Zentrum für alternative und autonome Produktion Weben von sozialen Netzen für ein gesünderes Gewebe des Stadtlebens

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Das Schicksal wollte es, dass sich dieses Gebäude in der Tkalski prehod (deutsch: Weberpassage) befindet, und so hat es den Namen Tkalka (deutsch: Weberin) bekommen. Das ist ein idealer Name für einen Ort, an dem es hauptsächlich um das Schaffen von Verbindungen geht. Fünf Jahre stand das Gebäude leer, weil die Stadtregierung, Eigentümerin des Hauses, auf einen fetten Profit aus seinem Verkauf hoffte. Dies gelang nicht, und so vermietete die Stadt Maribor das Gebäude im Herbst 2014 an mehrere Organisationen, die sich unter der Dachorganisation CAAP – Zentrum für alternative und autonome Produktion zusammengeschlossen hatten.

Stadtentwicklung vorantreiben

Tkalka ist heute ein 2.500 Quadratmeter großer Aktionsraum, in dem mehr als 30 Organisationen, Sozialunternehmen, Genossenschaften, Verbände, –Institutionen, Initiativen und Einzelpersonen aller Altersgruppen arbeiten. Ihre Aktivitäten konzentrieren sich in erster Linie auf den Aufbau von Unternehmen, insbesondere mit sozialem Fokus, Innovationen im Sozialbereich, sowie Ausbildung und Tourismus. Alle haben dabei ein gemeinsames Ziel: einen Beitrag zur Stadtentwicklung zu leisten durch Schaffung neuer Arbeitsplätze und Erhöhung der Lebensqualität. Mit dem Tkalka ist es zudem gelungen, ein leer stehendes Gebäude sinnvoll zu nutzen: In slowenischen Städten stehen viele Gebäude leer und sind dem Verfall preisgegeben. Grund für den hohen Leerstand ist häufig, dass es nach der Privatisierung in den 1990er-Jahren schwierig war, mit den oft zahlreichen Teileigentümern Einigkeit darüber herzustellen, ob das Gebäude verkauft, vermietet oder saniert werden soll.

Erstes Gemeinschaftszentrum dieser Art in Slowenien (CAAP)

Die Geschichte des Trägervereins CAAP beginnt mit dem Projekt Urbane brazde (Urbane Furche), das als ein Programmteil der Initiative Maribor – Kulturhauptstadt Europas 2012 entstand. Diesem Projekt ist es unter anderem zu verdanken, dass diese kleine Stadt mit 100.000 Einwohneren bis heute mehrere urbane Gemeinschaftsgärten hat, die alle auf ökologischer Basis funktionieren. „Auch bei den im Tkalka ansässigen Initiativen geht es um die Neubelebung der Stadtteile und der nahen Umgebung, unabhängig davon, ob es sich um nachhaltige Nahrungsmittel, Mobilität, Stadtgärten, biologische Vielfalt, soziale Eingliederung, Beschäftigung der Roma-Gemeinschaft oder andere Programme handelt“, erzählt uns die Zentrumsleiterin Karolina Babič.

Radio Marš - eine der ersten Institutionen unter dem Dach von Tkalka

Das lokale Studentenradio MARŠ entstand im Jahr 1990 und ist damit die älteste Initiative im Tkalla. Obwohl die Radiostation einen ständigen Kampf um Finanzierung, Status und Ausrüstung kämpfen, feierte sie bereits ihr 25-jähriges Bestehen. Die MARŠ-Macherinnen und -Macher bleiben aber realistisch in Bezug auf ihre Rolle in der Medienlandschaft des 21. Jahrhunderts: Auf die Frage über ihre Pläne für das nächste Jahrzehnt antwortet Redakteur Jernej Osim: „Das nächste Jahr überleben“. Seit MARŠ ein Teil von Tkalka ist, gibt es auf seiner Frequenz die Sendung Tkanje (deutsch: Weberei), die sich der Präsentation der Organisationen von Tkalka und deren Arbeit widmet.

Bürogebäude mit Thematik

„Bürogebäude mit Thematik“ – so lautet das Motto von Tkalka. Weil es sich aber um einen sehr großen Organismus handelt, haben die Initiatorinnen und Initiatoren das Jahr 2015 zum Jahr der Konsolidation bestimmt. Karolina Babič stellt fest, dass Tkalka in der Zukunft aufgrund der anfallenden Verwaltungsangelegenheiten eine möglichst „leichte“ formalrechtliche Struktur braucht.

„Die derzeit noch ,spontane Struktur‘ hat bisher eigentlich nur das Problem, dass es beim wöchentlichen Freitagstreffen schier unmöglich ist, für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer – also für die Älteren, die Künstlerinnen und Künstler, die Landwirtinnen und -wirte, Romas, PC-Freaks, die Theoretikerinnen und Theoretiker und die Handwerkerinnen und Handwerker, die richtige Musik zu finden“, lacht Karolina. Aber wenn das die einzigen Probleme sind, dann können wir für die Zukunft optimistisch sein!