Leipziger Buchmesse Eine Stadt im Zeichen des Lesens

Die Leipziger Buchmesse – eine Stadt im Zeichen des Lesens
Die Glashalle ist idealer Leseplatz für eine kurze Ruhepause | Foto: Leipziger Messe GmbH /Uli Koch

Jeden März ist die Leipziger Buchmesse der Frühlingstreff der deutschsprachigen Buchbranche, flankiert von Leipzig liest, einem Literaturfestival, das seit nunmehr über 20 Jahren die gesamte Stadt in Beschlag nimmt.

Für einige Tage steht ganz Leipzig im Zeichen des Lesens. In Zahlen bedeutete das für 2015: 251.000 Besucher, 3.000 Mitwirkende, 2.263 Aussteller und 3.200 Veranstaltungen. Außerhalb des Messegeländes luden mehr als 400 über die ganze Stadt verstreute Orte zu den unterschiedlichsten Lesungen und Gesprächen ein, teilweise an ungewöhnlichen Schauplätzen wie in einem Bettengeschäft oder im Apothekenmuseum. Wer sich also für deutschsprachige Literatur interessiert, für den lohnt sich eine Reise nach Leipzig allemal, denn wirklich jedem (Lese-)Geschmack wird etwas geboten. Die Vielfältigkeit und Fülle des Programms machen es nahezu unmöglich, einzelne Highlights herauszupicken, aber wagen wir einmal einen Versuch ...
 
Der Donnerstagmorgen bietet sich an, um erst einmal durch die fünf Messehallen zu schlendern. Besonders empfohlen sei die Halle 5. Hier versammeln sich vor allem die Independent-Verlage, vor deren gemeinsamer Lesebühne es sich wunderbar verweilen lässt. Kleiner Tipp: Bitte erschrecken Sie nicht, wenn Ihnen alle naselang fleischgewordene Manga-Figuren, inklusive Schwert oder Elfenflügel, über den Weg laufen! Parallel zur Buchmesse findet nämlich die jährliche Manga-Comic-Convention statt.
 
Premiere hatte in diesem Jahr das sogenannte „Übersetzerforum“, einerseits eine Anlaufstelle für ÜbersetzerInnen, aber vor allem auch eine Veranstaltungsbühne, die dem interessierten Messepublikum die Kunst des Übersetzens näher bringen will. Hier bot sich die Möglichkeit, Podiumsgesprächen über z.B. die besonderen Herausforderungen von Kinder- und Jugendbuchübersetzungen oder den „Traumberuf Übersetzer“ zu lauschen.
 
[Der Lyriker Jan Wagner gewinnt den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie „Belletristik“ mit seinem Gedichtband „Regentonnenvariationen“.] Am Donnerstagnachmittag wird in der zentral gelegenen Glashalle alljährlich der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. In der Kategorie Übersetzung wurde in diesem Jahr Mirjam Pressler für ihre Übertragung von Amos Oz’ Roman Judas ausgezeichnet. Der Preis für das beste Sachbuch ging an Philipp Ther für Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa. Für eine echte Überraschung sorgte Jan Wagner, dessen Lyrikband Regentonnenvariationen sich in der Kategorie Belletristik durchsetzen konnte. Schon die Nominierung war für die lyrikaffine Leserschaft überaus erfreulich, denn leider wird dieses Genre in solchen Kontexten nur allzu oft, ja, es lässt sich nicht anders sagen, ignoriert. Und womöglich fielen deshalb die Freudenrufe, die durch die Glashalle hallten, als der Name Jan Wagner fiel, in diesem Jahr besonders leidenschaftlich aus. In der Tat sind die Regentonnenvariationen der erste Gedichtband, der mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Endlich! Im Übrigen wird gemunkelt, dass Jan Wagner schon bald in schwedischer Sprache zu lesen sein wird ...
 
Durchaus prominent vertreten ist auch die Literatur aus dem Norden. Im Nordischen Forum werden aktuelle Übersetzungen aus den nordischen Sprachen präsentiert, außerdem stellen AutorInnen, ÜbersetzerInnen und LektorInnen ebendiese auf einer kleinen, stets gut besuchten Bühne vor. Dieses Jahr waren zum Beispiel Kjell Westö und Lotta Lundberg zu Gast. Am Freitagabend fand – wie jedes Jahr – die Nordische Lesenacht im soziokulturellen Zentrum naTo statt, die von den in Berlin ansässigen Nordischen Botschaften arrangiert wird. Wen es einmal nach Leipzig und zur Nordischen Lesenacht verschlägt, dem sei dringend angeraten, genug Vorlauf einzuplanen. Dem Autor dieses Artikels ist es nämlich, zugeben ob utopisch-optimistischer Zeitplanung, noch nie gelungen, einen Platz bei dieser sagenumwobenen Veranstaltung zu ergattern. Diejenigen, die mehr Erfolg hatten, schwärmen allerdings in den höchsten Tonen.
 
Für viele ein Muss ist die LLL, die Lange Leipziger Lesenacht, die am Donnerstag in der Moritzbastei stattfindet. Auf verschiedenen Bühnen lesen AutorInnen bis nach Mitternacht aus ihren aktuellen Büchern. Mit dabei sind vor allem viele jüngere Stimmen, und der Lesungsmarathon ist eine wunderbare Gelegenheit, spannende literarische Debüts zu entdecken.
 
Zum Abschluss noch drei aktuelle Buchtipps:
 
An Jan Wagners Regentonnenvariationen kommt man sicher nicht vorbei, und überhaupt lässt sich die Auszeichnung auch als Einladung verstehen, in die vielfältige deutschsprachige Lyrikszene einzutauchen. Wer nach einem unterhaltsamen Thriller à la Gillian Flynn sucht: Melanie Raabes Debütroman Die Falle, konnte schon vor seinem Erscheinen jede Menge Vorschusslorbeeren einheimsen. Das Buch gehört zu den wenigen Titeln, die für Books at Berlinale ausgewählt wurden und ist bereits in mehrere Länder verkauft worden – keine Selbstverständlichkeit für einen Thriller aus Deutschland. Ob Melanie Raabe es auch bis nach Krimi-Schweden schafft? Und ein letzter Tipp: In Wenn ich groß bin, werde ich Dichter hat Florian Werner frühe Texte verschiedener namhafter AutorInnen versammelt. Mit dabei sind u.a. Olga Grjasnowa, Clemens J. Setz und Monika Rinck, die interessante Einblicke in ihre literarischen Anfänge gewähren.