PASCH
Die stärksten Brücken

Die stärksten Brücken
Noah Giczella

Anfang Dezember 2017 nahmen neun deutsche Gymnasiasten aus Osterode an einem Workshop des Goethe Instituts teil. Nicht irgendwo, sondern in Kaolack im Senegal.
 

Der Workshop war der erste Teil eines dreiteiligen Projekts, das sich mit dem Thema Start-up befasst. Neben den deutschen Schülern waren Jugendliche von drei PASCH-Schulen aus dem Senegal beteiligt, zudem fanden Parallelworkshops in weiteren afrikanischen Ländern statt. Welche Eindrücke der Gymnasiast Noah Gizcella in Kaolak gewonnen hat, können Sie hier lesen.

 Zehn Tage waren es - zehn Tage, die mich verändert haben. Nicht nur mein Blick auf fremde Menschen, das Verständnis für andere Kulturen und Religionen und die Umwelt haben sich nach dieser Zeit komplett auf den Kopf gestellt, sondern auch der Wert, den ich dem zumesse, was ich habe. Es ist praktisch gar nicht in Worte fassbar, was ich mit meinen Augen gesehen, mit den Ohren gehört, mit der Zunge geschmeckt und mit dem Herzen gefühlt habe. Es sind Eindrücke, die für immer bleiben werden, so viel steht fest.

Flughäfen, die mehr an ein überdachtes Feld erinnern, Taxis, die von TÜV wahrscheinlich noch nie was gehört haben und Menschen, die einen permanent verwundert anschauen. Das waren die ersten Eindrücke, die ich hatte. „Komisches Land!“. Und doch war es eine der schönsten Reisen meines Lebens. Ich habe noch nie so viele Kontraste gesehen, die so nah beieinander liegen. Auf der einen Seite hat man ein Hotel, das mit europäischen Standards mehr als mithalten kann, mit wunderschönen Gärten, einem Pool und einseitigem, aber sehr leckerem Essen. Müll an jeder Ecke, unfertige Bauruinen, chaotische Märkte und Menschen, die auf der Straße leben, stehen dem entgegen. Das Ganze ist nur durch eine dünne Mauer getrennt. Ich würde sagen, arm und reich leben im Senegal zwar miteinander, aber dennoch aneinander vorbei.

Die meisten Menschen, die wir getroffen haben, hatten nicht viel, aber es hat mich gerade deshalb tief beeindruckt, dass sie das Wenige, was sie hatten, mit uns teilen wollten, auch wenn es „nur“ eine Mango oder eine Banane war. Trotz der armen Verhältnisse, kann Deutschland viel von der senegalesischen Mentalität lernen. Offenheit, Dankbarkeit und Lebensfreude, diese drei Worte bedeuten Senegal.

Alles, was während der Reise passiert ist, alles, was wir erlebt und gesehen haben, ist so unbeschreiblich, dass mir jetzt noch die Worte fehlen, wenn ich versuche, davon zu berichten. Ich bin einfach zu tiefst berührt, berührt von einer Kultur, die unserer so fern ist, wie kaum eine andere, mit der wir aber dennoch so viel teilen. Ich kann einfach nur sagen, dass ich unglaublich dankbar dafür bin, diese Erfahrungen gesammelt haben zu dürfen. Ich freue mich jetzt schon unglaublich auf die nächste Begegnung im März, bei der noch einmal ganz neue Eindrücke dazu stoßen werden.

Alles in einem kann ich sagen, dass mich die Reise verändert hat, mein Denken, mein Handeln und meinen Blick auf die Welt. Es ist erstaunlich und beeindruckend, wie das Projekt in den letzten Jahren gewachsen ist und die Brücke immer weiter gebaut wurde, ich hoffe, dass es in den nächsten Jahren genauso weitergeht und noch mehr Freundschaften entstehen. Ich kann nur jedem ans Herz legen, „Macht mit; seit ein Teil davon!“ Bei Andreas Tenzer heißt es, „Die stärksten Brücken entstehen aus den Steinen gefallener Mauern.“

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung geschrieben von Naoh Giczella und veröffentlicht durch die Zeitung „Schalglichter“ am 16. Dezember 2017