AU COEUR DE LA LITTÉRATURE Saër Ndiaye rührt an die Identitätskomplexe

Saër Ndiaye
Foto (Ausschnitt): Stéphanie Nikolaïdis

In diesem Roman werden die Anekdoten eines Autors, der als Wolof aufwuchs und dessen Sinne sich beim Baoulé-Stamm entfalteten, erzählt.
 

In diesem Roman werden die Anekdoten eines Autors, der als Wolof aufwuchs und dessen Sinne sich beim Baoulé-Stamm entfalteten, erzählt.

Excusez! Je suis Wolof [Entschuldigung! Ich bin Wolof] wird nicht in einer fortlaufenden Chronologie, einer Reihe von Ereignissen, die seitenweise ineinander folgen, aufgebaut. Saër Ndiayes Roman ist im Gegenteil ein einheitliches Labyrinth von Anekdoten, Ereignissen, die  sich vermischen, ohne dass der Leser den Faden der Erzählung verliert.

Von den Anekdoten aus seiner Kindheit, dem Senegalese in der Côte d’Ivoire, im Land der Baoulé; der Enttäuschung, die er bei seiner Rückkehr in sein Heimatland, Senegal, erlebte, weil er sich ein Idealbild von den moralischen Werten ausmalte; seiner Rückkehr in die Côte d’Ivoire nach 15 Jahren „Exil“ in seiner Heimat Senegal; seinen Abenteuern als gut integrierter Moslem, der neben Französisch und seinen Muttersprachen auch Baoulé spricht;  seiner Erfahrung als Französischlehrer in der Côte d’Ivoire; seiner Begegnung und der anschließenden Ehe mit einer Ivorerin, die ihn später verließ; seiner endgültigen Rückkehr in Senegal; von den Peripetien seiner vielen Hin und Her zwischen beiden Ländern;  bis zum Tod seiner Mutter und den Schäbigkeiten nach der Trauer….kurz gesagt, folgen all diese Ereignisse rasch aufeinander aber jedes hat sein eigenes Lauf.

Schon in den ersten Zeilen entdeckt man, dass Säer Ndiaye die Begabung eines Poeten hat und kann vor allem auch als Poet betrachtet werden.

In den ersten Zeilen des Romans, widmet er sich seiner Methode als Künstler, die darin besteht sich von seinen Ideen mitreißen zu lassen, aus subtiler Weise zu enthüllen. Dabei beweist er, dass er nicht zu den Autoren gehört, die ihre Werke, ihren Ideen erst konzipieren, bevor sie diese schriftlich verewigen. Sobald er von der Muse geküsst ist, werden die Ideen niedergeschrieben. „Ich bin fest entschlossen!“,  schreibt er. „(…) Ich werde sicher nicht diese Art Mensch sein, der die Regeln respektiert, der seinen Text von Anfangsbuchstaben bis zum Schlusspunkt in seinem Kopf durchgehen lässt, bevor er ihn auf ein weißes Blatt übertragt, aber ich kann diese Art Maler sein, der sein Gemälde vorbereitet und die ersten Formen darauf skizziert, die in seinen Gedächtnis drängen und seine Hand führen“.

Der Roman Saër Ndiayes rührt an „die Identitätskomplexe“, rührt „damit jeder Mensch seine innerste Natur akzeptiert, (…) damit das Wort befreit und nicht unterjocht, damit ein individuelles Leben (seins) Brücken zu anderen aufbauen kann“. Sagte nicht einst André Malraux, dass „Kunst der kürzeste Weg von Mensch zu Mensch [ist]?“ Hier ist ein anderer Beweis dafür.

Im Laufe seiner Arbeit spürte und sammelte der Autor was er „Kleinigkeiten“ nennt, „Kleinigkeiten, die unsere Identität ausmachen“, „diese Kleinigkeiten, die unserem Leben Sinn und Reiz geben“. Er hat nicht nur „erlebte Erfahrungen“ und „übernommene“, „Episoden und Peripetien“ sondern auch „erfundene Erfahrungen“ gesammelt.

Von Anfang bis Ende betont der Autor seine Identität als Wolof, er der mehrere Identitäten aufweist und sich „ebenfalls durch den afrikanischen Trommel, das Tamtam, wie der Serer, aber auch die Lyra oder Xalam wie der Pulaar und der Mandinka“ äußert.

Das Interesse dieses Romans beschränkt sich jedoch nicht nur auf diese Identitätsfragen, er reißt Themen wie Landflucht, Ehe an. Er erinnert an Mai 68, informiert über die Korruption in den 70-80er Jahren in Senegal, der Côte d’Ivoire, Mali, Ghana unter Jerry Rawlings, ein Land in dem der Autor entdeckte, dass „Gastfreundschaft nicht ausschließlich in Senegal existiert“.