Interview mit Farouk S'habou „Mit Abweichungen umgehen lernen“

Farouk S'habou, Gründer des Konservatoriums "Farouk S'habou Music Academy" und Teilnehmer der Kulturakademie Tunesien 2014
Farouk S'habou, Gründer des Konservatoriums "Farouk S'habou Music Academy" und Teilnehmer der Kulturakademie Tunesien 2014 | Foto: Mejdi Bekri

Farouk S'habou nahm 2014 an der Kulturmanagement-Fortbildung des Goethe-Instituts in Tunesien teil. Seitdem hat er sein eigenes Projekt auf die Beine gestellt, die S'habou Music Academy. In diesem Jahr empfängt er dort die Teilnehmer der KULTURAKADEMIE 2015. Wir möchten von ihm wissen, was ihm die Fortbildung gebracht hat.

Du warst Teilnehmer des Kulturmanagement-Seminars des ersten Jahrgangs der KULTURAKADEMIE 2014. Wenn Du auf die Fortbildung zurückschaust, was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Was mich an der KULTURAKADEMIE Fortbildung 2014 wirklich beeindruckt hat, ist vor allem die Synergie die in der Gruppe entstanden ist, zwischen Teilnehmern und Ausbildern, und das seit dem ersten Kontakt beim Kick off.

Zu dieser Fortbildung trafen etwa zwanzig Kulturakteure aus verschiedenen Bereichen zusammen. Ideen und Erfahrungen wurden an Hand von realen Situationen im Projektmanagement unter Begleitung von Experten und Fachleuten ausgetauscht. Dies war nicht nur eine fruchtbare und bereichernde Erfahrung, sondern hat auch für eine sehr angenehme Energie gesorgt, die uns während der ganzen Fortbildung begleitet hat.

Wie bewertest du die in der Fortbildung vermittelten Techniken? Was war besonders hilfreich?

Für mich waren insbesondere die Arbeits- und Organisationsmethoden hilfreich, die wir erlernt und während der ganzen Fortbildung vertieft haben. Ich finde diese Methoden für einen Kulturmanager sehr nützlich, um nicht zu sagen notwendig, sei es in der Studien- und Planungsphase, oder bei der Umsetzung und im Projektmanagement.

Während der Fortbildung ist die Herangehensweise an die eigenen Projekte ja eher theoretischer Natur - nun hast du dein Projekt verwirklicht.

Mein Projekt besteht darin, drei Berufe der Musik (Schule, Produktion und Künstleragentur) an einem Ort zu vereinen, um so die Synergien und den Austausch, die zwischen den drei Institutionen entstehen können zu nutzen. Meine Projektidee entstand durch die Feststellung, dass es in Tunesien an wirklich gutem Musikunterricht mangelt. Der Bereiche der Produktion und Künstleragenturen sind so gut wie gar nicht vorhanden.

Direkt im Anschluss an die Schulung der KULTURAKADEMIE 2014, habe ich mit der Umsetzung der ersten Projektphase begonnen, der Gründung der Musikschule S'habou Music Academy, die im Januar 2015 eröffnet worden ist.

Von einer Skizze zur Umsetzung ist es ein weiter Weg: Woran hast du erkannt, dass dein Projekt realitätstauglich ist?

Das ist eine Frage der technischen Mittel. Zu Beginn verfügte ich nicht über die Mittel um zu beurteilen, ob mein Projekt realitätstauglich war oder nicht. Vor der Fortbildung der KULTURAKADEMIE hatte ich eine Projektidee. Diese Idee hat sich im Verlauf der Module der Schulung sehr stark weiter entwickelt, bis zu einem Grad der Reifung und Beherrschung des Projektes, mit dem ich in die Umsetzung gehen konnte.

Wie lange hat die Umsetzung gedauert? Was war schwierig, was ermutigend?

Es ist eine langwierige Arbeit, mein Projekt hatte einen guten Start, aber es gibt immer viel Arbeit. Wenn man ein kulturelles Projekt startet, so gibt es, wie bei jedem anderen Projekt auch, immer eine gewisse Menge an unvorhergesehenen Dingen und Abweichungen mit denen man umgehen muss, ohne dabei die wahren Zielsetzungen aus den Augen zu verlieren.

Am schwierigsten war es für mich, mich von meiner Welt – die der Musik, zu entfernen und mich Fragen der Verwaltung, des Managements und der Finanzen zu widmen, an die ich nicht gewöhnt war.

Was mich am meisten ermutigt hat, war die Freude die Fortschritte im Projekt und bei der Zielerreichung zu beobachten.

Wie sind die Reaktionen des Publikums / der tunesischen Öffentlichkeit? Was würdest du dir wünschen?

Von Beginn an, habe ich Unterstützung von meinen Freunden, Kunden und verschiedenen Akteuren der musikalischen Szene in Tunesien erfahren (Musiker, Komponisten, Musiklehrer, usw.).

Die S'habou Music Academy bieten einen angenehmen Rahmen, der nicht nur den Schüler der Akademie für eine breit gefächerte Ausbildung Platz bietet, sondern auch verschiedenen Amateur- und Berufsmusikern die hier ihre Proben und Workshops abhalten können.

Letzten Monat hatte ich auch das große Vergnügen, das Team der KULTURAKADEMIE 2015 in meinen Räumen zu einer Fortbildung begrüßen zu dürfen – so konnten wir unsere Erfahrungen und Ambitionen für ein besseres Kulturleben in Tunesien teilen.

Welche Rolle spielt das, was du gelernt hast heute in der Praxis?

Was ich gelernt habe ist für mich heute eine Referenz im Projektmanagement. Es sind Tools und Methoden die ich für effizient und notwendig halte und die ich weiter benutze. Sie haben mir geholfen meine Zielsetzungen wirksam und in pragmatischer und durchdachter Weise zu erreichen.

Wie motivierst du dich, wenn es mal schwierig aussieht?

Wenn es mal schwierig aussieht, motiviert mich am meisten die Musik, durch meinen Beruf als Musiker, den ich weiter ausübe, und die Liebe zu meinem Projekt.

Wie bewertest du die während der Fortbildung geknüpften Kontakte Ist eine Art Netzwerk entstanden? Denkst du, die Fortbildung kann als Motor für die tunesische Kulturszene funktionieren?

Ich erinnere mich vor allem daran, wie schwer es uns gefallen ist, uns am letzten Schulungstag zu trennen und wieder in den Alltag zurückzukehren. Es entstand eine solide Gruppe aus Kulturakteuren verschiedener Gebiete (Ausbilder, Teilnehmer und Dozenten), die sich gegenseitig ergänzten – das ist, denk ich, einer der Hauptvorteile dieser Fortbildung.

Einheit macht stark: man tauscht Erfahrungen, Ideen und Visionen aus. Ich glaube dieser Zusammenschluss von Kulturakteuren ist heute ungemein wichtig, um die Kulturlandschaft in unserem Land weiter zu bringen.

Was rätst du jemanden, der sein eigenes Projekt umsetzen möchte?

Alles ist möglich, man muss nur seine Zielsetzungen genau definieren und nicht aus den Augen verlieren. Und vor allem, muss man daran glauben und loslegen.

Bei welchem Thema hättest du rückblickend eventuell noch mehr Hilfestellung gebraucht?

Ich finde kein spezifisches Thema zu dem ich mehr Hilfe gebraucht hätte, was mir wirklich vor der Schulung fehlte, war eine zusammenhängende Kette von Prozessen und Themen. Ich hatte zwar gewisse Vorkenntnisse, sie waren aber nicht ausreichend, um solide Glieder für diese Kette zu bilden.

Auch in diesem Jahr hast du dich für verschiedene Vertiefungsmodule des Kulturmanagements beworben. Was denkst du, was in diesem Jahr anders sein wird?

Es ist jedes Mal eine neue Energie und ein neuer Start, um voran zu kommen und sich weiter zu entwickeln. Detailfragen beherrschen, auf dem neuesten Stand sein und seine Kenntnisse ausbauen, das sind wesentliche Elemente in der Arbeit eines Kulturmanagers.

Was planst du als nächstes?

Ich möchte meine erste Projektphase der S'habou Music Academy weiterentwickeln und die nächsten Schritte angehen, die größere Dimensionen haben werden.

„Ich habe mein Rettungsboot gebaut, jetzt fange ich mit dem Bau meines Segelbootes an.“