Deutschland, Schweden und der Islam A propos Religion

Wer hätte vor 20 Jahren gedacht, dass das Thema Religion heute noch einmal so stark unseren gesellschaftlichen Diskurs bestimmen würde? Längst scheinen wir doch angekommen zu sein im aufgeklärten Säkularismus, religiöse Fragen sind mehr oder weniger passé und beeinträchtigen unser Zusammenleben wenn überhaupt nur am Rande, abgesehen von vereinzelt aufflammenden Debatten.

Auf einmal aber sprechen wir in Deutschland und Nordeuropa wieder über Religion, über Kreuze in Amtsstuben, über religiöse Traditionen und christliche Werte, und über den Islam.

Von dieser Religion sprechen wir besonders häufig oder zumindest besonders laut, wobei damit ganz unterschiedliche Dinge gemeint sein können.

An dieser Stelle soll es nicht darum gehen, so vielschichtige Themen wie „Islam“ oder „Religion“ erschöpfend zu diskutierten, vielmehr entsprechen die Beiträgen ihrer Bandbreite und Komplexität.

James Hodkinson regt in seinem Artikel über den intellektuellen Austausch zwischen Orient und Okzident zu Goethes Zeit dazu an, die Debatten über das Andere einmal zum Anlass zu nehmen, das eigene zu reflektieren. 

Den Vermischungen von Religion, Fremdheit und Zugehörigkeit geht Asal Dardan nach: Sie befragt drei junge Frauen und drei junge Männeraus Deutschland und Schweden nach ihren Erfahrungen aus islamisch geprägten Ländern bzw. danach, wie ihnen in Deutschland und Schweden begegnet wird.

Im Gespräch zwischen der liberalen Imamin Seyran Ateş aus Berlin mit dem Kirchenhistoriker Christoph Markschies wird deutlich, dass es in islamisch geprägten Gesellschaften oft äußert schwierig ist, einen liberalen Islam zu leben. Sie selbst nimmt für ihren Kampf die ständige Bedrohung aus konservativen islamischen Kreisen in Kauf und muss in der Öffentlichkeit von Bodyguards geschützt werden. Ateş weist auch darauf hin, wie wichtig die Rolle demokratischer, offener Gesellschaften just für eine Reformierung des Islam ist.

Das Thema Islam und Migration in Deutschland, Schweden und Europa wird im Rahmen einer Veranstaltung im Goethe-Institut diskutiert, dessen Dokumentation hier einzusehen ist. Katajun Amirpurgreift in diesem Rahmen noch einmal auf, welche Probleme sich bereits bei der Verwendung der Begriffe „Islam“ und „Musliminnen“ ergeben können und weist dabei (Link Artikel) u.a. auf das eigentlich selbstverständliche, aber oft ignorierte Faktum hin dass es „den Islam“ so nicht gibt, und dass die Religion von verschiedenen Menschen an verschiedenen Orten unterschiedlich ausgeübt wird.
 
Der Schwerpunkt wird laufend erweitert; in Kürze folgen Artikel von u.a. Nicklas Kelemen und Arpad Sölter.