Dialog: Bildung und Zukunft "Wir schaffen das." Schaffen wir das?

Sprachlerner
Foto: GettyImages, Andersen Ross

2015 kamen mehr als eine Million Flüchtlinge nach Deutschland, Schweden hat mehr als 100.000 Menschen aufgenommen, die neu angekommen sind. Dies bedeutet hier wie dort eine immense Herausforderung für das Bildungssystem, denn viele Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche.

Wie gehen die Bildungseinrichtungen in Deutschland und Schweden mit den neuangekommenen Flüchtlingen um? Hat man in beiden Ländern ausreichend Ressourcen, um die enorme Aufgabe der bildungspolitischen, aber letztlich auch damit verbundenen, sozialen Integration bewältigen zu können? Diese Frage bewegt nicht nur die Spitzenpolitiker hier wie dort, sie betrifft auch Lokalpolitiker, Schulleiter, Lehrer, Mitschüler und Eltern.

Über Gemeinsamkeiten und teils unterschiedliche Ausgangsbedingungen und Herangehensweisen diskutierten Rolf Harms (Leiter des Heisenberg-Gymnasiums Hamburg), Dr. Nora von Dewitz (Mercator-Institut für Sprachförderung und Zentrum für Lehrerinnenbildung der Universität zu Köln), Mats Wennerholm (Referent der obersten Schwedischen Schulbehörde ‚Skolverket‘) sowie Rektor Henrik Lundqvist (Ronnaskolan, Södertälje).

Partner bei dieser viel beachteten Veranstaltung waren Svenska Europarörelsen und nicht zuletzt Kulturhuset Stadsteatern, in dessen Räumlichkeiten die Verantaltung stattfand. Für die Übersetzung sorgten Carolina Novoa und Elisabeth Poignant.

ROLF HARMS

Am Heisenberg-Gymnasium in Hamburg gibt es speziell eingerichtete Klassen für neu angekommene Flüchtlingskinder. Die Schüler haben 20 Stunden Deutsch pro Woche. Nach dem ersten Jahr Residenzpflicht können die neu Angekommenen den Wohnsitz selber bestimmen und auch die Schulen frei wählen. Rolf Harms betonte die unterschiedliche Gesetzgebung in den 16 deutschen Bundesländern, die zu verschiedenen Bedingungen führt.
 
DR. NORA VON DEWITZ

Die Forscherin aus Köln sagte, dass es von ungeheurer Bedeutung sei, dass Flüchtlinge möglichst bald in bereits existierende Klassen gehen, um die Integration zu erleichtern. Des Erlernens der deutschen Sprache maß sie ebenfalls eine hohe Wichtigkeit zu. Lernerfolge sind notwendig, um den Flüchtlingen erste Erfolge zu sichern und sie für den weiteren Weg im Bildungssystem zu motivieren.
 
HENRIK LJUNGQVIST


An Henrik Ljungqvists Schule in Södertälje, südlich von Stockholm, werden pro Schuljahr etwa 100 neu Angekommene aufgenommen. Er problematisierte, dass Flüchtlinge oft dorthin wollten, wo schon viele Landsleute seien. Das führe dazu, dass das Erlernen der Landesprache Schwedisch oft schwierig sein. Wie auch Rolf Harms sagte Ljungqvist, dass schwedische (bzw. deutsche) Eltern ihre Kinder nicht gerne an Schulen anmelden würden, an denen der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund hoch sei.
 
MATS WENNERHOLM

 
Lediglich zwei neue Schüler pro Klasse gäbe es, wenn es eine gerecht Verteilung existieren würde,, so Wennerholm. Die Realität allerdings sehe ganz anders aus, weshalb es mancherorts mehr Schwierigkeiten gibt als anderswo.
Dennoch glaubt Mats Wennerholm nicht, dass man sich in einer Krise befinden würde. Er war vielmehr der Auffassung, dass man es schaffen wird, die neu Angekommenen schulisch zu integrieren.