Begegnung
Jo Lendle trifft senegalesische Editoren und deutsche Studierende

Begegnung
Foto (Ausschnitt): Stéphanie Nikolaidis

Mittwoch 13. Juli war der letzte Tag des Seminars. Am Vormittag traf sich Lendle mit Vertretern der Verlagshäuser aus Dakar. Nach dem Willkommengruß von Bouya Fall, ergriff der Geschäftsführer des Hanser Verlags Johannes Lendle das Wort, um sich erst einmal vor den anwesenden Verlegern vorzustellen, bevor er sein Verlagshaus kurz präsentierte. Er informierte die Verleger, dass Hanser Verlag im Jahre 1928 gegründet wurde, und dass er neben dem Suhrkamp Verlag der größte Literaturverlag Deutschlands ist.

Die Hauptniederlassung des Hanser Verlags befindet sich in München, aber der Verlag hat Zweige in Berlin und in der Schweiz. Jährlich veröffentlicht Hanser 200 Bücher und die 2/3 sind für Literatur bestimmt, 1/3 sind Fiction-Bücher und 1/3 der publizierten Bücher werden in andere Sprachen übersetzt.

Folgende Verlagshäuser waren beim Treffen vertreten: NEAS (gegründet im Jahre 1972, das älteste Verlagshaus im Senegal), Abis-Éditions, dessen Vertreter derzeitiger Leiter des Dachverbands Afrilivres ist, das 34 afrikanische Verlagshäuser umfasst, NARA Éditions, Preisträger des Prix de l'Éditon in 2015 (Verlagspreis 2015), Harmattan-Senegal (gegründet im Jahr 2009), ARED (besonders spezialisiert in der Veröffentlichung in nationalen Sprachen wie Wolof und Pulaar), Amalion-Éditions (zweisprachig: Französisch und Englisch, veröffentlicht ausschließlich afrikanische Autoren), OSAD und ARED (Verlagshäuser, die den Status von NGOs haben) und Kusoma-Group, der erst vor zwei Jahren gegründet ist und der sowohl gedrückte als auch E-Books Veröffentlichungen macht. Kusoma- Group macht Buchveröffentlichungen in Senegal und in der Elfenbeinküste. Anwesend war auch das Verlagshaus BLD Éditions (Bibliothèque Lecture Développement), vertreten von der Gründerin Frau Antoinette Fall Corréa, die derzeit das Amt der Präsidentin der Association Sénégalaise des Éditeurs (Verband der senegalesischen Verleger) inne hat. 1994 gegründet, setzt sich der Verlag zum Ziel die Förderung von Kultur und von Bildung. BLD ist auf Jugendliteratur spezialisiert und veröffentlicht in Französisch, Wolof und Pulaar.

Sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene sind diese Spezialisten der Buchveröffentlichung sehr tatkräftig und arbeiten innerhalb nationaler oder internationaler Verbände für die Verbesserung der Veröffentlichungs- und des Vertriebsbedingungen von Büchern. Die Diskussion war sehr interessant und zuweilen sogar leidenschaftlich und sie bezog sich u.a. auf die Stellung und die Förderung afrikanischer Schriftsteller auf dem deutschen Buchmarkt, auf Verlags- bzw. Vertriebsprobleme. Ein besonderes Merkmal dieser Verlagshäuser ist dass, sie neben ihrer eigentlichen Rolle als Verleger auch Maßnahmen ergreifen, die in Sinne einer besseren Vertretung und Förderung von Büchern zu verstehen sind, aber auch die Verleger helfen sich den aktuellen Herausforderungen zu stellen (Buchpiraterie, unfairen Wettbewerb der "Straßenbuchhändler").

Unter diesen Aktionen können wir beispielsweise die Eröffnung seitens von Harmattan-Senegal einer Buchhandlung in Dakar und demnächst in Saint-Louis und Ziguinchor, aber auch eine Fernsehsendung namens "Le monde des livres", die monatlich auf der öffentlichen Fernsehanstalt RTS kommt. ARED, die neben der Arbeit als Verleger, einen Teil ihrer Aktivitäten der Ausbildung widmet und zwar mit der Schaffung im Jahr 2009, in Zusammenarbeit mit dem senegalesischen Ministerium für Bildungswesen, eines Programms für die Schule, das zur Zeit in 200 Klassen in die Tat umgesetzt wird. Auf dem Privatfernsehen 2STV kommt ebenfalls eine Sendung, die von Sada Kane moderiert wird und die als Diskussionsforum um ein Buch mit Fachleuten gilt (mit der Pulaar-Version von L'Aventure Ambigüe von Cheikh Hamidou Kane wurde eine Sendung schon ausgestrahlt). Zum letzten Mal während dieses Treffens mit den Verlegern griff Jo Lendle das Wort, um zu informieren, dass der Umsatz von Carl Hanser Verlag ungefähr 50 Millionen Euro beträgt, und dass 6% davon für die Förderung von Büchern bestimmt sind.

Am Nachmittag dieses letzten Seminartags traf sich Jo Lendle immer in diesem Saal Weimar mit den Studierenden der Germanistikabteilung der UCAD, die für eine Lesung zahlreich erschienen waren. Lendle war dermaßen angenehm überrascht, als einer der Studenten mitteilte, dass er ein Buch geschrieben hat, das vom Verlag Edilivre veröffentlicht wurde. Ein Textauszug aus seinem Buch Was wir Liebe nennen, das einige Studierenden schon kennen, wird von Lendle selbst vorgelesen. Während der Texterklärung nahmen die Studierenden tüchtig Anteil und stellten viele Fragen.

Am Ende der Lesung sagte Lendle, dass er von den Senegalesen sehr beeindruckt war, mit denen er im Laufe dieses dreitägigen Seminars sehr viel gewechselt hat. Er hat sich sehr gefreut, dass die Studierenden während der Lesung nicht nur aktiv teilgenommen haben, indem sie viele Fragen stellten, um den Text oder das Buch zu verstehen, aber besonders, weil die Fragen klug waren.

Das letzte Wort hatte am Ende Bouya Fall, die das Seminar abschloss, indem sie sich bei Jo Lendle und allen Teilnehmern ganz herzlich bedankte.