Schulprojekt
Karawane durch die digitale Welt

Caravane à travers le monde digital
©Johannes Wehrle

Im Rahmen eines Workshops zur Sensibilisierung der Medien für und mit Schülern sind eine Gruppe des Goethe-Instituts in Dakar und Vertreter des Organisations mJangale an fünf verschiedenen Schulen des Senegals zu Besuch gewesen.

Man hört vereinzeltes Hupen der Autos, hier und da das Krähen eines Hahnes oder das Schreien einer Ziege. Nach und nach scheint das Leben im Norden Senegals zu beginnen. Auch im Veranstaltungssaal des Lycée in Richard Toll sind immer mehr sich langsam streckende Arme zu erkennen, bis schließlich von den 40 anwesenden SchülerInnen alle, bis auf sechs, ihre Finger nach oben halten. Vorangegangen ist die Frage, wer von ihnen ein Smartphone besitze und dieses regelmäßig benutze. Von diesem Thema wie angefacht scheinen die SchülerInnen auf einmal wach zu werden und es entsteht nahezu ein Wettstreit, wer wieviel Zeit auf welchen sozialen Netzwerken verbringe.

Wie bereits während der letzten drei Tage befinden wir uns an einer von fünf Schulen im Norden Senegals, um in Kooperation mit der Organisation mJangale einen Workshop zur Mediensensibilisierung in der digitalen Welt der Jugendlichen durchzuführen. Im Senegal ist in den letzten Jahren eine deutliche Tendenz zu erkennen, sich von den traditionellen mündlichen Übertragungswegen ab- und zu einer Verbreitung über digitale Wege hinzuwenden. Dabei kann es sich um alltägliche Gespräche bis hin zur der Verbreitung von Werbung und fake News handeln. Da die Gefahren des Internets zumeist weder in Schulen, noch im Elternhaus thematisiert werden, haben wir es uns in Kooperation mit den fünf ausgewählten senegalesischen Schulen zur Aufgabe gemacht, diese wichtige Medienkompetenz bei den Schülern auszubilden.

Dafür wird den Teilnehmenden anhand eines Diagrammes, die weltweite Internetaktivität während einer Minute dargestellt, was dazu führt, dass die zuvor grinsenden Gesichter von einem Moment auf den anderen einem überraschten und fassungslosen Gesichtsausdruck weichen. Vor allem die Zahl der 29 Millionen versendeten Nachrichten auf WhatsApp scheint uns allen unvorstellbar. Nachdem wir kurz die Vorteile des Internets besprechen, kommen wir zum zentralen Thema des Workshops: „die Gefahren des Internets“.

Anhand des immer wieder auftretenden Slogan „Si c’est gratuit, vous êtes le produit“ diskutieren Lehrer und Schüler über die Sammlung persönlicher Daten im Internet, unter anderem das Erscheinen von Pop-Ups, Werbung und Cookies, jedoch auch über das Hacken von persönlichen Daten. Die Tatsache, wie dringlich vor allem das letzte Thema bereits ist, zeigt sich anhand eines spontanen 10-minütigen Vortrags eines Jugendlichen über seine eigenen Erfahrungen mit der Internetkriminalität. Wirklich bewusst über die Menge der gesammelten Daten im Internet, werden sich seine 50 Mitschüler jedoch erst, als wir zusammen versuchen in 5 Minuten, so viel wie möglich über einen unserer Kollegen von mJangale herauszufinden.
Vor allem im Rahmen der sozialen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. scheint die Gruppe dabei Erfolg zu haben. Dies nutzen wir, um einen Bogen zu weiteren wichtigen Themen des Internets zu spannen und deren Problematik und Gefahren mit den SchülernInnen zu erarbeiten: Anonymität, Cyberbullying und Upload von Bildern anderer Personen ohne deren Einverständniserklärung.

Nachdem die verschiedenen Gefahren des Internets ausgiebig besprochen wurden, zeigt Babacar von mJangale, wie man sich gegen diese schützen kann. Wie so oft fängt es auch hier mit dem Einfachsten an: dem Wählen des richtigen Passwortes. Wir nennen die meist benutzten auf der Welt und fragen, ob sich jemand in der Klasse befindet, der diese auch benutzt. Und ja! Hier und da heben sich einzelne Hände zaghaft an. Doch das ist nichts, für was man sich schämen, sondern nur etwas, was man vermeiden sollte, weswegen wir gemeinsam ein beispielhaftes „perfektes“ Passwort erstellen.

Nicht nur in Betracht der anstehenden Wahlen hier im Senegal stellen fake News eine weitere große Gefahr des Internets dar. Doch auch diese kann man schnell und leicht durch verschiedene Strategien identifizieren.

Mit einem Gruppenfoto beenden wir daraufhin unseren Workshop. Nach dem darauf folgenden, regelrechten Fotoshooting für die sozialen Netzwerke der SchülerInnen, brechen wir unsere Zelte für heute ab und begeben uns in Richtung des Autos. Denn unsere kleine Karawane durch die digitale Welt zieht noch heute zur nächsten Schule weiter.
Im Rahmen des Workshops arbeiten wir mit den folgenden fünf Schulen zusammen: dem Lycée Malick SY in Thiès, demLycée Cheikh O.F Tall in  Saint Louis, dem Lycée de Ross Béthio, dem Lycée Richard Toll und dem Lycée de Donaye- Tarédji.