Interview Sarah Farina & Yo van Lenz

Sarah Farina
© Lisanne Schulze

Ihr nennt euch Sarah Farina und Yo van Lenz. Wie kamt ihr auf diese Namen und haben sie eine Bedeutung?

Yo: Es war einfach nur ein Spitzname. Ich weiß gar nicht mehr wie es sich ergeben hat.
Sarah: Kommt Lenz nicht von Faulenzen?
Yo: Ja genau, Lenz kommt von Faulenzen. Wahrscheinlich, weil ich als Teenie viel gefaulenzt habe, und das führte dann sozusagen zum Nachnamen „van Lenz“. Yo ist einfach von meinem Vornamen Johannes. Ich habe damals immer so ältere Skater Freunde gehabt und die haben mich dann natürlich Yo genannt mit Y, weil das damals irgendwie so war. Und daher kommt mein Künstlername.
Sarah: Und Sarah Farina ist mein richtiger Name.

Ihr seid nun seit fast einer Woche unterwegs. Wie gefällt euch das Tourleben bis jetzt?

Sarah: Es ist mega spannend und eine total andere Welt! Unser erster Stopp war in Uganda, Kampala und jetzt sind wir hier und es ist schon ein immenser Unterschied und wahrscheinlich sind die Länder, die noch kommen auch total unterschiedlich.
Wir freuen uns sehr darauf und es ist eine tolle Möglichkeit so eine Reise machen zu können, die mit unserer Leidenschaft verbunden ist.
Es ist cool, dass wir nicht nur auflegen, was ich vor allem sonst immer nur mache, sondern dass wir auch die Möglichkeit haben uns mit lokalen Leuten zu connecten und Workshops zu geben. Es ist sehr wertvoll mit anderen Menschen zu kollaborieren, das hat immer viel Wert und kann gar nicht schlecht sein.
Auch, dass wir in Afrika sein können, ist total besonders für uns, weil die Musik, die wir auflegen und die Musik, die wir hören, ihre Wurzeln hier hat. Deswegen ist es schön und auch wichtig für uns, dass wir hier sein können.
Ich persönlich finde es immer als DJ oder Musikproduzentin wichtig, wenn man die Möglichkeit und das Privileg hat an die Orte zu reisen, wo die eigenen Inspirationen herkommen, damit man sie besser verstehen kann.
Und die Leute sind auch alle nett bis jetzt.

Die letzten Tage habt ihr in Kampala verbracht. Wie unterscheidet sich euer Eindruck von Kigali im Vergleich zu Kampala?

Yo: Kampala ist auf jeden Fall ein bisschen hektischer oder vielleicht auch ein bisschen viel hektischer. Hier herrscht eine ganz andere Energie, es ist viel entspannter, das haben wir sofort gemerkt.
Sarah: Es ist auch kleiner.
Yo: Es ist kleiner, entspannter, grüner, viel grüner und ein bisschen geordneter und europäischer als Kampala.
Sarah: Ja, aber man muss auch dazu sagen, dass Uganda eines der jüngsten Länder in Afrika ist. Man merkt, dass es noch nicht so lange unabhängig ist und da Vieles noch nicht so gut funktioniert. Ich glaube, dass das Leben dort wahrscheinlich noch um einiges härter sein kann, als es vielleicht hier ist. Was man dort schon schnell gesehen und gefühlt hat, wenn man durch die Straßen gelaufen ist, war die Armut, die auf den ersten Blick zu erkennen war. Und ich habe dort auch nicht so viele luxuriöse Gebäude oder Stadtteile gesehen.
Yo: Dadurch, dass hier in Kigali alles geordneter ist und man nicht will, dass Leute besonders kreativ werden, oder dass es Querdenker gibt, gerade im Bezug auf den Genozid, ist natürlich die Kreativität hier nicht so sehr zu spüren wie in Kampala. Dort hat man schon gemerkt, dass es eine Szene gibt und Leute, die Kunst machen. Zudem sieht man auch überall Street Art und solche Sachen.
Sarah: Es gibt ja auch sowas wie das Nyege Nyege Festival in Uganda, wo ich auch gespielt habe und viele Künstler aus Uganda. Ich habe gehört hier gibt es nur ein oder zwei Festivals und auch noch gar nicht lange und das ist schon sehr unterschiedlich.
Aber es ist total cool bis jetzt, dass wir hier sein können.

Wie kamt ihr dazu im Rahmen der Goethe Tournee durch Afrika zu reisen?

Sarah: Ihr habt uns gefragt. Und wir mussten uns dann nur überlegen, ob wir in diesem Zeitraum Zeit haben, weil wir beide selbständig im Musikbereich arbeiten und da kann man Manches nicht so gut vorhersehen. Manchmal kommen in einem halben Jahr ganz viele Aufträge, man weiß es nur noch nicht oder eben gar nichts ist und deswegen mussten wir da einfach schauen. Aber es war ziemlich schnell klar, dass wir das machen wollen. Es ist eine super besondere Möglichkeit, da nicht so viel Austausch zwischen Europa und Afrika stattfindet. Und auch mit dem Goethe-Institut arbeite ich ja nicht zum ersten Mal zusammen und es war immer cool und sehr auf Augenhöhe, was mir auch sehr sehr sehr wichtig ist.
Ich will nicht einfach irgendwohin reisen, um „den coolen DJ“ zu geben, das ist nicht meine Priorität. Die Priorität die ich habe, ist eher sich mit echten Menschen zu connecten und Beziehungen zu anderen Künstlern aufzubauen und einen fairen Austausch auf Augenhöhe zu schaffen.
Yo: Wir sind auch sehr dankbar, dass das Goethe-Institut uns die richtigen Leute vorstellt und uns eben mit Musikschulen, wie hier in der Nähe von Kigali connecten kann und wir fühlen uns auch total gut aufgehoben und gut betreut von den lieben Leuten hier im Goethe-Institut.

Innerhalb eures Workshops habt ihr ruandische Musikschüler*innen kennengelernt und euch ausgetauscht. Wie waren diese Begegnungen für euch?

Sarah: Es war sehr intensiv, weil es viel mehr Schüler waren als geplant und wir wollten, dass der Workshop trotzdem für jeden wertvoll ist. Angefangen haben wir mit dem DJ Workshop, bei dem wir erst mal ein bisschen gesprochen und dann einfach den DJ Kontroller angeschlossen haben, damit die Schüler das gleich ausprobieren konnten. Wir wollten, dass sie sich nicht langweilen, vor allem weil es so eine große Gruppe war und da die Aufmerksamkeitsspanne schnell flöten geht.
Es war cool, da sie sehr interessiert waren. Das Einzige, was ein bisschen schwierig war, war die Mädels mehr zu involvieren. Es waren nicht so viele da und die, die da waren, waren sehr schüchtern, weil die Jungs schon ein bisschen „Ellenbogen-Style“ und sehr selbstbewusst unterwegs waren.
Dann haben wir noch den Musicproduction Workshop gemacht, bei dem wir einen Song gemeinsam produziert haben, den Yo jetzt noch fertig macht, damit wir ihn dann den Schülern schicken können.
Wir werden auch die ganzen Kontakte von den einzelnen Schülern bekommen, ihnen nochmal eine Zusammenfassung des Workshops schicken und hoffen, dass wir mit ihnen in Kontakt bleiben können, weil wir jetzt gar nicht dazu gekommen sind, deren eigene Musik zu hören. Es wäre auch voll schön, wenn wir daran teilhaben könnten, wie sie sich als Künstler weiterentwickeln und wir für sie da sein könnten, wenn sie Fragen haben.
Das ist sowieso unsere größere Vision für die Tour, dass wir mit den Menschen, die wir kennenlernen, in Kontakt bleiben und einen Austausch schaffen, weil wir als Europäer einfach bestimmte Privilegien haben, allein schon schnelles Internet. Wir können uns jegliche Musiksoftware kaufen und runterladen das sind oft mehrere Gigabyte und daran scheitert es hier oft, weil das Internet einfach nicht schnell genug ist oder auch zu teuer. Wir wollen Möglichkeiten finden, das für die Kids und den musikalischen Nachwuchs zugänglicher zu machen und einfach so eine Art musikalisches faires Ökosystem aufbauen. Wir planen vielleicht auch regelmäßig wieder an die Orte zurückkommen und schöne Sachen zu machen, musikalisch.
Yo: Nach unserer Erfahrung in Kampala hat sich jetzt hier in Kigali auch bestätigt, dass wir an der Software die wir mitnehmen, noch ein bisschen arbeiten können, und dass wir auch alte Versionen der Software mitnehmen.
Wir waren vorher in Kontakt mit Ableton und Native Instruments aus Berlin, die uns netterweise mit Software und Hardware unterstützt haben. Das Problem war dann allerdings, dass wir mehrere Workstations aufbauen wollten, aber am Ende nur mit Sarahs Computer arbeiten konnten, weil die Software auf den Computern der Musikschule nicht lief. Da würden wir dann gerne nächstes Mal mit Ableton sprechen, ob wir vielleicht die letzten zehn Versionen, der letzten zehn Jahre bekommen können, damit wir uns eben sicher sein können, dass wir zumindest etwas dort installieren können, womit die Leute arbeiten können.

Sarah du bezeichnest deine Musik als Rainbow Bass. Wie bist du auf den Namen gekommen und was verbirgt sich dahinter?

Sarah: Als DJ oder Künstler passiert es einem oft, dass man beschreiben oder in eine Box packen soll, was man macht. Beim Auflegen sind das dann oft Genres. Diese Einordnung viel mir immer irgendwie schwer, ich fand es auch immer ein bisschen komisch, dass man sich da so kategorisieren muss und irgendwie bin ich dann auf den Begriff Rainbow Bass gekommen. Ich habe mich gefragt, was empfinde ich, wenn ich die Musik auflege oder wie nehme ich sie visuell wahr, finde ich da irgendein Wort. Ich spiele ganz verschiedene Musikstile mit verschiedenen Tempi und verschiedenen Vibes. Ich nehme die Musikstile total bunt war. Das sieht für mich aus wie ein Regenbogen, weil meiner Meinung nach auch die verschiedenen Musikstile irgendwie mit einander verbunden sind. Allein wenn man sich historisch anschaut, wie bestimmte Musikgenres entstanden sind, ist das immer eine Fusion gewesen aus verschiedenen Dingen. Mein Sound ist vor allem auch vom Sound aus der UK beeinflusst , der auch deswegen so super divers ist, weil es diesen krassen karibischen Einfluss gibt, der natürlich auch wieder mit einem sehr dunkeln Kapitel verknüpft ist, dem Kolonialismus und so weiter. Durch den jamaikanischen Einfluss in der UK gibt es eine große Soundsystem Kultur: aus Dub und Reggae sind Sachen wie Drum'n' Bass und Jungle, Two Step und Grime entstanden. Meiner Meinung nach ist das alles miteinander verbunden und man kann das teilweise auch wirklich hören. Für mich sind die Genres eben genauso verbunden wie die Farben des Regenbogens und die Essenz von allem ist der Bass oder der Subbass, da er einen starken Effekt hat und man ihn auch körperlich fühlt, deswegen Rainbow Bass. Man kann das auch von weiter weg betrachten. Nicht nur die Genre sind alle miteinander verbunden, sondern auch die Menschen. Eigentlich sind wir ja alle miteinander connectet allein wenn man sich die Weltkarte anschaut, dann sieht man ja, das die Kontinente früher einmal ein einziger Kontinent waren. Das ist auch die Message von Rainbow Bass, dass alle irgendwie connectet sind, und dass Musik eine universelle Sprache ist, die Leute zusammenbringt, die sich gar nicht kennen und die vielleicht auch nicht die gleiche Sprache sprechen. Aber durch die Musik kann ein Einheitsgefühl entstehen, bei dem, wenn ich als DJ auflege, das Gefühl habe, ich kann mich mit den Leuten austauschen, dass die Leute loslassen, mehr im jetzt leben, jeder so sein kann wie er will und einfach eine gute Zeit hat. Bei den besten Gigs fühlt sich es fast so an, als ob man für ein paar Stunden Weltfrieden hätte, weil die Leute einfach loslassen können und einen geschützten Raum haben.
Yo: Und Sarah verbindet die Genre in ihrem DJ Set wie die Farben in einem Regenbogen.

Gibt es ein Must Have, das ihr auf jeder Reise dabei habt?

Sarah und Yo: Kopfhörer.