Au Coeur de la Littérature Märchenbücher von Ibrahima Ndiaye

Ibrahima Ndiaye
Foto (Ausschnitt): Stéphanie Nikolaidis

Mehrere Märchenbücher, mehrere Sprachen, mehrere Kulturen. Das Literaturtreffen vom 28. Oktober war alles andere außer herkömmlich. Dank der Vielfalt seines Werkes hat der Autor des Monats, Ibrahima Ndiaye, sehr schöne Emotionen im Saal Weimar ausgelöst. Zu Beginn der Veranstaltung gab es einen hervorragenden Auftritt des Schauspielers Massaer Diop. Nach dem Beifall des Publikums, ergriff der Autor, bequem sitzend zwischen den Moderatoren Bouya Fall und Oumar Ndiaye, das Wort und stellte sich zunächst einmal vor.

Als Sohn eines Armeeoffiziers und einer Grundschullehrerin, ist Ibrahima Ndiaye im Jahre 1963 geboren. Sein Vater ist einer der Wegbereiter des senegalesischen Theaters gewesen. Der Autor wird schon im Alter von sieben Jahren in die Kunst der Oralität eingeführt. Er profitierte zudem von der Tatsache, dass er die Chance hatte, die Lehren von Griots regelmäßig zu zuhören. Es ist durchaus denkbar, dass seine Kindheit von dieser Oralität geprägt war. Nach der Grund- und der ersten Stufe der Sekundarschule, besuchte er das Prytanée Militaire-Gymnasium von Saint-Louis. Seine Liebe zur deutschen Sprache war reiner Zufall, aber diese Liebe brachte ihm schöne Bescherungen in Form von Auszeichnungen und Stipendium.

Im Märchen Mini-Mini erzählt Ibrahima von der Geschichte einer kleinen Schlange, die wie alle anderen Tieren Beine haben möchte. Als sie feststellte, dass dies unmöglich war und dass sie ihr Leben lang kriechen wird, biss sie schließlich alle anderen Tiere.

Der Autor ist der Ansicht, dass es ihm allein durch den Titel seines zweiten Buches Amadou Ma Amadou gelungen ist, die deutschen Leser mit afrikanischen Namen vertraut zu machen.
In diesem Buch, in dem der Autor die ihm erzählten Märchen aufschreibt, geht es um die Geschichte von einem Königssohn, der zum Exil verbannt war und der nach seiner Rückkehr alle seiner Gegner besiegte. Die Frage über seine Motivation, Märchen zu schreiben, beantwortet der Autor wie folgt: "Ich will nicht, dass unsere Traditionen und Sitten von fremden Menschen erzählt werden". Die von Ibrahima erzählten Märchen sind universelle Geschichten afrikanischer Inspiration: "Wenn man einen Menschen wirklich kennenlernen will, muss man zu ihm gehen".

Im dritten Märchen Ndumbelaan rührte er noch einmal die Sensibilität des Publikums, als er die Märchenstunden erwähnte, die seine Großmutter ihm jeden Abend zu erzählen pflegte. Auch nannte er eine afrikanische Maxime, die sehr sinnvoll ist: "Wenn ein Mann so schnell wie möglich ein Kind haben will, dann muss er eine schwangere Frau heiraten".

Ibrahima, der u.a. als Moderator auf mehreren großen afrikanischen Festivals in der Welt arbeitet, hat seinen eigenen Verlag Schocolili gegründet. Der Grund dafür erklärt er wie folgt: "Ich habe meinen eigenen Verlag gegründet, um zu vermeiden, dass meine afrikanische Seele gestohlen wird". Das am Goethe Institut veranstaltete Literaturtreffen ist für den Schauspieler und Schriftsteller Ibrahima Ndiaye alias Ibo eine Premiere in seiner Heimat.
Damit seiner Werke zugänglich für alle werden, stellte er den Lesern Hörbücher zur Verfügung. Außerdem ist zu erwähnen, dass sein Märchenbuch Dikum Dakum als Lehrwerk im Programm der Grundschulen in Rwanda gilt.

Was seine Projekte betrifft, arbeitet er momentan an zwei Büchern, die den Lesern bald zur Verfügung gestellt werden. Nach einem reichen Austausch mit dem Publikum, bezauberte er mit Melodien aus seinen zwei Instrumenten (Kalimba und Tamburin) alle Teilnehmer, die er in sein sprachliches Universum versetzte, bevor er den Abend mit einem sehr emotionalen Märchen in der Sprache Goethes beendete.