Tanz mit Handikap
„…Schon seit meiner Kindheit kam ich in Kontakt mit Traditionen, Rhythmus, Gesang und traditionellem sowie modernem Tanz. Ich entwickelte eine große Liebe für den wilden Tanz, den rasenden Rhythmus und den Gesang unserer Vorfahren. Ich liebe den Tanz. Ich lebe Tanz, ich esse Tanz, ich atme Tanz, ich spreche Tanz und ich gehe Tanz. 2012 hatten sich meine Umstände durch Tanzpraktika, Aufführungen, Tourneen und Tanzkurse in den internationalen Schulen Lomés erheblich verbessert. Mein Glaube in diesen Beruf wuchs immer weiter. Alles schien gut für mich zu laufen - bis zu dem Tag, an dem alles vorbei war und der mich eintauchte in ein Jahr voller Schmerz und Hoffnungslosigkeit.
Am 24. September 2014, im Rahmen einer Aufführung zum 40. Jubiläum des französischen Gymnasiums in Lomé, versagte mein linkes Knie während der Vorführung. Ich zwang mich dazu die Vorstellung trotz der Schmerzen zu Ende zu bringen. Ich hatte keine Idee davon, was mir durch diese Verletzung bevorstand.
Am Tag nach der Vorstellung konnte ich mich nicht mehr fortbewegen. Ich hatte so große Schmerzen, dass ich in ein traditionelles Massagestudio gebracht wurde, um dort behandelt zu werden. Alle drei Tage ging ich um 6 Uhr morgens dorthin um mich massieren zu lassen. Mein Fuß war durch einen Verband ruhig gestellt, um die Heilung zu beschleunigen. Ich konnte meinem Beruf als Tänzer nicht mehr nachkommen. Ich beendete die Teilnahme an allen Kursen und verbrachte meine Tage damit, - mit dem Fuß ausgestreckt auf dem Bett - über meine Zukunft nachzudenken.
- Und wenn meine Karriere als Tänzer hiermit beendet ist?
- Was wird ohne das Tanzen aus mir werden?
- Wie wird mein Leben ohne das Tanzen aussehen?
- Ist dies das Ende?
So viele Fragen in meinem Kopf. Ich wurde immer deprimierter und fing an die Hoffnung zu verlieren. Die Tage vergingen und die Zweifel wurden immer stärker. Das Ende ist vielleicht nah, weil meine Welt in sich zusammengestürzt ist. Ich bin alleine zurückgeblieben mit meinem Schmerz und meinem Handikap…“
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