Au Coeur de la Littérature „Kulturtransfer in der Übersetzung von Literatur und Film“

Louis Ndong
Foto (Ausschnitt): Stéphanie Nikolaidis

Das Buch von Louis Ndong, der im Monat Juli zu Gast bei "Au cœur de la littérature" war, beruht auf Ousmane Sembènes Novelle Niiwam und deren gleichlautenden Verfilmung und analysiert die in literarischen und filmischen Übersetzungsprozessen festgestellten Kulturtransfers.

In Transferts culturels dans la traduction de textes littéraires et de films: l'exemple de Niiwam, la nouvelle de Sembène Ousmane, et de son adaptation filmique en allemand, der französische Titel seines Werkes, stützt sich Louis Ndongs Vorgehen auf vier wesentliche Analyseebenen.

Der Autor stellt die Tatsache voran, dass viele afrikanische Schriftsteller, die in europäischen Sprachen schreiben, dazu neigen, in ihren afrikanischen Sprachen zu denken, bevor sie eine Übertragung ins Französische, Englische, Spanische oder Portugiesische machen. "Das Wort Sonne bedeutet in der Malinke-Sprache Epoche. Wenn wir also den Titel des Romans Le soleil des Indépendances von Amadou Kourouma in Betracht ziehen, stellen wir fest, dass der Autor seinen Gedanken aus dem Malinke direkt ins Französische übersetzt. Indem er den Text in seiner Muttersprache denkt, macht er eine Übertragung und schreibt ihn in eine andere Sprache", sagt er. Bei einigen Begriffen der Ausgangssprache stellt der Autor die Einflüsse der Wolof-Sprache in Sembènes Schrift oder auch die nicht große Anzahl von Äquivalenzen in der Zielsprache heraus, sei es aus dem Wolof ins Französische oder aus dem Wolof ins Deutsche. Neben der Übersetzung von Niiwam aus dem Französischen ins Deutsche (Buch) und aus dem Wolof ins Deutsche (Film) setzt sich Louis Ndong auch mit dem Schreiben der Novelle Niiwam selbst auseinander, bei dem der Autor in Wolof denkt und diese Gedanken ins Französische schreibt. "Wir finden viele Übersetzungen aus dem Wolof ins Französische, aus der mündlichen Sprache in die Schriftsprache, wir stellen beim Schreibprozess mentale Übersetzungen fest: von vornherein geschieht schon ein Übersetzungsprozess", erklärt er.

Ferner erwähnt er das Problem, das die "Übersetzung aus zweiter Hand" darstellt. Wie er sagt, ist das der Fall: "wenn Sie zum Beispiel versuchen, einen Roman von Shakespeare, der auf Französisch verfasst ist, ins Deutsche zu übersetzen". Jedoch hebt Ndong einen Unterschied zwischen der Übersetzung aus zweiter Hand und der einer afrikanischen Literatur (bei der der Verfasser in einer afrikanischen Sprache denkt), die auf Französisch verfasst wurde, hervor. Indem er Bezug auf einen Roman bei Shakespeare nimmt, erklärt er seine Gedanken: "Wenn der Übersetzer, der eine Übersetzung aus zweiter Hand macht, die Wahl trifft, Bezug auf die bereits ins Französische übersetzte Version zu nehmen, um das Werk ins Deutsche zu übersetzen, hatte er die Möglichkeit, den englischen Text in Anspruch zu nehmen, da es ihn schon gibt. Im Gegensatz zu ihm hatte der Übersetzer einer afrikanischen Literatur, die er aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt - mit dem Einfluss der Muttersprache des Autors – nicht diese Möglichkeit, auf den Originaltext zurückzugreifen, weil der Wolof- bzw. Malinke-Text nicht in schriftlicher Fassung existiert. Das ist ein Text, der nur im Kopf des Autors existiert".

Der Autor legt ebenfalls den Akzent auf den Übergang von der Schrift zur Leinwand. Auf diesem Niveau existiert seiner Meinung nach einen Übersetzungsprozess zwischen dem literarischen Text und seiner Verfilmung. Was also Ousmane Sembènes Novelle Niiwam angeht, die auf Französisch verfasst wurde und in Wolof verfilmt wurde, bevor sie ins Deutsche übersetzt wurde, legt Ndong den Akzent auf diesen Übergang von der Schrift zur Leinwand, aber auch auf den Übergang von dem Französischen ins Deutsche. Und "diese Übersetzung ist umso schwieriger als der Text, den wir übersetzen, ein schriftlicher Text ist, aber der Text, der als Ergebnis der Übersetzung gilt, ist ein mündlicher Text, weil er in einen Dialog umgewandelt wird. Der Übergang von der Schrift zur Mündlichkeit impliziert zudem viele Schwierigkeiten", unterstreicht der Germanist.

Zum Schluss weist Louis Ndong auf die Übersetzung von Originaltexten (auf Wolof) ins Deutsche hin. In diesem Zusammenhang ist er der Ansicht, dass: « Der Übersetzer hat weniger Probleme, da es sich um eine Übersetzung handelt, bei der Wolof unmittelbar die Ausgangssprache ist", aber trotzdem nuanciert er: "Außer bei der Originalfassung mit Untertiteln kommt es vor, dass der Übersetzer sich auf eine bereits untertitelte Fassung (wie das Französische) stützt, bevor er die Übersetzung ins Deutsch macht".

In ihren Notizen über die Vorstellung des Werkes wies Frau Prof. Khadi Fall von der Universität Cheikh Anta Diop Dakar darauf hin, dass: "Die Arbeit (von Louis Ndong) zeigt wie komplex die Übersetzung literarischer Produktion ist, deren europäische Schreibsprache von den lokalen Verkehrssprachen ihrer afrikanischen Autoren stark beeinflusst wird". Nach Auffassung der Universitätsprofessorin "ermöglichen die Verfilmung solcher Produktionen in eine afrikanische Sprache wie Wolof und ihre Übersetzung, abgesehen von den damit verbundenen Schwierigkeiten, die verschiedenen Kulturtransfers, die eine echte interkulturelle Kommunikation zwischen dem Senegal und den deutschsprachigen Ländern ermöglichen oder erleichtern können, zu erfassen".