Vortrag Der Senegal empört sich

Der Senegal empört sich
Foto (Ausschnitt): Angelika Prox-Dampha

Das Goethe Institut platzt aus allen Nähten. Grund, eine heiße Podiumsdiskussion zum Thema Rolle der Jugend bei der gesellschaftlichen Mobilisierung vor den Wahlen und Konzert.

Am 30. März 2012 hatte das Goethe Institut Senegal in Kooperation mit der Association Africulturban, dem Zentrum der Hiphop-Szene Westafrikas, zu einer besonderen Veranstaltung eingeladen. Zuerst sollte es eine Podiumsdiskussion geben, in der die Rolle der Jugend bei der gesellschaftlichen Mobilisierung vor den richtungsweisenden Präsidentschaftswahlen beleuchtet wurde. Im Anschluss daran verwandelte sich der Diskussions- in einen Musiksaal, in dem bekannte senegalesische Rap Musiker und DJs aufspielten und bis Mitternacht getanzt wurde.

Auf dem Podium diskutierten Wortführer der erfolgreichen demokratischen Revolte, die im Zuge der Wahlen im Senegal stattgefunden hatte und die Präsidentschaft Abdoulaye Wades beendete, sowie ausgewiesene Experten des senegalesischen und europäischen Jugendprotests. Es ging um die Frage, welche Konsequenzen der Erfolg der politischen Jugendbewegung nach sich ziehen würde. Und: Gibt es Parallelen zu Jugendprotesten ihn Europa?



Die Historikerin Sévérine Awenengo Dalberto erläuterte, dass der starke Einfluss der Jugendbewegung auf die jüngste politische Entwicklung einen Einstellungs- und Wertewandel in der Gesellschaft Senegals einleitet. Die Bevölkerung ist nicht länger passiv, sondern ist sich bewusst, etwas bewegen zu können und ist bereit, Eigeninitiative zu zeigen.

Didier Awadi, ein seit den neunziger Jahren auch international populärer Rap Musiker, Gründer der Band Positive Black Soul, die eine Fusion zwischen Rap und traditioneller Musik spielt, bekannt als Sprachrohr der Jugend durch seine Werke "Un autre monde est possible" und "Présidents d’Afrique", stellte die Hoffnungen der Jugendbewegung dar. „Wir erwarten keine Zauberei. Wir sind keine Fantasten, aber wir wollen Ergebnisse sehen! Ergebnisse, die die Wähler respektieren und die sich auch in Europa sehen lassen können. Afrika ist nicht Folklore! Macky (Macky Sall, der neue Präsident des Senegal) soll sich so verhalten, dass unser Land in Europa und Amerika auf Augenhöhe respektiert wird.“

Thiat, einer der Initiatoren der Jugendbewegung „Y´en a marre“, griff dies auf: „Wir wollen keinen Präsidenten, der im Ausland im Namen des Volkes Gelder erbettelt, dass er sich dann in die eigene Tasche steckt.“ Er warnte den neuen Präsidenten: „Wir wollen keine Regierung vom Typ Wade ¬- nur ohne Wade.“

Die internationale Dimension der Präsidentschaftswahl und des Jugendprotests im Senegal beleuchteten der Wirtschaftsexperte und Autor Sanou Mbaye sowie der deutsche Erziehungswissenschaftler und Soziologe Martin Bittner von der FU Berlin. Sanou Mbaye kritisierte die Abhängigkeit der senegalesischen Wirtschaft durch die Kopplung des FCFA an den Euro. Diese Kopplung schnüre die Wirtschaft des Senegal ein und verschlechtere dadurch die Chancen der Jungen. Martin Bittner wies insbesondere auf den psychologischen Aspekt des Jugendprotests hin: Die Jugend sei von den älteren Politikern zutiefst enttäuscht. Es sei indessen bemerkenswert, dass heute in der senegalesischen Gesellschaft der Mut und die Hellsichtigkeit der Jugend weithin anerkannt seien. Anders als in Europa seien die älteren Senegalesen stolz auf die Jungen – ein bezeichnender Unterschied.

Die Veranstaltung, die den Saal des Goethe Instituts zum Platzen brachte, wurde von Michael Jeismann moderiert, dem neuen Institutsleiter des Goethe Instituts Senegal. Die Veranstaltung sollte die Bindung des Goethe Instituts an die senegalesische Gesellschaft stärken und für aktuelle Themen ein hochwertiges Forum bieten. Im Anschluss an die Podiumsdiskussion fand ein Rap Konzert statt. Die Rapper Matador und Simon sowie der DJ Zee Master begeisterten Jung und Alt und brachten den vollen Saal zum Brodeln. Das Publikum war von der Veranstaltung wie von der Stimmung begeistert. Die Medien berichteten über die Veranstaltung und bezeichneten sie als eine gelungene Kooperation zwischen senegalesischen Intellektuellen und dem Goethe Institut. Claudia Roth, die Vorsitzende der Partei "Die Grünen" die an der Veranstaltung teilgenommen hatte, formulierte ihre Bewertung der Veranstaltung folgendermaßen: „So sollte Goethe Arbeit sein!“