig. Menschen, die den Körper nicht verstehen, verstehen auch die Sprache nicht und umgekehrt. Wenn man beides kombiniert, bietet man den Menschen die beste Erfahrung in der Kunst und beim Betrachten einer Aufführung. Also immer beides kombinieren!"

"Nun, als Tänzerin benutze ich immer beides, Theater und Tanz. Einer meiner besten Lehrer sagte mir, dass das Theater der Zwillingsbruder des Tanzes und der Tanz die Zwillingsschwester des Theaters ist. Die Kombination der beiden macht die Kunst mächtig. Menschen, die den Körper nicht verstehen, verstehen auch die Sprache nicht und umgekehrt. Wenn man beides kombiniert, bietet man den Menschen die beste Erfahrung in der Kunst und beim Betrachten einer Aufführung. Also immer beides kombinieren!"

Im Zusammenhang mit dem East African Nights of Tolerance Festival (EANT) bietet ihr verschiedene Trainings für ruandische Tänzer an. Auf was freust Du Dich dieses Jahr besonders?
"Es ist zwei Jahre her, dass wir in Kigali aufgetreten sind, und wir hoffen, dass wir die Freude, die wir damals hatten, wieder zurückbringen und das Gespräch wieder aufnehmen können. Für uns ist das Festival nicht nur eine Gelegenheit, die Tänzergemeinschaft zu präsentieren, sondern auch eine Gelegenheit, unsere verschiedenen Geschichten zu erzählen. In diesem Jahr sprechen wir über "Tomorrow is now". Dei Frage ist, wie Du Deine Zukunft siehst und was Du jetzt sagen willst. Wie lässt sich das Morgen schon heute gestalten? Ich bin sehr aufgeregt, denn ich weiß, dass wir wunderschöne Shows von jungen Tänzern sehen werden, die viel zu sagen haben. Es ist also einfach schön, wieder auf der Bühne zu stehen und es zu genießen!"

Was würdest Du Tänzern raten, die Angst haben, vor Publikum zu tanzen?
"Wir haben alle Angst auf die Bühne zu gehen, denn wenn wir auf die Bühne gehen, werden wir wirklich verletzlich. Das ist das Besondere an der Kunst, denn wir stellen unsere Verletzlichkeit zur Schau und teilen unsere Geschichte mit, ohne dass wir Angst davor haben, beurteilt zu werden oder Angst davor haben, anders gesehen zu werden. Es ist also normal, Angst zu haben, in der Öffentlichkeit zu tanzen, aber letztlich sind WIR Leidenschaft und WIR sind Emotionen, und wenn wir sie nicht teilen, brauchen wir nicht zu tanzen. Ich würde dir also raten, deine Angst zu überwinden und dich wirklich dafür zu öffnen, deine Geschichte, deinen Tanz und dich selbst mit dem Rest der Welt zu teilen. Nur so könnt ihr eurer Kunst und eurer Geschichte treu bleiben."

von Antonia Kambouris