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Familie
Aushandlungen von Eltern zu Arbeit und Betreuung

Die schwedische Familienpolitik hat lange dafür gearbeitet, dass sich sowohl Mütter als auch Väter im Alltag in der Kinderbetreuung engagieren. Die Familienpolitik hat auch angestrebt, es Eltern zu erleichtern, Erwerbsarbeit und Erziehung zu vereinen. 

Von Jenny Alsarve

Einige der Grundpfeiler dieser Politik sind das Recht auf Kinderbetreuung ab dem ersten Geburtstag des Kindes, das Recht, bei Krankheit des Kindes zu Hause zu bleiben und nicht zuletzt die flexible und vergleichsweise großzügige Elternzeit, die beide Elternteile gleichermaßen ermuntert, mit den Kindern zu Hause zu bleiben. Aus diesem Grund wird die schwedische Familienpolitik manchmal als Zweiverdiener-Modell bezeichnet. Aber dennoch erleben schwedische Frauen und Männer oft einen Konflikt, wenn es darum geht, Arbeit und Familie zu vereinen. Frauen erleben diese Konflikte stärker als Männer, besonders, wenn sie Eltern sind. Das überrascht nicht besonders, da Frauen immer noch mehr Verantwortung für Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen. Interessanterweise zeigen Studien, dass Frauen nicht nur mehr im Haushalt arbeiten, sondern auch eine größere Verantwortung für das übernehmen, was für die Familie geplant, gemacht und abgesprochen werden muss. Diese Verantwortung ist von einigen Forschern als die "dritte Schicht" bezeichnet worden.

Warum verteilen Eltern Kinderbetreuung und Hausarbeit auf eine bestimmten Art und Weise? Wie verhandeln Paare über Betreuung, Arbeit und Hausarbeit? Diesen Fragen sind ich und meine Kollegen in einem Forschungsprojekt nachgegangen, das ab 2020 mit einer neuen Studie weitergeführt wird, in der wir ungefähr 40 zusammenlebenden Eltern zehn Jahre lang folgen werden. In früheren Studien haben wir gesehen, dass Paare eine Tendenz zu einer „traditionelleren“ Arbeitsteilung aufweisen, wenn sie Eltern werden. Es scheint auch eine Rolle zu spielen, wie lange Väter zu Hause und in Elternzeit sind, da Väter, die längere Zeit zu Hause waren, dazu tendieren, mehr Hausarbeit zu leisten – d.h. in diesen Familien haben die Eltern eine ausgewogenere Verteilung der Arbeit, verglichen mit Familien, in denen der Vater kürzere Zeit zu Hause war.

In meiner Forschung, in der frischgebackene Eltern vor und nachdem sie ihr erstes Kind bekommen hatten interviewt wurden, hat sich gezeigt, dass der Alltag mit kleinen Kindern von ständigen Verhandlungen geprägt ist - manchmal in offenen, manchmal in eher subtilen Diskussionen. Als Beispiele hierfür nannten die Eltern wiederholte abendliche Absprachen, wer die „Nachtschicht“ übernehme, falls das Kind aufwachen sollte; oder auch Diskussionen darüber, wer sich um die Kinder und wer um den Abwasch kümmert. Andere Beispiele waren Aussprachen, in denen es darum ging, dass der Andere mehr von einer Aufgabe übernehmen sollte, für die sie sich hauptverantwortlich fühlten. Beispielsweise verspürten einerseits die Männer, dass an sie größere Erwartungen bezüglich Reparaturen gestellt wurden – worüber sie manchmal mit ihren Partnern verhandeln wollten. Die Frauen hatten andererseits das Gefühl, dass sie eine große Verantwortung für die Kinderbetreuung bekommen hatten, und brachten dies zur Diskussion mit ihrem Partner. Bei allen aber gab es ein Streben nach einem gleichberechtigten Leben, als Eltern und Partner. Dieses Streben fiel allerdings mehr oder weniger explizit aus. Dass die Eltern diesen Wunsch zur Sprache brachten, ist im Hinblick auf den recht starken Gleichberechtigungsdiskurs in Schweden natürlich nicht wirklich überraschend.

Es gab auch Beispiele für allgemeinere Verhandlungen auf einer anderen Ebene. Die Eltern diskutierten nämlich auch über Gleichberechtigung und über die Bedeutung von Mutter- und Vaterschaft. Dies konnte bedeuten, dass die Mutter - als Vorsichtsmaßnahme - immer wieder die Frage der Arbeitsverteilung auf den Tisch brachte, um sicherzugehen, dass sie nicht in die Lage geraten würde, größere und generelle Verantwortung für Haus und Kinder zu bekommen. Die Frauen sprachen sowohl vor als auch nachdem sie Kinder bekommen hatten, über das Risiko, diese generelle Verantwortung übertragen zu bekommen – die sog. dritte Schicht, die bereits erwähnt wurde. Es wurden auch mehrere Beispiele dafür angeführt, wie Mütter – und auch Väter – aktiv die Bedeutung von Weiblich- und Männlichkeit, Mutter- und Vaterschaft neu aushandeln wollten.

Bezüglich Elternschaft und Betreuung gibt es aber Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen. Beispielsweise zeigt quantitative Forschung, dass höher qualifizierte Männer länger in Elternzeit gehen als geringer qualifizierte. Die Paare unserer Studie hatten ein hohes Ausbildungsniveau, und die Männer gingen länger in Elternzeit als schwedische Männer im Allgemeinen. Dies lässt darauf schließen, dass sich die Diskussionen und Voraussetzungen dieser Paare wahrscheinlich von denen anderer Paare unterscheiden. Darüber hinaus ist es wichtig, nicht unbedingt ein Gleichheitszeichen zwischen einen fürsorglichen Vater und einen gleichberechtigen Partner zu setzen, auch wenn einige Forschung darauf hindeutet, dass Paare nach der Elternzeit eine ausgewogenere Verteilung von Betreuung und Haushalt haben, wenn der Vater lange zu Hause gewesen ist.
 

Literatur
Almqvist, A-L. & Duvander, A-Z. (2014) Changes in gender equality? Swedish fathers’ parental leave, division of childcare and housework. Journal of Family Studies 20(1):19–27
Alsarve, J. (in Kürze erscheinend) Parental leave and then what? A study of Swedish parents’ negotiations about work, care and parental leave.
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Ericson, U., Petterson, P., Rydstedt, L. & Ekelund, E. (2019) Arbete, familjeliv och återhämtning. En explorativ studie om ”tredje skiftet”. Arbetsmarknad och arbetsliv. Årg. 25
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